deutschlesen.com

Das Leben von Marie Curie

HÖREN

Maria Skłodowska ist am 7. November 1867 in Warschau geboren. Damals ist Polen kein freies Land gewesen, sondern es hat zum Russischen Reich gehört. Das Leben ist für ihre Familie nicht einfach gewesen. Ihr Vater, Władysław, ist ein Lehrer für Mathematik und Physik gewesen. Er hat seine Kinder sehr geliebt und er hat ihnen viel beigebracht. Maria hat schon als kleines Kind sehr gerne gelernt. Sie hat oft in der Bibliothek von ihrem Vater gesessen und dicke Bücher gelesen. Sie ist ein echtes Wunderkind gewesen, weil sie schon mit vier Jahren perfekt lesen hat können.

Aber Maria hat auch traurige Tage gehabt. Ihre Mutter ist sehr krank gewesen und ist gestorben, als Maria noch klein gewesen ist. Auch ihre älteste Schwester ist gestorben. Das ist ein großer Schock für die Familie gewesen. Trotzdem hat Maria nicht aufgehört zu lernen. In der Schule ist sie immer die beste Schülerin gewesen. Sie hat alle Prüfungen mit sehr guten Noten bestanden. Sie hat eine Goldmedaille bekommen, weil sie so fleißig gewesen ist. Aber es hat ein großes Problem gegeben: In Polen haben Frauen damals nicht an der Universität studieren dürfen.

Maria hat einen großen Traum gehabt: Sie hat Wissenschaftlerin werden wollen. Aber ohne Universität ist das unmöglich gewesen. Sie hat mit ihrer Schwester Bronia einen Plan gemacht. Sie haben sich gegenseitig geholfen. Maria hat als Kindermädchen gearbeitet, um Geld für Bronia zu verdienen. Bronia ist nach Paris gereist und hat dort Medizin studiert. Maria ist in Polen geblieben und hat viele Jahre hart gearbeitet. Sie hat in dieser Zeit wenig Geld gehabt, aber sie hat in jeder freien Minute Physik und Mathematik gelernt. Sie hat gewusst: Eines Tages werde ich auch nach Paris reisen und an der Sorbonne studieren. Ihr Wille ist so stark wie Metall gewesen.

Maria hat in Warschau ein großes Ziel gehabt, aber der Weg ist sehr schwer gewesen. Weil Frauen in Polen nicht studieren haben dürfen, hat sie eine geheime Lösung gefunden. Es hat die „Fliegende Universität“ gegeben. Das ist eine geheime Organisation gewesen. Die Studenten haben sich in privaten Wohnungen getroffen, um Physik, Geschichte und Naturwissenschaften zu lernen. Warum „fliegend“? Weil sie oft den Ort gewechselt haben, damit die russische Polizei sie nicht findet. Maria ist dort ein Mitglied gewesen und hat nachts heimlich gelernt.

Aber Maria hat gewusst: Ich brauche eine echte Universität. Sie hat mit ihrer Schwester Bronia einen Vertrag gemacht. Der Plan ist sehr mutig gewesen: Zuerst arbeitet Maria in Polen als Kindermädchen. Sie schickt ihr ganzes Geld nach Paris, damit Bronia dort Medizin studieren kann. Wenn Bronia fertig ist, hilft sie Maria. Maria hat fast sechs Jahre lang bei einer reichen Familie auf dem Land gearbeitet. Sie ist dort oft einsam gewesen, aber sie hat nicht aufgehört zu lernen. Sie hat nachts in ihren Pausen schwere Mathematik-Bücher gelesen. Sie hat fast kein Geld für neue Kleidung ausgegeben, weil sie jeden Cent für ihre Schwester gespart hat.

Im Jahr 1891 ist es endlich so weit gewesen! Bronia hat ihr Studium beendet und hat Maria nach Paris eingeladen. Maria ist über 20 Stunden mit dem Zug gefahren. Sie hat in der vierten Klasse gesessen, weil das Ticket dort am billigsten gewesen ist. Sie hat nur sehr wenig Gepäck gehabt: ihre Kleidung, ein paar Bücher und ihre großen Träume. Als sie in Paris angekommen ist, hat sie ihren Namen von „Maria“ zu „Marie“ geändert. Alles ist neu gewesen: die Sprache, die Menschen und die Freiheit. Marie ist direkt zur Sorbonne-Universität gegangen. Sie ist eine der wenigen Frauen an der ganzen Universität gewesen. Ihr Herz hat sehr schnell geschlagen, weil ihr neues Leben als Wissenschaftlerin jetzt endlich begonnen hat.

Marie ist jetzt in Paris, aber ihr Leben ist dort am Anfang extrem hart gewesen. Sie hat zuerst bei ihrer Schwester Bronia gewohnt, aber das Haus ist zu weit weg von der Universität gewesen. Deshalb hat Marie eine eigene kleine Wohnung gesucht. Sie hat ein Zimmer ganz oben unter dem Dach gefunden. Dieses Zimmer ist sehr klein und sehr billig gewesen. Es hat dort im Winter keine Heizung gegeben. Wenn es draußen geschneit hat, ist es in ihrem Zimmer eiskalt gewesen. Marie hat oft alle ihre Kleider und sogar ihre Decken übereinander angezogen, um nachts nicht zu erfrieren. Manchmal hat sie sogar einen Stuhl auf ihr Bett gestellt, damit es schwerer und ein bisschen wärmer ist.

Sie hat fast kein Geld für Essen gehabt. Oft hat sie den ganzen Tag nur ein Stück Brot und eine Tasse Tee gegessen. Manchmal hat sie ein paar Radieschen oder zwei Eier gekauft, aber Fleisch oder Obst sind viel zu teuer gewesen. Einmal ist sie in der Universität ohnmächtig geworden, weil sie zu wenig gegessen hat. Ein Freund hat ihr geholfen und sie hat wieder ein bisschen Kraft bekommen. Aber Marie hat sich nie beschwert. Warum? Weil sie endlich frei gewesen ist! Sie hat jeden Tag in der Bibliothek der Sorbonne gesessen. Sie hat Physik und Mathematik studiert, als ob es ihre einzige Nahrung ist. Sie hat die Stille und die Bücher geliebt. Sie ist oft bis spät in die Nacht geblieben, bis der Bibliothekar die Lampen ausgemacht hat.

An der Universität ist Marie fast immer die einzige Frau in den Vorlesungen gewesen. Die Männer haben sie oft komisch angeschaut, aber Marie hat das ignoriert. Sie hat sich nur auf ihre Professoren konzentriert. Ihr Französisch ist am Anfang nicht perfekt gewesen, deshalb hat sie noch mehr gearbeitet als die anderen Studenten. Sie hat alle mathematischen Formeln und physikalischen Gesetze auswendig gelernt und tief verstanden. Ihr Wille ist unglaublich gewesen. Während andere Studenten auf Partys gegangen sind oder in Cafés gesessen haben, hat Marie Formeln berechnet. Sie hat für die Wissenschaft gelebt.

Im Jahr 1893 hat sie ihre erste Prüfung in Physik gemacht. Alle haben gewartet: Wer ist die Beste? Und natürlich ist Marie die Nummer eins gewesen! Ein Jahr später hat sie auch die Prüfung in Mathematik bestanden. Sie hat bewiesen, dass eine Frau aus Polen besser sein kann als alle Männer an der Sorbonne. Marie ist sehr stolz gewesen, aber sie hat gewusst: Das ist erst der Anfang. Sie hat eine Arbeit über Magnetismus gesucht. In dieser Zeit hat sie noch nicht gewusst, dass sie bald einen Mann treffen wird, der ihr Leben und die ganze Welt verändern wird. Aber sie ist bereit gewesen für alles, was kommt.

Im Jahr 1894 hat Marie eine Arbeit über die magnetischen Eigenschaften von Stahl gesucht. Aber sie hat kein großes Labor gehabt. Ein Bekannter hat gesagt: „Ich kenne einen jungen Mann, er heißt Pierre Curie. Er ist ein sehr guter Physiker und er hat vielleicht Platz für dich.“ Pierre ist damals 35 Jahre alt gewesen und er ist schon ein bekannter Wissenschaftler in Paris gewesen. Er hat das Piëzoelektrizitäts-Gesetz entdeckt. Als Marie und Pierre sich zum ersten Mal getroffen haben, haben sie sofort gemerkt: Wir sprechen die gleiche Sprache. Nicht nur Französisch, sondern die Sprache der Physik.

Pierre ist von Marie fasziniert gewesen. Er hat noch nie eine Frau getroffen, die so viel über Mathematik und Naturwissenschaften weiß. Zuerst sind sie nur Kollegen gewesen und haben zusammen im Labor gearbeitet. Aber sie haben sich jeden Tag getroffen. Sie haben lange Spaziergänge gemacht und über Atome und Energie gesprochen. Pierre hat sich verliebt und er hat Marie gefragt: „Willst du meine Frau werden?“ Aber Marie hat gezögert. Sie hat gedacht: „Vielleicht muss ich zurück nach Polen gehen und dort als Lehrerin arbeiten.“ Sie hat ihr Heimatland sehr geliebt.

Aber Pierre hat nicht aufgegeben. Er hat ihr geschrieben: „Es ist egal, ob wir in Frankreich oder in Polen leben. Hauptsache, wir arbeiten zusammen an der Wissenschaft.“ Das hat Marie sehr beeindruckt. Sie hat verstanden, dass Pierre ihre Arbeit respektiert. Das ist damals für Männer nicht normal gewesen. Im Juli 1895 haben sie geheiratet. Es ist eine sehr einfache Hochzeit gewesen. Marie hat kein teures weißes Hochzeitskleid getragen, sondern ein praktisches dunkelblaues Kleid. Warum? Weil sie dieses Kleid später auch im Labor tragen hat wollen! Sie haben keine teure Hochzeitsreise gemacht, sondern sie haben zwei Fahrräder gekauft und sind durch Frankreich gefahren.

Nach der Hochzeit haben sie zusammen in einer kleinen Wohnung in Paris gelebt. Sie haben fast kein Geld gehabt, aber sie sind sehr glücklich gewesen. Ihr Leben ist nur Arbeit und Liebe gewesen. Pierre hat an der Universität unterrichtet und Marie hat ihre Doktorarbeit vorbereitet. Sie haben alles geteilt: ihre Ideen, ihr Brot und ihre Träume. Sie sind ein perfektes Team gewesen. Pierre hat Marie immer motiviert, wenn sie müde gewesen ist. In dieser Zeit hat Marie ein neues Thema für ihre Forschung gesucht. Sie hat über die mysteriösen Strahlen von Henri Becquerel gelesen. Sie hat gewusst: Das ist ein Geheimnis, das ich lösen will. Und Pierre hat gesagt: „Ich helfe dir dabei.“ Das ist der Anfang von einer Entdeckung gewesen, die die ganze Welt geschockt hat.

Im Jahr 1897 hat Marie ein Thema für ihre Doktorarbeit gesucht. Sie hat über die Experimente von Henri Becquerel gelesen. Becquerel hat gesehen, dass Uransalze mysteriöse Strahlen machen. Aber niemand hat gewusst: Warum? Marie hat gedacht: „Das ist ein fantastisches Rätsel.“ Sie hat angefangen, diese Strahlen genau zu messen. Sie hat gesehen, dass die Strahlen nicht von der Luft oder vom Licht kommen, sondern direkt aus dem Atom. Das ist eine Revolution gewesen! Marie hat für dieses Phänomen ein neues Wort erfunden: Radioaktivität.

Aber Marie und Pierre haben kein modernes Labor gehabt. Die Universität hat ihnen nur einen alten Schuppen gegeben. Dieser Schuppen ist früher ein Ort für tote Körper gewesen. Es ist dort im Sommer sehr heiß und im Winter sehr kalt gewesen. Das Dach ist kaputt gewesen und es hat hineingeregnet. Aber Marie und Pierre haben dort jeden Tag gearbeitet. Sie haben Tonnen von einem speziellen Stein gekauft: Pechblende. In diesem Stein ist Uran, aber Marie hat geglaubt, dass dort noch etwas anderes ist. Etwas viel Stärkeres als Uran!

Die Arbeit ist extrem hart gewesen. Marie hat riesige Töpfe mit kochenden Chemikalien gerührt. Sie hat das schwere Material mit einer großen Eisenstange bewegt. Sie hat wie eine Fabrikarbeiterin gearbeitet, aber mit dem Kopf einer Wissenschaftlerin. Ihre Hände sind oft kaputt und schmerzhaft gewesen, aber sie hat nicht aufgehört. Pierre hat sie beobachtet und hat seine eigene Arbeit gestoppt, um Marie zu helfen. Er hat gesehen, dass sie etwas Gigantisches entdeckt hat. Sie haben vier Jahre lang in diesem Schuppen gearbeitet. Sie haben Staub eingeatmet und sie sind immer müde gewesen, aber sie haben eine Vision gehabt.

Endlich, nach viel harter Arbeit, haben sie zwei neue chemische Elemente gefunden! Das erste Element hat Marie „Polonium“ genannt, weil sie ihr Heimatland Polen so sehr liebt. Das zweite Element ist noch wichtiger gewesen. Es hat so stark geleuchtet, dass sie es „Radium“ genannt haben (von dem Wort „Radius“, das Strahl bedeutet). Marie hat das Radium geliebt. Sie haben nachts oft in ihren dunklen Schuppen geschaut und das Radium hat wie kleine blaue Feen im Dunkeln geleuchtet. Marie hat später geschrieben, dass das ein wunderschöner Moment gewesen ist. Aber sie haben damals nicht gewusst, dass dieses schöne Licht auch sehr gefährlich für ihre Gesundheit ist. Sie haben der Welt gezeigt, dass im Inneren der Materie eine unglaubliche Energie schläft.

Nach der Entdeckung von Polonium und Radium hat die ganze Welt über die Curies gesprochen. Im Jahr 1903 hat die Königliche Schwedische Akademie der Wissenschaften entschieden: Der Nobelpreis für Physik geht an Henri Becquerel und Pierre Curie. Aber es hat ein großes Problem gegeben: Die Akademie hat Marie Curie zuerst ignoriert! Sie haben gedacht, dass Marie nur eine Assistentin von Pierre ist. Sie haben nicht geglaubt, dass eine Frau eine so wichtige Entdeckung allein machen kann.

Aber Pierre Curie ist ein sehr fairer Mann gewesen. Er hat an die Akademie geschrieben und hat gesagt: „Ich nehme diesen Preis nicht an, wenn Marie ihn nicht auch bekommt. Die Idee und die harte Arbeit sind von Marie.“ Pierre hat für die Gerechtigkeit gekämpft. Die Akademie hat ihre Meinung geändert und Marie Curie ist die erste Frau in der Geschichte gewesen, die einen Nobelpreis gewonnen hat. Das ist eine Sensation gewesen! Plötzlich haben alle Zeitungen in Paris über die „schlaue Polin“ geschrieben. Aber Marie und Pierre sind nicht nach Stockholm gereist, um den Preis abzuholen. Warum? Weil sie zu krank und zu müde von der Arbeit mit dem Radium gewesen sind.

Mit dem Geld vom Nobelpreis ist ihr Leben ein bisschen einfacher geworden. Sie haben endlich eine bessere Heizung für ihre Wohnung gekauft und Pierre hat eine bessere Stelle an der Universität bekommen. Aber der Ruhm hat Marie auch gestresst. Überall sind Fotografen und Journalisten gewesen. Sie haben Marie bei der Arbeit gestört. Marie hat den Ruhm gehasst, sie hat nur die Ruhe in ihrem Labor geliebt. Sie hat oft gesagt: „In der Wissenschaft müssen wir uns für Dinge interessieren, nicht für Personen.“

Trotz des Geldes und des Preises haben Marie und Pierre eine sehr wichtige Entscheidung getroffen: Sie haben kein Patent für das Radium angemeldet. Das bedeutet, sie haben kein Geld mit der Produktion von Radium verdient. Sie haben gesagt: „Radium gehört der ganzen Welt. Es ist für die Medizin und für die Wissenschaft.“ Sie hätten sehr reich sein können, aber sie haben sich für die Menschlichkeit entschieden. In dieser Zeit hat Marie auch ihre Doktorarbeit beendet. Sie ist die erste Frau in Frankreich gewesen, die einen Doktorgrad in Physik bekommen hat. Alles ist perfekt gewesen – aber am Horizont hat schon eine dunkle Wolke gewartet, die Maries Herz bald zerbrechen sollte.

Das Jahr 1906 hat alles verändert. Marie und Pierre sind sehr glücklich gewesen. Sie haben zwei Töchter gehabt, Irène und Ève. Aber am 19. April 1906 ist etwas Schreckliches passiert. Es hat in Paris stark geregnet. Pierre ist zu Fuß über eine Straße gegangen. Er hat nicht gut aufgepasst, weil er oft in seinen Gedanken über Physik nachgedacht hat. Plötzlich ist ein schwerer Wagen mit Pferden gekommen. Pierre ist gestürzt und die Räder von dem Wagen haben seinen Kopf getroffen. Er ist sofort tot gewesen. Pierre Curie, der große Wissenschaftler und Maries große Liebe, ist mit nur 46 Jahren gestorben.

Als Marie die Nachricht gehört hat, ist sie wie aus Stein gewesen. Sie hat nicht geweint, sie hat nichts gesagt. Sie ist in ihr Haus gegangen und hat stundenlang gewartet. Später hat sie in ihr Tagebuch geschrieben: „Pierre, mein Pierre, du bist weg. Alles ist dunkel.“ Die ganze Welt ist geschockt gewesen. Die Universität hat Marie gefragt: „Willst du die Stelle von Pierre übernehmen?“ Das ist eine historische Entscheidung gewesen. Marie hat ja gesagt. So ist sie die erste Professorin in der Geschichte der Sorbonne-Universität geworden. An ihrem ersten Tag im Hörsaal sind hunderte Menschen gekommen. Sie haben eine traurige Frau erwartet, aber Marie hat genau dort weitergemacht, wo Pierre aufgehört hat. Sie hat über Physik gesprochen, als ob Pierre noch im Zimmer ist.

Aber Marie ist privat sehr einsam gewesen. Sie hat ihre schwarzen Kleider nie wieder ausgezogen. Sie ist die „Witwe der Wissenschaft“ geworden. Sie hat ihre Kinder allein erzogen und sie hat gleichzeitig das Labor geleitet. In dieser schweren Zeit hat sie fast nur gearbeitet, um den Schmerz zu vergessen. Sie hat Briefe an den toten Pierre geschrieben, weil sie ihn so sehr vermisst hat. Aber sie hat gewusst: Ich muss weiterarbeiten, für Pierre und für unsere Entdeckung.

In dieser Zeit hat sie das Radium noch genauer untersucht. Sie hat probiert, reines Radium-Metall zu isolieren. Das ist eine mathematische und chemische Höchstleistung gewesen. Die Menschen haben sie bewundert, aber manche Menschen in Paris sind auch neidisch gewesen. Es hat später einen Skandal gegeben, weil Marie einen Freund gehabt hat (Paul Langevin). Die Zeitungen haben schreckliche Dinge über Marie geschrieben, weil sie eine Frau und eine Ausländerin gewesen ist. Man hat Steine gegen ihr Haus geworfen. Aber Marie hat den Kopf oben gehalten. Sie hat gesagt: „Mein Privatleben geht niemanden etwas an. Nur meine wissenschaftliche Arbeit ist wichtig.“ Sie hat bewiesen, dass sie stärker ist als die Vorurteile der Gesellschaft.

Nach dem Tod von Pierre hat Marie Curie nicht aufgegeben. Sie hat Tag und Nacht gearbeitet. Im Jahr 1911 hat die Welt wieder über sie gestaunt. Das Nobelpreiskomitee in Stockholm hat entschieden: Marie Curie bekommt den Nobelpreis für Chemie! Das ist eine Weltsensation gewesen. Warum? Weil Marie die erste Person in der Geschichte gewesen ist, die zwei Nobelpreise in zwei verschiedenen Kategorien (Physik und Chemie) gewonnen hat. Bis heute haben das nur sehr wenige Menschen geschafft. Sie hat den Preis für die Entdeckung der Elemente Radium und Polonium bekommen.

Aber die Zeit vor der Preisverleihung ist sehr schwer für Marie gewesen. In Paris haben die Zeitungen schlechte Dinge über ihr Privatleben geschrieben. Sie haben gesagt: „Marie soll nicht nach Schweden fahren!“ Ein berühmter Wissenschaftler aus Schweden hat ihr sogar einen Brief geschrieben und gesagt: „Bitte bleib zu Hause.“ Aber Marie hat eine sehr starke Antwort gegeben. Sie hat geschrieben: „Der Nobelpreis wird für meine wissenschaftliche Arbeit gegeben, nicht für mein Privatleben. Ich werde nach Stockholm kommen.“ Auch Albert Einstein hat ihr einen Brief geschrieben und gesagt: „Ignorieren Sie die Zeitungen, Sie sind eine geniale Frau!“

Im Dezember 1911 ist Marie mit ihrer Tochter Irène nach Stockholm gereist. Sie ist sehr stolz gewesen, als sie den Preis in ihren Händen gehalten hat. In ihrer Rede hat sie auch über Pierre gesprochen. Sie hat gesagt, dass sie die Arbeit zusammen angefangen haben, aber sie hat auch ihre eigene Forschung präsentiert. Mit dem Geld von diesem zweiten Preis hat sie später das „Radium-Institut“ in Paris gebaut. Das ist ein großes Zentrum für die Erforschung von Krankheiten wie Krebs gewesen. Marie hat gewollt, dass ihre Entdeckung den kranken Menschen hilft.

Marie ist jetzt die berühmteste Frau der Welt gewesen. Aber sie ist trotzdem bescheiden geblieben. Sie hat fast kein Geld für Luxus ausgegeben. Sie hat das Geld für ihre Töchter und für ihr Labor gespart. Sie hat gezeigt, dass eine Frau alles erreichen kann: Mutter sein, Witwe sein und die beste Wissenschaftlerin der Welt sein. Aber Marie hat keine Zeit gehabt, sich auszuruhen. Ein großer Krieg hat in Europa begonnen, und Marie hat gewusst, dass die Wissenschaft jetzt Leben retten muss. Sie hat ihre weißen Laborkleider gegen eine Uniform getauscht.

Im Ersten Weltkrieg sind Millionen von Soldaten verletzt worden. Viele Männer haben Schrapnelle oder Kugeln in ihrem Körper gehabt. Die Ärzte haben diese Teile oft nicht finden können, weil es an der Front keine Röntgengeräte gegeben hat. Marie Curie hat eine geniale Idee gehabt: Wenn die Röntgengeräte nicht zu den Soldaten kommen, müssen die Geräte zu den Soldaten fahren! Sie hat Autos gesammelt und sie in mobile Röntgenstationen umgebaut. Die Menschen haben diese Autos die „Petites Curies“ (die kleinen Curies) genannt.

Aber es hat ein Problem gegeben: Marie hat nicht gewusst, wie man ein Auto fährt. Also hat sie schnell Fahrstunden genommen und hat Mechanik gelernt. Sie hat gelernt, wie man einen Reifen wechselt und wie man einen Motor repariert. Sie ist selbst an die Front gefahren, oft ganz nah an die Kämpfe. Ihre Tochter Irène, die damals erst 17 Jahre alt gewesen ist, ist mitgekommen. Zusammen haben sie die Soldaten geröntgt. Marie hat den Ärzten die Fotos gezeigt, damit sie die Kugeln sicher operieren können.

Marie hat über 200 feste Röntgenstationen gebaut und 20 mobile Autos organisiert. Man sagt, dass sie und ihre Teams über eine Million Soldaten gerettet haben. Sie hat kein Geld für diese Arbeit gewollt. Sie hat sogar ihre goldenen Nobelpreis-Medaillen zur Bank gebracht. Sie hat gesagt: „Das Land braucht Gold für den Krieg, nehmt meine Medaillen.“ Aber die Bank hat die Medaillen nicht genommen. Marie ist eine echte Offizierin der Menschlichkeit gewesen. Sie hat Tag und Nacht gearbeitet und sie hat fast nie geschlafen.

Während dieser Zeit ist sie ständig in Kontakt mit Röntgenstrahlen gewesen. Sie hat keine Schutzkleidung gehabt, weil die Menschen damals die Gefahr nicht genau gekannt haben. Aber das ist ihr egal gewesen. Sie hat nur die Schmerzen der Soldaten gesehen. Nach dem Krieg ist sie nach Paris zurückgekehrt. Sie hat keine Orden oder Medaillen vom Staat verlangt. Sie ist einfach wieder in ihr Labor gegangen. Aber die Welt hat jetzt gewusst: Marie Curie ist nicht nur eine schlaue Frau im Labor, sie ist eine der mutigsten Frauen der Weltgeschichte.

Nach dem Krieg ist Marie Curie eine Legende gewesen. Sie ist in die USA gereist, um Geld für ihre Forschung zu sammeln. Sogar der Präsident der USA hat sie empfangen. Aber Maries Körper ist sehr müde gewesen. Jahrelang hat sie mit radioaktiven Elementen gearbeitet. Sie hat Radium in ihren Taschen getragen und den Staub eingeatmet. Damals hat niemand gewusst, wie gefährlich das ist. Ihre Finger sind oft taub gewesen und sie hat schlecht sehen können. Aber sie hat nie aufgehört zu arbeiten. Sie hat gesagt: „Man darf keine Angst vor der Wissenschaft haben, man muss sie nur verstehen.“

Im Jahr 1934 ist Marie sehr krank geworden. Sie hat eine schlimme Krankheit im Blut gehabt (Leukämie), weil die Strahlung ihren Körper zerstört hat. Am 4. Juli 1934 ist sie in einem Sanatorium gestorben. Sie ist 66 Jahre alt gewesen. Die ganze Welt hat getrauert. Marie Curie ist eine Frau gewesen, die alles für die Menschheit geopfert hat. Man hat sie zuerst neben Pierre beerdigt. Aber im Jahr 1995 hat der französische Präsident entschieden: Marie Curie ist so wichtig, dass sie im Panthéon in Paris schlafen muss. Das ist der Ort für die größten Helden von Frankreich. Sie ist die erste Frau gewesen, die diese Ehre allein verdient hat.

Ihr Erbe ist heute überall. In der Medizin benutzen wir ihre Entdeckungen, um Krebs zu heilen. In der Physik benutzen wir ihre Theorien über Atome. Aber das Erstaunlichste ist: Marie Curie strahlt immer noch! Ihre Notizbücher, ihre Möbel und sogar ihre Kochbücher sind heute noch radioaktiv. Wenn man ihre Tagebücher in der Bibliothek lesen will, muss man einen Schutzanzug tragen. Sie sind in speziellen Boxen aus Blei eingesperrt. Es dauert noch über 1500 Jahre, bis ihre Bücher nicht mehr gefährlich sind. Das zeigt uns, wie stark die Energie gewesen ist, mit der sie gearbeitet hat.

Marie Curie hat bewiesen, dass Talent und harter Wille keine Grenzen haben. Sie ist eine arme Studentin aus Polen gewesen und ist zur wichtigsten Wissenschaftlerin der Welt geworden. Sie hat zwei Nobelpreise gewonnen, den Krieg überlebt und das Leben von Millionen Menschen verbessert. Sie hat uns gezeigt, dass eine Frau alles sein kann: mutig, klug, liebevoll und unsterblich. Ihr Leben ist wie das Radium gewesen: Es hat im Dunkeln geleuchtet und der Welt Licht gebracht. Solange Menschen nach der Wahrheit suchen, wird der Name Marie Curie niemals vergessen sein.