deutschlesen.com

Das Leben von Sigmund Freud (A1-A2)

NEWHÖREN

Sigmund Freud ist am 6. Mai 1856 geboren. Sein Geburtsort ist Freiberg gewesen. Das ist heute ein Teil von Tschechien. Sein Vater hat Jacob geheißen und ist ein Wollhändler gewesen. Er hat Wolle gekauft und verkauft. Die Familie hat nicht viel Geld gehabt. Sigmund hat viele Geschwister gehabt. Er ist der älteste Sohn von seiner Mutter Amalia gewesen. Seine Mutter hat ihn sehr geliebt. Sie hat ihn oft „mein goldener Sigi“ genannt.

Im Jahr 1860 hat die Familie Probleme mit dem Geschäft gehabt. Deshalb sind sie umgezogen. Zuerst sind sie nach Leipzig gefahren. Aber sie sind dort nicht lange geblieben. Danach sind sie nach Wien gegangen. Wien ist eine sehr große und wichtige Stadt in Österreich gewesen. Sigmund hat fast sein ganzes Leben in Wien verbracht. Er hat die Stadt sehr gemerkt, aber er hat dort auch schwierige Zeiten erlebt.

In Wien ist Sigmund in die Schule gegangen. Er ist ein sehr fleißiger Schüler gewesen. Er hat immer sehr viel gelernt. Sein Vater hat gewollt, dass Sigmund einen guten Platz zum Lernen hat. Deshalb hat Sigmund ein eigenes Zimmer bekommen. Seine Geschwister haben in anderen Zimmern schlafen müssen. In seinem Zimmer hat er viele Bücher gelesen. Er hat Sprachen sehr schnell gelernt. Er hat Deutsch, Griechisch, Latein, Französisch und Englisch gesprochen. Er hat sogar Spanisch und Italienisch gelernt.

Sigmund hat immer die besten Noten in der Klasse gehabt. Er hat sich für viele Dinge interessiert. Er hat die Natur geliebt und hat gerne über die Geschichte gelesen. Er hat gewusst: „Ich möchte später etwas Wichtiges machen.“ Er hat eine große Neugier gehabt. Er hat die Welt und die Menschen verstehen wollen. Nach der Schule hat er sich entschieden: Er hat Medizin studiert. Das ist der Anfang von seinem Weg als berühmter Arzt gewesen.

Im Jahr 1873 hat Sigmund Freud mit dem Studium angefangen. Er ist in Wien an die Universität gegangen. Er hat dort Medizin studiert. Er hat Arzt werden wollen. Aber er hat nicht nur Kranke besucht. Er hat die Natur und die Wissenschaft sehr geliebt. Am Anfang hat er viel Zeit in einem Labor verbracht. Sein Professor hat Ernst Brücke geheißen. Freud hat diesen Professor sehr respektiert.

Im Labor hat Freud eine sehr spezielle Arbeit gemacht. Er hat das Nervensystem von Tieren untersucht. Er hat zum Beispiel Fische studiert. Er hat stundenlang durch ein Mikroskop geschaut. Er hat kleine Zellen gesucht und gezeichnet. Das hat er sehr gut gemacht. Er ist ein sehr geduldiger Forscher gewesen. Er hat fast acht Jahre lang studiert. Das ist eine sehr lange Zeit für ein Studium gewesen. Aber er hat alles ganz genau lernen wollen.

In dieser Zeit hat er auch einen Freund gehabt. Sein Freund hat Josef Breuer geheißen. Breuer ist auch ein Arzt gewesen. Die beiden Männer haben viel über die Medizin gesprochen. Freud hat damals auch über Drogen geforscht. Er hat zum Beispiel über Kokain geschrieben. Er hat gedacht: „Vielleicht ist das eine gute Medizin gegen Schmerzen.“ Aber das ist ein Fehler gewesen. Später hat er gemerkt, dass Kokain gefährlich ist. Er hat dann sofort damit aufgehört.

Nach dem Studium hat Freud ein Problem gehabt. Er hat nicht viel Geld verdient. Er hat im Labor gearbeitet, aber die Arbeit dort hat fast kein Geld gebracht. Sein Vater hat ihm nicht mehr helfen können. Und Sigmund hat auch ein Geheimnis gehabt: Er hat ein Mädchen geliebt. Sie hat Martha Bernays geheißen. Er hat Martha heiraten wollen. Aber für eine Hochzeit hat man viel Geld gebraucht. Deshalb hat er eine Entscheidung getroffen. Er hat das Labor verlassen. Er hat angefangen, als Arzt im Krankenhaus zu arbeiten. Er hat dort viel gelernt, aber sein Herz ist immer bei der Forschung geblieben.

Im Jahr 1885 hat Sigmund Freud ein Stipendium bekommen. Das heißt, er hat Geld für eine Reise bekommen. Er ist mit dem Zug von Wien nach Paris gefahren. Paris ist eine sehr moderne Stadt gewesen. Dort hat er in einem großen Krankenhaus gearbeitet. Das Krankenhaus hat „Salpêtrière“ geheißen. In diesem Krankenhaus hat ein sehr berühmter Arzt gearbeitet. Sein Name ist Jean-Martin Charcot gewesen.

Professor Charcot hat viele Patienten gehabt. Diese Patienten haben eine Krankheit gehabt. Man hat diese Krankheit damals „Hysterie“ genannt. Die Patienten haben Probleme mit dem Körper gehabt. Zum Beispiel haben sie nicht gehen können oder sie haben nichts gesehen. Aber die Ärzte haben keinen Fehler im Körper gefunden. Der Körper ist gesund gewesen. Das Problem ist im Kopf (in der Psyche) gewesen. Charcot hat diese Patienten mit Hypnose behandelt.

Freud hat Charcot bei der Arbeit zugesehen. Er ist total fasziniert gewesen. Er hat gesehen: Wenn ein Patient in Hypnose ist, kann er plötzlich wieder gehen oder sprechen. Freud hat verstanden: Gedanken und Gefühle können den Körper krank machen. Das hat er vorher nicht gewusst. Er hat viel mit Charcot gesprochen und hat alles in sein Notizbuch geschrieben. Er hat in Paris gelernt, dass man tief in die Seele schauen muss, um Krankheiten zu heilen.

Nach einigen Monaten ist Freud zurück nach Wien gefahren. Er hat seinen Freunden von Paris erzählt. Er hat gesagt: „Die Psyche ist sehr wichtig!“ Aber die anderen Ärzte in Wien haben gelacht. Sie haben nicht geglaubt, dass Hypnose eine echte Medizin ist. Sie haben gedacht, dass Freud verrückt ist. Aber Freud hat nicht aufgehört. Er hat seine eigene Praxis in Wien aufgemacht. Er hat ein Schild an die Tür gehängt: „Spezialist für Nervenkrankheiten“. Er hat jetzt gewusst, wie er seinen Patienten helfen möchte.

In Wien hat Freud wieder mit seinem Freund Josef Breuer gearbeitet. Breuer hat eine interessante Patientin gehabt. Sie hat „Anna O.“ geheißen. Diese Frau ist sehr krank gewesen. Sie hat nicht gut trinken können und hat oft ihre Sprache vergessen. Breuer hat bemerkt: Wenn Anna O. über ihre Sorgen und ihre Träume gesprochen hat, ist es ihr besser gegangen. Sie hat diese Methode „Talking Cure“ (Redekur) genannt.

Freud hat diese Idee sehr gut gefunden. Er hat die Hypnose langsam verlassen. Er hat gedacht: „Die Patienten müssen nicht schlafen. Sie müssen nur ehrlich sein.“ Er hat eine neue Regel gemacht. Die Patienten haben sich auf ein Sofa (eine Couch) gelegt. Sie haben entspannt sein müssen. Dann haben sie alles gesagt, was sie im Kopf gehabt haben. Das hat man „Freie Assoziation“ genannt.

Die Patienten haben über ihre Kindheit gesprochen. Sie haben über ihre Ängste und über ihre Eltern gesprochen. Freud hat dabei hinter dem Sofa gesessen. Die Patienten haben ihn nicht sehen können. So haben sie keine Angst gehabt. Freud hat alles aufgeschrieben. Er hat bemerkt: Viele Probleme kommen aus der Zeit, als die Patienten noch Kinder gewesen sind. Wenn man über diese alten Probleme spricht, verschwindet der Schmerz im Kopf.

Das ist eine Revolution in der Medizin gewesen. Vorher haben Ärzte nur Tabletten gegeben oder operiert. Aber Freud hat nur zugehört. Viele Leute in Wien haben das komisch gefunden. Sie haben gefragt: „Wie kann Sprechen gesund machen?“ Aber Freud hat Erfolg gehabt. Seine Patienten haben sich besser gefühlt. Er hat verstanden, dass Worte eine große Macht haben. Er hat jetzt angefangen, seine eigenen Ideen in einem Buch aufzuschreiben.

Im Jahr 1900 hat Sigmund Freud ein sehr dickes Buch geschrieben. Der Titel ist Die Traumdeutung gewesen. Freud hat sehr lange an diesem Buch gearbeitet. Er hat nicht nur seine Patienten untersucht, sondern auch seine eigenen Träume analysiert. Er hat jeden Morgen seine Träume in ein Heft geschrieben. Er hat sich gefragt: „Warum träumen wir von Schlangen, von Häusern oder vom Fliegen?“

Freud hat eine revolutionäre Idee gehabt. Er hat gesagt: „Ein Traum ist nicht einfach nur Chaos.“ Er hat geglaubt, dass Träume der „Königsweg zum Unbewussten“ sind. Das „Unbewusste“ ist wie ein dunkler Keller in unserem Kopf. Dort verstecken wir Dinge, die wir im echten Leben nicht sagen dürfen. Das sind oft geheime Wünsche oder große Ängste aus der Kindheit. Wenn wir schlafen, kommen diese Wünsche aus dem Keller nach oben. Aber sie tragen eine Maske. Deshalb sind Träume oft so komisch und unlogisch.

In seinem Buch hat Freud viele Beispiele erklärt. Er hat gesagt, dass ein Traum uns hilft, weiterzuschlafen. Wenn wir Durst haben, träumen wir vielleicht von einem Glas Wasser. So müssen wir nicht sofort aufstehen. Aber er hat auch über komplizierte Träume geschrieben. Er hat erklärt, wie man diese Symbole versteht. Er hat geglaubt, dass man durch die Analyse von Träumen die Seele heilen kann. Wenn man den Traum versteht, versteht man auch das Problem im Leben.

Am Anfang ist das Buch kein Erfolg gewesen. In den ersten sechs Jahren hat er nur 351 Exemplare verkauft. Das ist sehr wenig für so ein wichtiges Werk gewesen. Die anderen Wissenschaftler haben gelacht und haben gesagt: „Träume sind nur Unsinn!“ Aber Freud hat nicht aufgegeben. Er hat gewusst, dass er recht hat. Heute ist dieses Buch eines der berühmtesten Bücher der Welt. Es hat die Kunst, die Literatur und die Psychologie für immer verändert. Ohne dieses Buch würden wir heute ganz anders über unsere Gedanken denken.

Sigmund Freud hat ein Modell für unseren Kopf erfunden. Er hat gesagt: „Unsere Persönlichkeit hat drei Teile.“ Er hat diese Teile Es, Ich und Über-Ich genannt. Das ist wie eine kleine Familie in unserem Kopf, die oft streitet. Er hat dieses Modell in seinen Büchern sehr genau erklärt.

Zuerst hat er das Es beschrieben. Das Es ist wie ein kleines Baby. Es ist von Geburt an da. Das Es will alles sofort haben: Essen, Trinken und Spaß. Es kennt keine Regeln und keine Geduld. Wenn das Es etwas will, dann sagt es: „Ich will das jetzt!“ Es ist der Teil von uns, der nur an unsere Triebe denkt.

Dann hat er das Über-Ich erklärt. Das Über-Ich ist wie ein strenger Lehrer oder wie die Eltern. Es hat alle Regeln gelernt. Es sagt uns, was „gut“ und was „schlecht“ ist. Wenn wir etwas falsch machen, macht uns das Über-Ich ein schlechtes Gewissen. Es sagt: „Das darfst du nicht machen! Das ist nicht korrekt!“

Zuletzt hat er das Ich beschrieben. Das Ich ist der Chef in der Mitte. Es hat eine sehr schwere Arbeit. Es muss zwischen dem Es und dem Über-Ich vermitteln. Das Es will Schokolade, aber das Über-Ich sagt: „Nein, das ist ungesund!“ Das Ich muss eine Lösung finden. Zum Beispiel sagt das Ich: „Wir essen jetzt einen Apfel und morgen ein kleines Stück Schokolade.“ Das Ich schaut auf die Realität und versucht, alle zufrieden zu machen.

Freud hat geglaubt: Wenn diese drei Teile nicht gut zusammenarbeiten, werden wir psychisch krank. Wenn das Über-Ich zu streng ist, haben wir immer Angst. Wenn das Es zu stark ist, machen wir gefährliche Dinge. Ein gesunder Mensch hat ein starkes Ich. Das Ich hilft uns, im Alltag stabil zu bleiben. Diese Idee von Freud ist heute in der Psychologie immer noch sehr wichtig.

Nach seinem Buch über die Träume ist Freud nicht mehr allein gewesen. Viele junge Ärzte haben seine Ideen interessant gefunden. Im Jahr 1902 hat Freud eine Einladung geschrieben. Er hat vier Ärzte zu sich nach Hause eingeladen. Sie haben sich jeden Mittwochabend in seinem Arbeitszimmer getroffen. Sie haben Kaffee getrunken, geraucht und über die Psyche gesprochen. Man hat diese Gruppe die „Mittwoch-Gesellschaft“ genannt.

Die Gruppe ist sehr schnell gewachsen. Immer mehr Männer aus verschiedenen Ländern sind nach Wien gekommen. Sie haben von Freud lernen wollen. Im Jahr 1910 haben sie die „Internationale Psychoanalytische Vereinigung“ gegründet. Ein sehr wichtiger Mann in dieser Gruppe ist Carl Gustav Jung gewesen. Er ist aus der Schweiz gekommen. Freud hat Jung sehr gemocht. Er hat gedacht: „Jung ist wie ein Sohn für mich. Er wird meine Arbeit später weitermachen.“

Aber es hat bald Probleme gegeben. Freud hat eine sehr starke Meinung gehabt. Er hat gewollt, dass alle genau so denken wie er. Aber Männer wie Carl Gustav Jung oder Alfred Adler haben eigene Ideen gehabt. Sie haben zum Beispiel nicht geglaubt, dass alles nur mit Sex oder der Kindheit zu tun hat. Sie haben angefangen, mit Freud zu streiten. Diese Diskussionen sind oft sehr laut und traurig gewesen.

Am Ende haben viele Freunde die Gruppe verlassen. Carl Gustav Jung und Freud haben sich im Jahr 1914 komplett getrennt. Sie haben keine Briefe mehr geschrieben und haben nie wieder miteinander gesprochen. Freud ist darüber sehr traurig gewesen. Er hat sich oft einsam gefühlt. Aber er hat trotzdem immer weiter an seiner Theorie gearbeitet. Er hat gesagt: „Die Psychoanalyse ist mein Baby, und ich muss sie beschützen.“ Trotz der Trennung von seinen Freunden ist seine Idee immer berühmter auf der ganzen Welt geworden.

Sigmund Freud hat in Wien in der Berggasse 19 gewohnt. Das ist ein großes Haus gewesen. Er hat dort seine Wohnung gehabt und auch seine Praxis. Er hat jeden Tag sehr viel gearbeitet. Sein Tag hat immer gleich ausgesehen. Er ist früh aufgestanden und hat gefrühstückt. Von 8 Uhr am Morgen bis 1 Uhr am Mittag hat er Patienten empfangen. Er hat mit ihnen gesprochen und ihnen zugehört.

Sein Arbeitszimmer ist sehr voll gewesen. Überall haben antike Figuren aus Ägypten, Griechenland und China gestanden. Freud hat diese alten Sachen geliebt. Er hat gesagt: „Ein Archäologe sucht in der Erde, und ich suche in der Seele.“ In der Mitte von dem Zimmer hat die berühmte Couch gestanden. Die Couch ist mit einem teuren Teppich bedeckt gewesen. Die Patienten haben auf der Couch gelegen. Freud hat in einem grünen Sessel hinter ihnen gesessen. Er hat die Patienten nicht angeschaut, damit sie besser nachdenken konnten.

Freud hat eine große Leidenschaft gehabt: Zigarren. Er hat fast den ganzen Tag geraucht. Er hat oft 20 Zigarren an einem Tag geraucht. Das ist für seine Gesundheit nicht gut gewesen, aber er hat gesagt: „Das hilft mir beim Denken.“ Am Nachmittag hat er oft einen langen Spaziergang durch Wien gemacht. Er ist sehr schnell gegangen. Seine Familie hat oft Probleme gehabt, mit ihm mitzukommen. Am Abend hat er Briefe geschrieben oder an seinen Büchern gearbeitet.

Seine Tochter Anna Freud ist für ihn sehr wichtig gewesen. Sie hat sich sehr für seine Arbeit interessiert. Sie ist später auch eine berühmte Psychoanalytikerin geworden. Die Familie hat im Sommer oft Urlaub in den Bergen gemacht. Freud hat die Natur geliebt und hat gerne Pilze gesucht. Er ist ein Mann mit festen Regeln gewesen. Er hat gewusst, dass er viel Disziplin braucht, um so viele Bücher zu schreiben und so vielen Menschen zu helfen.

Im Jahr 1933 ist in Deutschland etwas Schreckliches passiert. Die Nationalsozialisten (die Nazis) sind an die Macht gekommen. Sie haben die Bücher von Sigmund Freud nicht gemocht. In Berlin haben sie seine Bücher auf einen großen Platz getragen und sie verbrannt. Freud hat das im Radio gehört. Er hat einen Witz gemacht: „Früher haben sie die Menschen verbrannt, heute verbrennen sie nur meine Bücher.“ Aber die Situation ist sehr ernst gewesen.

Im März 1938 sind die Nazis auch nach Österreich gekommen. Sie sind in Wien einmarschiert. Da Sigmund Freud Jude gewesen ist, hat er große Angst gehabt. Die geheime Polizei (die Gestapo) ist in seine Wohnung in der Berggasse gekommen. Sie haben sein Geld genommen und alles kontrolliert. Sie haben sogar seine Tochter Anna für einen Tag mitgenommen. Das ist ein großer Schock für Freud gewesen. Er hat gewusst: „Ich bin hier nicht mehr sicher. Ich muss weg.“

Aber es ist nicht einfach gewesen, Wien zu verlassen. Die Nazis haben viel Geld von den Juden gewollt. Freud ist alt gewesen und er hat Krebs gehabt. Er hat eine Operation am Mund gehabt und das Sprechen ist schwer für ihn gewesen. Seine Freunde aus der ganzen Welt haben ihm geholfen. Eine Prinzessin aus Frankreich, Marie Bonaparte, hat viel Geld bezahlt. Auch die Regierung von England hat gesagt: „Freud darf zu uns kommen.“

Im Juni 1938 hat Freud sein Haus verlassen. Er hat fast 80 Jahre in Wien gelebt. Er hat sich von seinen Freunden verabschiedet. Dann ist er mit dem Zug nach Paris gefahren und danach mit dem Schiff nach London. In London haben ihn viele Menschen begrüßt. Sie haben ihn wie einen Helden gefeiert. Er hat ein schönes Haus in London bekommen. Er hat seine Möbel und seine Couch aus Wien mitgenommen. So hat sein neues Zimmer in London fast genau wie sein altes Zimmer in Wien ausgesehen. Er ist sicher gewesen, aber er hat seine Heimat sehr vermisst.

Im Jahr 1938 ist Sigmund Freud in London angekommen. Er hat dort ein schönes Haus im Stadtteil Hampstead gehabt. Er hat sich dort sicher gefühlt. Viele berühmte Menschen sind zu Besuch gekommen, zum Beispiel der Maler Salvador Dalí. Alle haben den großen Professor sehen wollen. Freud hat in London wieder seine Couch aufgestellt. Er hat sogar noch ein letztes Buch geschrieben. Er hat bis zum Schluss eine starke Disziplin gehabt.

Aber Freud hat große Schmerzen gehabt. Er hat schon seit vielen Jahren Krebs im Mund gehabt. Er hat mehr als 30 Operationen gehabt. Das Essen und das Sprechen sind sehr schwierig für ihn gewesen. Er hat eine Prothese im Mund tragen müssen. Er hat diese Prothese „das Monster“ genannt. Aber er hat keine starken Medikamente nehmen wollen. Er hat gesagt: „Ich möchte mit klarem Kopf sterben.“ Seine Tochter Anna ist immer bei ihm gewesen. Sie hat ihn Tag und Nacht gepflegt.

Am 23. September 1939 ist Sigmund Freud gestorben. Er ist 83 Jahre alt geworden. Er hat seinen Arzt und Freund Max Schur gerufen. Er hat gesagt: „Es ist jetzt Zeit.“ Er ist ganz ruhig eingeschlafen. Sein Tod ist eine Nachricht auf der ganzen Welt gewesen. Die Menschen haben gewusst: Ein Genie ist gegangen. Man hat seinen Körper verbrannt und seine Asche in eine antike griechische Vase gelegt. Diese Vase steht heute noch in London.

Was ist von Freud geblieben? Er hat die Welt verändert. Heute benutzen wir viele Wörter von ihm, zum Beispiel „Trauma“ oder „Komplex“. Die Psychologie ist heute ohne seine Ideen nicht möglich. Er hat uns gezeigt: Wir müssen über unsere Probleme sprechen. Er hat das Fenster zur Seele aufgemacht. Auch heute lesen Studenten seine Bücher an allen Universitäten. Sigmund Freud ist gestorben, aber seine Gedanken leben in jedem Therapiegespräch auf der Welt weiter.