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Titanic (A1-A2)

NEWHÖREN

Es ist das Jahr 1912. Wir sind in Belfast, in einer großen Fabrik für Schiffe. Tausende Arbeiter arbeiten jeden Tag sehr hart. Sie bauen die Titanic. Das Schiff ist kein normales Schiff. Es ist ein Gigant. Die Menschen nennen es „das schwimmende Schloss“. Alles an diesem Schiff ist supergroß: Die Motoren sind so hoch wie Häuser und die Schornsteine sind so breit, dass zwei Züge darin fahren könnten.

Die Titanic ist 269 Meter lang. Das sind fast drei Fußballfelder! Sie wiegt über 46.000 Tonnen. Die Firma „White Star Line“ ist sehr stolz. Sie sagt: „Dieses Schiff ist unsinkbar!“ Warum sagen sie das? Das Schiff hat im Boden 16 Räume. Diese Räume heißen wasserdichte Kammern. Wenn Wasser in einen Raum kommt, schließen die Arbeiter eine Tür aus Stahl. Dann bleibt das Wasser in diesem Raum und das Schiff sinkt nicht. Das ist der Plan. Die Menschen glauben, dass die Technik perfekt ist.

Die Titanic kostet sehr viel Geld. Alles am Schiff ist neu und modern. Es gibt dort Strom, Telefone und sogar Aufzüge. Das ist im Jahr 1912 ein echtes Wunder. Die Menschen in ganz Europa sprechen über dieses Schiff. Alle wollen ein Ticket kaufen. Für die Reichen ist es ein Abenteuer, für die Armen ist es die Hoffnung auf eine Reise in ein neues Land.

Kapitän Smith sieht das Schiff und ist sehr zufrieden. Er denkt: „Nichts kann dieses Schiff stoppen.“ Die Titanic liegt jetzt im Wasser und wartet auf ihre erste Reise. Überall riechen wir frische Farbe und neues Holz. Die Vorbereitungen laufen Tag und Nacht. Das größte Abenteuer des 20. Jahrhunderts beginnt jetzt. Niemand hat Angst, denn alle vertrauen der Technik und dem starken Stahl.

Die Titanic ist wie eine kleine Stadt. Aber in dieser Stadt gibt es strenge Regeln. Die Passagiere leben in drei verschiedenen Welten. Diese Welten heißen Klassen. Man kann nicht einfach von einer Klasse in die andere gehen. Jede Klasse hat eigene Decks, eigene Restaurants und einen eigenen Preis.

Die erste Klasse ist für die Superreichen. Hier sind Millionäre, Adlige und berühmte Geschäftsleute. Sie zahlen extrem viel Geld für ein Ticket. Ihre Zimmer sind riesig und wunderschön. Es gibt dort teure Teppiche, Möbel aus dunklem Holz und private Badezimmer. Diese Menschen haben oft ihre eigenen Diener dabei. Sie tragen am Abend sehr elegante Kleider und Anzüge. Für sie ist die Titanic ein großer Spielplatz mit viel Luxus.

Die zweite Klasse ist für die Mitte. Hier sind Lehrer, Ingenieure oder kleine Händler. Ihre Zimmer sind auch sehr komfortabel. Sie haben schöne Cafés und Bibliotheken. In vielen anderen Schiffen wäre die zweite Klasse der Titanic die erste Klasse. Die Menschen hier sind sehr zufrieden. Sie genießen die moderne Technik und das gute Essen.

Ganz unten im Schiff ist die dritte Klasse. Hier leben über 700 Menschen. Sie sind oft arm. Sie kommen aus Ländern wie Irland, Schweden oder Italien. Sie haben nur wenig Gepäck. In ihren Zimmern gibt es vier oder sechs Betten. Es ist eng und oft laut. Aber für diese Menschen ist die Titanic ein Traum. Warum? Weil sie nach Amerika fahren. Sie wollen dort ein neues Leben starten und Arbeit finden. In der dritten Klasse gibt es Musik, die Leute tanzen und lachen. Alle hoffen auf ein Wunder in New York.

Oben glänzt das Gold, unten wartet die Hoffnung. Aber alle Menschen auf dem Schiff haben eines gemeinsam: Sie fühlen sich auf der Titanic sicher. Sie denken nicht an Gefahren. Sie sehen nur den blauen Ozean und freuen sich auf das Ziel. Das Schiff fährt weiter und die Wellen sind klein.

Die Titanic ist im Jahr 1912 das teuerste Hotel der Welt. Alles an Bord glänzt und leuchtet. Besonders in der ersten Klasse ist der Luxus unglaublich. Das Herz des Schiffes ist die „Große Treppe“ (Grand Staircase). Diese Treppe ist aus teurem Eichenholz. Oben gibt es eine große Uhr und eine Kuppel aus Glas. Wenn die Sonne scheint, sieht alles wie Gold aus. Hier treffen sich die reichen Damen und Herren vor dem Abendessen.

Die Menschen haben keine Langeweile. Es gibt so viele Möglichkeiten für Sport und Freizeit. Die Titanic hat ein beheiztes Schwimmbad im Inneren – das ist eine Sensation für diese Zeit! Es gibt auch ein Fitnessstudio mit modernen Maschinen, eine Sauna und sogar einen Platz für Squash. Die Männer sitzen oft im Rauchersalon, trinken Whiskey und reden über Geschäfte. Die Frauen besuchen das „Café Parisien“. Dort sieht es aus wie in Paris, mit echten Pflanzen und Blick auf das Meer.

Das Essen ist ein Traum. In der ersten Klasse gibt es jeden Abend zehn Gänge. Köche aus ganz Europa kochen frischen Fisch, teures Fleisch und süße Desserts. Das Orchester spielt dazu leise Musik. In der zweiten Klasse ist das Essen auch sehr gut. Es gibt dort große Speisesäle mit weißen Tischdecken. Sogar in der dritten Klasse ist das Essen besser als bei vielen Menschen zu Hause. Dort bekommen die Passagiere frisches Brot, Suppe und Fleisch.

Manche Zimmer in der ersten Klasse kosten so viel wie ein Haus. Sie haben sogar einen eigenen Kamin mit echtem Feuer! Die Technik ist überall: Überall gibt es elektrische Lichter und Heizungen. Die Passagiere fühlen sich nicht wie auf einem Schiff, sondern wie in einer schicken Stadt. Alles ist stabil, das Schiff vibriert nur ganz leicht. Die Menschen genießen diesen Luxus und denken: „Das Leben ist perfekt.“

Es ist der 10. April 1912. Der Tag ist endlich da. Im Hafen von Southampton in England ist es sehr laut und sehr voll. Tausende Menschen stehen an der Kaikante. Sie winken mit Taschentüchern und rufen Abschiedsworte. Die Titanic liegt majestätisch im Wasser. Sie ist so hoch wie ein Haus mit elf Stockwerken. Die Sonne scheint auf den schwarzen Stahl und die weißen Decks. Alles sieht perfekt aus.

Die Passagiere kommen jetzt an Bord. Die reichen Leute fahren mit teuren Autos direkt zum Schiff. Träger tragen ihre schweren Koffer aus Leder. Die armen Menschen aus der dritten Klasse müssen zuerst zu einer Kontrolle. Ein Arzt sieht sie an. Er prüft: „Sind die Menschen gesund? Haben sie keine Krankheiten?“ Das ist wichtig für die Einreise in die USA. Danach gehen sie über eine lange Treppe tief in den Bauch des Schiffes. Sie suchen ihre kleinen Zimmer und legen ihre Taschen auf die Betten.

Um genau 12 Uhr mittags tönt die laute Sirene der Titanic. Das Geräusch ist so tief und stark, dass die ganze Stadt es hört. Die Motoren starten langsam. Das Schiff vibriert und das Wasser am Heck wird weiß. Drei kleine Schlepper-Schiffe helfen dem Riesen. Sie ziehen die Titanic langsam weg von der Mauer. Es gibt fast einen Unfall! Die Titanic ist so groß, dass sie ein anderes Schiff im Hafen fast rammt. Die Wellen ziehen das kleine Schiff an. Aber zum Glück passiert nichts. Die Kapitäne reagieren schnell.

Das Schiff verlässt jetzt den Hafen und fährt auf das offene Meer. Zuerst geht die Reise nach Cherbourg in Frankreich. Dort steigen noch mehr reiche Passagiere ein. Danach fährt die Titanic nach Queenstown in Irland. Dort warten die letzten Menschen aus der dritten Klasse. Jetzt ist das Schiff voll. Über 2.200 Menschen sind an Bord. Die Titanic dreht den Bug nach Westen. Vor ihr liegt nur noch der blaue Atlantik. Das Ziel ist New York. Die Menschen stehen an der Reling und sehen, wie das Land immer kleiner wird. Sie freuen sich auf sieben Tage auf dem Meer.

Kapitän Edward John Smith ist der Chef auf der Titanic. Er hat ein sehr freundliches Gesicht und einen weißen Bart. Die Menschen nennen ihn den „Kapitän der Millionäre“. Warum? Weil die reichen Leute ihn lieben. Er ist sehr ruhig, sehr höflich und er hat sehr viel Erfahrung. Seit vielen Jahren fährt er große Schiffe über den Ozean. Er kennt den Atlantik wie seine eigene Tasche.

Für Kapitän Smith ist diese Reise etwas ganz Besonderes. Er ist schon alt. Er plant: „Das ist meine letzte Fahrt. Danach gehe ich in Rente und bleibe zu Hause bei meiner Familie.“ Er will seine Karriere mit einem großen Erfolg beenden. Er ist sehr stolz, dass er das größte und modernste Schiff der Welt führen darf. Er steht oft auf der Brücke und sieht auf das Meer. Er glaubt fest: „Dieses Schiff ist sicher. Kein Berg aus Eis und kein Sturm kann die Titanic zerstören.“

Auf der Brücke hat er viele Offiziere. Sie helfen ihm. Sie prüfen den Kurs und die Geschwindigkeit. Die Titanic fährt schnell, etwa 40 Kilometer pro Stunde. Kapitän Smith bekommt jeden Tag Berichte über das Wetter. Er weiß, dass es im Norden oft Eis gibt. Aber er macht sich keine Sorgen. Er denkt: „Das Schiff ist so groß. Wenn etwas passiert, reagieren wir einfach.“ Er möchte, dass die Passagiere eine schöne Zeit haben. Manchmal isst er zusammen mit den reichen Gästen in der ersten Klasse.

Die Passagiere vertrauen ihm blind. Wenn sie den Kapitän in seiner schicken Uniform sehen, fühlen sie sich sicher. Er ist das Symbol für die Stärke der Titanic. Aber die Nacht kommt, und das Wasser wird immer kälter. Kapitän Smith schläft ein paar Stunden, während das Schiff weiter durch die dunkle Nacht rast. Er weiß noch nicht, dass diese Nacht sein Leben und die Welt verändert.

Tief im Inneren des Schiffes gibt es einen kleinen, sehr wichtigen Raum. Das ist der Funkraum. Hier arbeiten zwei junge Männer: Jack Phillips und Harold Bride. Sie sind keine Matrosen, sie sind Funker. Ihre Aufgabe ist es, Nachrichten mit Morsezeichen zu schicken und zu empfangen. Das ist damals eine neue Technik. Die Geräte machen laute Klick-Geräusche und Funken. Es ist dort Tag und Nacht sehr laut.

Am 14. April ist die Luft im Funkraum sehr heiß. Die Funker haben extrem viel Stress. Warum? Weil die reichen Passagiere hunderte Nachrichten an ihre Freunde in Amerika schicken. Sie schreiben: „Wir sind auf der Titanic! Es ist wunderschön!“ Jack und Harold müssen alle diese privaten Briefe tippen. Sie verdienen damit Geld für ihre Firma. Aber zur gleichen Zeit kommen auch andere Nachrichten an. Diese Nachrichten sind für den Kapitän.

Andere Schiffe in der Nähe, wie die California oder die Mesaba, schicken Warnungen. Sie sagen: „Achtung, Titanic! Wir sehen viel Packeis und riesige Eisberge auf eurem Weg!“ Ein Schiff sagt sogar: „Wir stoppen jetzt, weil es zu gefährlich ist.“ Jack Phillips hört diese Warnungen, aber er ist müde und genervt. Die privaten Nachrichten der Passagiere sind für ihn in diesem Moment wichtiger. Er legt einige Warnungen auf den Tisch und gibt sie nicht sofort an die Brücke weiter.

Einmal ist die Warnung von einem anderen Schiff so laut in seinen Kopfhörern, dass Jack schreit: „Halt den Mund! Ich arbeite gerade!“ Er meint damit die Arbeit für die Passagiere. Die Kapitäne auf der Brücke wissen zwar, dass es Eis gibt, aber sie kennen nicht die genaue Position von den großen Bergen aus Eis. Die Titanic fährt deshalb mit voller Kraft weiter. Die Funker tippen weiter liebe Grüße nach New York, während draußen im dunklen Ozean die Gefahr wartet. Die Technik funktioniert, aber die Menschen machen einen großen Fehler.

Es ist jetzt Sonntagabend, der 14. April. Die Sonne geht langsam unter und es wird sehr schnell dunkel. Die Luft ist extrem kalt, fast wie im Winter. Das Thermometer zeigt null Grad. Die Passagiere in der ersten Klasse essen ein wunderbares Abendessen mit Musik. Danach gehen viele Menschen in ihre warmen Betten oder lesen ein Buch. Alles ist ruhig. Man hört nur das leise Summen der großen Motoren und das Wasser an der Seite des Schiffes.

Draußen auf dem Meer ist es sehr seltsam. Es gibt keinen Wind und keine Wellen. Das Wasser ist glatt wie ein Spiegel. Die Seemänner nennen das eine „Ententeich-See“. Normalerweise sieht man die Wellen, wenn sie gegen einen Eisberg schlagen. Das weißes Wasser hilft den Matrosen, die Gefahr im Dunkeln zu sehen. Aber in dieser Nacht gibt es keine Wellen. Das macht den Ozean sehr gefährlich. Außerdem gibt es keinen Mond. Es ist schwarz wie Tinte vor dem Schiff.

Ganz oben am Mast, im „Krähennest“, stehen zwei Matrosen: Frederick Fleet und Reginald Lee. Ihre Aufgabe ist sehr wichtig. Sie sehen stundenlang in die Dunkelheit. Aber sie haben ein großes Problem: Sie haben keine Ferngläser. Die Ferngläser liegen in einem Schrank, aber niemand hat den Schlüssel. Die zwei Männer müssen nur mit ihren Augen sehen. Die kalte Luft beißt in ihren Gesichtern und ihre Augen tränen wegen dem starken Wind. Sie suchen nach weißen Objekten im Wasser, aber sie sehen nur Schwarz.

Auf der Brücke ist alles entspannt. Die Offiziere denken, dass sie einen Eisberg schon von Weitem sehen können. Sie glauben, dass das Eis weiß leuchtet. Aber manche Eisberge sind „Black Ice“ – sie sind dunkel und man sieht sie erst im letzten Moment. Die Titanic rast mit 22 Knoten (etwa 41 Kilometer pro Stunde) durch das Eisgebiet. Das ist fast die maximale Geschwindigkeit. Niemand stoppt das Schiff. Niemand sagt: „Wir müssen langsamer fahren.“ Die Menschen im Schiff schlafen tief und fest. Sie träumen von New York, während das Schicksal der Titanic in der dunklen Nacht wartet.

Es ist 23:40 Uhr. Die meisten Passagiere schlafen schon. Oben im Krähennest sieht Frederick Fleet plötzlich einen Schatten. Der Schatten ist erst klein, aber er wird sehr schnell größer. Es ist kein Schiff und keine Wolke. Es ist ein gigantischer Berg aus Eis! Der Berg ist schwarz und hoch. Frederick reagiert sofort. Er schlägt dreimal laut gegen die Glocke: Bling-Bling-Bling! Das bedeutet: Gefahr vor dem Schiff!

Er nimmt das Telefon und ruft die Brücke an. Ein Offizier fragt: „Was siehst du?“ Frederick schreit: „Eisberg direkt voraus!“ Auf der Brücke gibt der Offizier sofort Befehle. Er ruft: „Hart Steuerbord!“ und „Maschinen voll zurück!“ Er will, dass das Schiff nach links dreht und stoppt. Die Arbeiter im Maschinenraum hören die Glocken. Sie stoppen die Dampfmaschinen und versuchen, sie rückwärts zu fahren. Es gibt viel Dampf und Lärm.

Die Titanic reagiert sehr langsam, denn sie ist extrem schwer. 37 Sekunden lang warten die Männer auf der Brücke. Sie sehen, wie der Bug des Schiffes sich ganz langsam nach links bewegt. Es sieht so aus, als ob sie es schaffen. Aber die Titanic ist zu schnell. Die Front vom Schiff geht am Eisberg vorbei, aber die Seite vom Schiff trifft das Eis. Es gibt keinen lauten Knall. Es ist nur ein leises Geräusch, wie ein Reißverschluss: Krrr-tsch. Das Schiff vibriert nur ganz kurz.

Einige Passagiere wachen auf. Sie fragen: „Was ist das?“ Aber sie sehen nichts Schlimmes. An Deck fallen kleine Stücke von Eis auf den Boden. Ein paar junge Männer spielen sogar Fußball mit dem Eis. Sie lachen und haben keine Angst. Sie wissen nicht, dass der Eisberg unter dem Wasser wie ein Messer ist. Er macht sechs lange Schlitze in den Rumpf der Titanic. Das Wasser vom Atlantik ist eiskalt und es drückt jetzt mit großer Kraft in das Schiff. Der Kampf gegen das Meer beginnt in dieser Sekunde.

Tief unten im Schiff ist die Situation sofort dramatisch. Die Arbeiter im Heizraum sehen, wie das Wasser durch die Wände schießt. Es ist nicht nur ein bisschen Wasser, es ist ein ganzer Fluss! Das Wasser ist eiskalt und sehr stark. Die Männer müssen schnell nach oben laufen, damit sie nicht ertrinken. Sie schließen die schweren Türen aus Stahl, aber das Wasser steigt immer weiter.

Kapitän Smith kommt sofort auf die Brücke. Er fragt: „Was ist passiert?“ Er ruft Thomas Andrews. Er ist der Konstrukteur der Titanic. Er kennt jeden Nagel und jede Platte am Schiff. Zusammen mit dem Kapitän geht er nach unten. Sie sehen sich den Schaden an. Das Wasser ist schon in fünf Räumen. Thomas Andrews rechnet kurz auf einem Papier. Sein Gesicht wird ganz weiß. Er sagt leise zum Kapitän: „Dieses Schiff kann nur vier Räume mit Wasser haben und weiterfahren. Aber fünf Räume sind zu viel. Das Schiff wird sinken.“

Kapitän Smith fragt: „Wie viel Zeit haben wir?“ Andrews antwortet: „Vielleicht eine Stunde, vielleicht zwei. Aber die Titanic sinkt ganz sicher. Es gibt keine Hoffnung mehr.“ Der Kapitän ist schockiert. Das „unsinkbare“ Schiff geht jetzt unter. Er gibt sofort Befehle: Die Funker müssen SOS-Signale schicken. Die Offiziere müssen die Passagiere wecken.

Die Stewards laufen durch die langen Gänge. Sie klopfen an die Türen und sagen: „Bitte stehen Sie auf! Ziehen Sie warme Kleidung an und nehmen Sie Ihre Schwimmweste!“ Viele Passagiere lachen zuerst. Sie glauben es nicht. Es ist draußen sehr ruhig und das Schiff liegt noch ganz gerade im Wasser. „Warum sollen wir in die Kälte gehen? Hier drinnen ist es warm und sicher“, sagen sie. Aber Andrews und Smith wissen: Der Tod kommt jede Minute näher. Die Titanic wird von Minute zu Minute schwerer, weil sie jetzt tausende Tonnen Wasser im Bauch hat.

Die Offiziere bereiten jetzt die Rettungsboote vor. Aber hier gibt es ein schreckliches Geheimnis. Die Titanic ist ein Riese, aber sie hat nur 20 Rettungsboote. Das ist viel zu wenig! In diese Boote passen nur etwa 1.100 Menschen. Aber an Bord sind über 2.200 Menschen. Das bedeutet: Mehr als 1.000 Menschen haben keinen Platz. Sie haben kein Boot für die Rettung.

Warum gibt es so wenige Boote? Die Firma denkt vor der Reise: „Die Titanic ist selbst ein Rettungsboot. Sie kann nicht sinken!“ Außerdem sieht das Deck mit vielen Booten nicht schön aus. Die reichen Passagiere wollen Platz zum Laufen und eine gute Sicht auf das Meer haben. Die Gesetze im Jahr 1912 sagen auch nicht, dass jedes Schiff für alle Menschen Boote haben muss. Das ist ein fataler Fehler.

Kapitän Smith steht auf dem Deck. Er sieht die kleinen Boote und die vielen Menschen. Er weiß jetzt: „Ich kann nicht alle retten.“ Das ist ein Albtraum für einen Kapitän. Die Offiziere haben keine Übung für diesen Moment. Sie wissen nicht genau: „Wie viele Menschen dürfen in ein Boot?“ In den ersten Booten ist viel Platz leer, weil die Menschen Angst haben, in die dunkle Tiefe zu springen.

Die Situation auf dem Deck wird jetzt ernster. Das Schiff liegt nicht mehr gerade. Der vordere Teil geht langsam tiefer in das Wasser. Die Menschen sehen jetzt das Wasser auf dem Deck. Jetzt verstehen sie: Das Schiff sinkt wirklich! Die Matrosen holen die Frauen und Kinder. Die Männer müssen warten. Es ist eine Zeit der schweren Abschiede. Familien trennen sich an den Booten. Väter sagen ihren Kindern: „Wir sehen uns in New York!“ Aber viele wissen, dass das eine Lüge ist.

Auf dem Deck der Titanic ist es jetzt sehr hell, denn die Matrosen schalten alle Lichter an. Aber die Atmosphäre ist sehr traurig. Kapitän Smith gibt den berühmten Befehl: „Frauen und Kinder zuerst!“ Das ist ein altes Gesetz auf dem Meer. Die Männer müssen zurückbleiben und warten, bis alle Frauen und Kinder in den Rettungsbooten sind. Aber es gibt ein Problem: Viele Frauen wollen ihre Ehemänner nicht alleine lassen. Sie weinen und klammern sich an ihre Partner.

Die Offiziere haben viel Arbeit. Sie rufen laut: „Frauen und Kinder hierher!“ Ein Offizier namens Murdoch ist auf der rechten Seite vom Schiff. Er ist ein bisschen lockerer. Wenn keine Frauen mehr da sind, lässt er auch Männer in die Boote steigen. Aber auf der linken Seite ist Offizier Lightoller sehr streng. Er sagt: „Nur Frauen und Kinder! Keine Männer!“ Deshalb fahren auf seiner Seite viele Boote halb leer weg. Das ist eine Katastrophe, denn jeder leere Platz bedeutet später einen toten Menschen im Wasser.

In der ersten Klasse gibt es viele berühmte Paare. Isidor Straus, der Besitzer von einem großen Kaufhaus, und seine Frau Ida stehen am Boot. Der Offizier sagt zu Isidor: „Kommen Sie auch ins Boot, Sie sind ein alter Mann.“ Aber Isidor antwortet: „Nein, ich gehe nicht vor den jungen Männern.“ Und seine Frau Ida sagt: „Wir sind viele Jahre zusammen gewesen. Wo du bist, da bin ich auch.“ Sie bleiben beide auf dem Schiff und warten zusammen auf das Ende.

Unten in der dritten Klasse ist die Situation noch schlimmer. Viele Familien haben viele Kinder. Die Gänge sind wie ein Labyrinth. Die Stewards versuchen zu helfen, aber es gibt Sprachprobleme. Viele Menschen verstehen kein Englisch. Sie suchen verzweifelt den Weg nach oben. Als sie endlich auf dem Deck ankommen, sind viele Boote schon weg. Die Mütter halten ihre Kinder ganz fest im Arm. Die Musik vom Orchester wird lauter, aber die Schreie der Menschen sind lauter als die Geigen.

Die Titanic neigt sich jetzt immer mehr nach vorne. Das Wasser ist jetzt fast an den ersten Rettungsbooten. Die Menschen auf dem Deck sehen, wie die kleinen Boote im schwarzen Nichts verschwinden. In den Booten weinen die Kinder nach ihren Vätern. Auf dem Schiff stehen die Männer und rauchen eine letzte Zigarette oder beten. Sie versuchen tapfer zu sein, aber alle wissen: Der Platz auf der Titanic wird jede Sekunde kleiner.

Inmitten der Panik und der Angst passiert etwas Unglaubliches. Die acht Musiker der Titanic-Band nehmen ihre Instrumente und gehen auf das Deck. Ihr Chef heißt Wallace Hartley. Er ist ein sehr ruhiger Mann. Er sieht die weinenden Menschen und die flüchtenden Boote. Er weiß, dass die Situation schrecklich ist. Er gibt seinen Kollegen ein Zeichen. Sie stellen sich zusammen und beginnen zu spielen.

Die Musik ist zuerst fröhlich. Sie spielen Ragtime und populäre Lieder aus dieser Zeit. Warum machen sie das? Sie wollen, dass die Menschen nicht die Fassung verlieren. Die Musik hilft gegen das laute Geräusch vom Dampf und das Schreien der Menschen. Es ist wie ein kleiner Moment Frieden in einer Katastrophe. Viele Passagiere bleiben einen Moment stehen und hören zu. Die Melodien geben ihnen für ein paar Sekunden Hoffnung und Ruhe.

Das Schiff geht immer tiefer. Das Wasser ist jetzt schon sehr nah bei den Musikern. Aber sie stoppen nicht. Sie packen ihre Instrumente nicht weg. Sie haben keine Schwimmwesten an, denn sie denken nicht an sich selbst. Sie denken an ihren Job: Musik machen bis zum Ende. Das Orchester spielt jetzt langsamere Lieder. Es ist sehr kalt, und ihre Finger frieren sicher an den Saiten der Geigen. Trotzdem bleibt der Rhythmus perfekt.

Das bekannteste Lied, das sie vielleicht spielen, heißt „Näher, mein Gott, zu dir“. Die Töne klingen über das dunkle Wasser. Die Menschen in den Rettungsbooten können die Musik noch von Weitem hören. Es ist ein sehr trauriger Moment. Wallace Hartley und seine Männer bleiben bis zur letzten Minute zusammen. Sie sind keine Soldaten, aber sie sind echte Helden der Titanic. Sie retten keine Leben mit Kraft, aber sie retten die Würde der Menschen mit ihrer Musik.

Am Ende verschwindet die Musik im Meer. Keiner der acht Musiker überlebt die Nacht. Aber die Welt vergisst sie nie. Ihre Tapferkeit ist heute eine der bekanntesten Geschichten der Titanic. Sie zeigen uns: Auch wenn alles untergeht, kann Kunst und Mut den Menschen ein kleines Licht in der Dunkelheit schenken.

Es ist jetzt kurz nach zwei Uhr morgens. Die Situation auf der Titanic ist schrecklich. Der vordere Teil vom Schiff ist komplett unter Wasser. Das Heck – also der hintere Teil – steigt immer weiter in die Luft. Die Menschen am Schiff haben keine Rettungsboote mehr. Sie laufen nach hinten, weg vom Wasser. Das Schiff steht jetzt fast schräg im Ozean. Überall hört man das Knallen von Möbeln und Glas, die im Inneren des Schiffes kaputtgehen.

Die Lichter der Titanic flackern ein letztes Mal hell auf, dann wird es komplett dunkel. Die Elektrizität ist weg. Nur das Licht der Sterne scheint auf das schwarze Meer. Plötzlich gibt es ein gigantisches Geräusch. Der Stahl bricht! Das Schiff ist zu schwer für diese Position. Die Titanic bricht in zwei große Teile. Der vordere Teil sinkt sofort in die Tiefe. Der hintere Teil fällt kurz zurück ins Wasser, stellt sich dann aber steil auf, wie ein Turm.

Um genau 2:20 Uhr gleitet der hintere Teil der Titanic langsam und leise in den Atlantik. Der Ozean schließt sich über dem größten Schiff der Welt. Jetzt ist die Titanic weg. Aber es ist nicht leise. Im Wasser kämpfen über 1.500 Menschen um ihr Leben. Das Wasser ist minus 2 Grad kalt. Das ist kälter als Eis! Die Menschen schreien um Hilfe. Sie hoffen, dass die Rettungsboote zurückkommen.

In den Rettungsbooten sitzen die Menschen und schauen zu. Sie sind sicher, aber sie haben schreckliche Angst. Sie hören die Rufe im Wasser, aber viele Boote haben Angst zurückzufahren. Sie denken: „Wenn wir zu den Menschen fahren, ziehen sie unser kleines Boot unter Wasser.“ Nur ein Boot fährt später zurück und rettet ein paar Menschen. Für die meisten ist es zu spät. Die Kälte tötet die Menschen in wenigen Minuten. Nach kurzer Zeit wird es auf dem Ozean ganz still. Der Riese ist tot, und mit ihm sterben viele Träume.

Nach dem Untergang der Titanic ist es auf dem Atlantik fast komplett schwarz. Die Menschen in den kleinen Rettungsbooten frieren schrecklich. Sie sitzen eng zusammen, um sich warm zu halten. Überall ist nur Wasser und Stille. Sie wissen nicht: Kommt Hilfe? Oder sterben wir hier in der Kälte? Viele Frauen weinen leise um ihre Ehemänner, die noch auf dem Schiff waren.

Aber es gibt Hoffnung. Ein anderes Schiff, die Carpathia, hört die SOS-Signale der Titanic. Der Kapitän der Carpathia heißt Arthur Rostron. Er ist ein Held. Er stoppt sein Schiff nicht, er gibt sofort Vollgas. Er sagt zu seinen Köchen: „Macht heiße Suppe und Tee!“ Er sagt zu den Ärzten: „Bereitet die Betten vor!“ Die Carpathia fährt sehr gefährlich und schnell durch das Eis, um die Menschen zu retten.

Gegen 4 Uhr morgens sehen die Menschen in den Booten ein Licht. Zuerst denken sie, es ist ein Stern. Aber das Licht wird größer. Es ist die Carpathia! Sie schießt Raketen in den Himmel, um zu sagen: „Wir sind hier!“ Die Menschen in den Booten schreien vor Freude. Die Sonne geht langsam auf und die Menschen sehen jetzt das große, sichere Schiff. Einer nach dem anderen klettern sie über Leitern aus Strick an Bord der Carpathia.

An Bord der Carpathia gibt es viele Tränen. Die Überlebenden suchen ihre Familien. „Wo ist mein Mann? Wo ist mein Sohn?“, fragen sie. Aber für viele ist die Antwort nur Stille. Nur 705 Menschen sind in den Booten. Über 1.500 Menschen sind weg. Die Carpathia fährt jetzt langsam nach New York. Die Stimmung an Bord ist sehr schwer und traurig. Die Welt weiß es noch nicht, aber bald wird diese Nachricht die ganze Erde schockieren.

Heute ist die Titanic eine Legende. Über 100 Jahre sind seit der Katastrophe vergangen. Das Schiff liegt nicht mehr an der Oberfläche, sondern tief unten auf dem Meeresgrund. Es ist dort sehr dunkel und sehr kalt. Der Druck vom Wasser ist dort so stark wie tausend Autos auf einem Menschen. Deshalb können normale Taucher nicht so tief sinken.

Im Jahr 1985 finden Forscher mit speziellen Robotern das Wrack. Sie sehen: Das Schiff liegt in zwei großen Teilen. Es gibt dort viele Gegenstände: Schuhe aus Leder, Teller aus Porzellan und sogar kleine Parfümflaschen. Diese Sachen erzählen uns die Geschichten der Menschen von damals. Manche Forscher holen diese Dinge nach oben für Museen. Aber viele Menschen sagen: „Nein! Das Schiff ist ein Friedhof. Wir müssen die Toten in Ruhe lassen.“

Die Titanic verändert sich jeden Tag. Im Wasser gibt es spezielle Bakterien. Diese Bakterien fressen den Stahl vom Schiff. Das Metall sieht jetzt aus wie braune Eiszapfen. Die Experten sagen: „In 20 oder 30 Jahren ist die Titanic vielleicht ganz weg. Sie fällt einfach zusammen.“ Das Meer nimmt sich das Schiff langsam zurück.

Aber warum vergessen wir die Titanic nicht? Weil sie uns eine wichtige Lektion lehrt. Wir wissen jetzt: Wir brauchen immer genug Rettungsboote für alle Menschen. Wir brauchen bessere Funkgeräte und mehr Respekt vor der Natur. Die Titanic erinnert uns daran, dass wir nicht alles kontrollieren können. Wenn wir heute Filme sehen oder Bücher lesen, dann denken wir an die Träume der Passagiere. Die Titanic bleibt für immer das berühmteste Schiff der Welt – ein Mahnmal aus Stahl in der Tiefe des Meeres.