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Das Leben von Louis Pasteur (A2-B1)

NEWHÖREN

Louis Pasteur ist am 27. Dezember 1822 in der kleinen Stadt Dole in Frankreich geboren worden. Sein Vater, Jean-Joseph Pasteur, ist ein Gerber gewesen. Das bedeutet, dass er den ganzen Tag mit Leder gearbeitet hat. Die Arbeit ist sehr hart und schmutzig gewesen, aber sein Vater hat viel Disziplin gehabt. Er hat gewollt, dass sein Sohn ein besseres Leben hat. Deshalb hat er Louis immer gesagt: „Du musst fleißig lernen!“

In der Schule ist Louis am Anfang kein Genie gewesen. Er ist ein ganz normaler Schüler gewesen. Er hat eine große Leidenschaft für die Kunst gehabt. Er hat in seiner Freizeit sehr viel gemalt und gezeichnet. Er hat wunderschöne Porträts von seinen Eltern und Nachbarn gemacht. Seine Lehrer haben gedacht: „Louis wird später ein großer Künstler.“ Aber Louis hat auch eine andere Seite gehabt. Er ist sehr neugierig gewesen und hat die Natur genau beobachtet.

Mit 16 Jahren ist Louis nach Paris gegangen. Er hat dort an einer sehr berühmten Schule studiert, der École Normale Supérieure. Am Anfang hat er großes Heimweh gehabt. Er hat seine Familie und seine kleine Stadt vermisst. Aber er hat nicht aufgegeben. Er hat sich in der Bibliothek versteckt und hat Tag und Nacht Chemie und Physik gelernt. Er hat verstanden, dass die Wissenschaft wie ein großes Rätsel ist, das er lösen möchte.

Im Jahr 1847 hat er sein Studium abgeschlossen und ist Doktor der Naturwissenschaften geworden. Er hat nicht mehr gemalt, aber er hat seine Augen wie ein Künstler benutzt: Er hat Dinge unter dem Mikroskop ganz genau angeschaut. Er hat gewusst, dass er die Welt verändern kann. Er hat in dieser Zeit eine sehr wichtige Entscheidung getroffen: Er hat die Kunst verlassen und hat sein ganzes Leben der Forschung geschenkt. Das ist der Beginn von einer Reise gewesen, die Millionen von Menschenleben gerettet hat.

Nach seinem Studium in Paris ist Louis Pasteur ein junger Professor für Chemie geworden. Er hat eine sehr interessante Frage gehabt: Warum sind manche Stoffe in der Natur gleich, aber sie reagieren anders auf das Licht? Er hat angefangen, die Weinsäure zu untersuchen. Das ist eine Säure, die man in Weinfässern findet. Er hat die kleinen Kristalle dieser Säure unter einem Mikroskop ganz genau angeschaut.

Dabei hat er etwas Unglaubliches bemerkt. Er hat gesehen, dass die Kristalle nicht alle gleich gewesen sind. Es hat zwei verschiedene Arten von Kristallen gegeben. Die eine Gruppe ist nach rechts gedreht gewesen und die andere Gruppe ist nach links gedreht gewesen. Sie sind wie unsere rechte und unsere linke Hand gewesen: Sie haben fast gleich ausgesehen, aber sie haben nicht perfekt aufeinandergepasst. Man nennt das heute „Chiralität“ oder Händigkeit von Molekülen.

Pasteur ist sehr aufgeregt gewesen. Er hat mit einer kleinen Pinzette die Kristalle vorsichtig sortiert. Er hat die rechten Kristalle auf die eine Seite und die linken Kristalle auf die andere Seite gelegt. Das ist eine sehr mühsame Arbeit gewesen und hat viele Stunden gedauert. Er hat dann gezeigt: Wenn man Licht durch diese Kristalle schickt, dreht sich das Licht in verschiedene Richtungen. Er hat bewiesen, dass die Form der Moleküle eine große Rolle spielt.

Sein alter Professor hat zuerst nicht an diese Entdeckung geglaubt. Er hat gesagt: „Das ist unmöglich, Louis!“ Aber Pasteur hat das Experiment vor seinen Augen wiederholt. Der Professor ist so beeindruckt gewesen, dass er gerufen hat: „Mein liebes Kind, ich habe die Chemie mein ganzes Leben geliebt, aber das hier ist das Schönste, was ich je gesehen habe!“ Diese Entdeckung hat Pasteur weltweit berühmt gemacht. Er hat verstanden, dass das Leben eine spezielle Symmetrie hat. Er hat in dieser Zeit gelernt: „Der Zufall hilft nur dem Geist, der vorbereitet ist.“

In den 1850er Jahren hat die Weinindustrie in Frankreich eine große Krise gehabt. Viele Weinfässer sind schlecht geworden. Der Wein hat sauer wie Essig geschmeckt und man hat ihn nicht mehr verkaufen können. Die Winzer haben viel Geld verloren und haben nicht gewusst, warum das passiert ist. Sie haben Louis Pasteur um Hilfe gebeten. Pasteur ist nach Lille im Norden von Frankreich gegangen und hat dort in einer Fabrik für Alkohol gearbeitet.

Pasteur hat Proben von gutem Wein und von schlechtem Wein genommen. Er hat diese Proben unter sein Mikroskop gelegt und hat sie stundenlang beobachtet. Er hat etwas Faszinierendes gefunden: Im guten Wein hat er runde, gesunde Hefezellen gesehen. Aber im sauren Wein hat er ganz andere, kleine und längliche Lebewesen gefunden. Er hat verstanden, dass diese winzigen Organismen – die Bakterien – den Wein krank gemacht haben. Er hat bewiesen, dass die Fermentation kein rein chemischer Prozess ist, sondern ein biologischer Prozess von lebenden Zellen.

Er hat dann ein Experiment gemacht, um diese Bakterien zu stoppen. Er hat gewusst, dass Hitze viele Lebewesen töten kann. Er hat den Wein vorsichtig auf eine Temperatur zwischen 50 und 60 Grad Celsius erhitzt. Das ist warm genug gewesen, um die schlechten Bakterien zu töten, aber es hat den Geschmack vom Wein nicht zerstört. Die Winzer sind zuerst sehr skeptisch gewesen, aber das Experiment hat perfekt funktioniert. Der Wein ist haltbar geblieben.

Diese Methode hat die Welt verändert. Man hat sie später auch für Bier und vor allem für Milch benutzt. Man nennt diesen Prozess heute zu Ehren von Louis „Pasteurisieren“. Durch diese Entdeckung hat Pasteur nicht nur die französische Wirtschaft gerettet, sondern er hat auch gezeigt, dass Mikroben (winzige Lebewesen) überall in unserer Umwelt sind. Er hat verstanden: Wenn Mikroben Wein krank machen können, dann können sie vielleicht auch Tiere und Menschen krank machen. Das ist der Moment gewesen, in dem die moderne Medizin wirklich begonnen hat.

In der Mitte des 19. Jahrhunderts haben viele Wissenschaftler geglaubt, dass Mikroben (winzige Lebewesen) einfach so entstehen können. Sie haben gedacht: „Wenn Fleisch verrottet, entstehen die Bakterien von selbst aus der toten Materie.“ Man hat das „Generatio aequivoca“ genannt. Pasteur hat aber nicht an diese Theorie geglaubt. Er hat gesagt: „Nein, Mikroben sind überall in der Luft. Sie fallen auf das Essen und vermehren sich dort.“ Um das zu beweisen, hat er ein geniales Experiment vorbereitet.

Im Jahr 1862 hat Pasteur spezielle Glasflaschen benutzt. Er hat den Hals dieser Flaschen mit Feuer erhitzt und ihn lang und gebogen wie den Hals von einem Schwan gemacht. Man nennt diese Flaschen heute „Schwanenhalskolben“. Er hat eine Fleischsuppe (Brühe) in die Flaschen gefüllt und die Suppe gekocht. Durch das Kochen hat er alle Mikroben in der Suppe getötet. Die Luft hat durch den langen, gebogenen Hals in die Flasche kommen können, aber der Staub und die Mikroben aus der Luft sind im Bogen des Halses hängen geblieben. Sie haben die Suppe nicht erreichen können.

Das Ergebnis ist unglaublich gewesen: Die Suppe in den Schwanenhalskolben ist monatelang frisch und sauber geblieben. Es sind keine Bakterien in der Suppe gewachsen, obwohl Luft in der Flasche gewesen ist. Aber sobald Pasteur den Hals der Flasche abgebrochen hat, ist der Staub mit den Mikroben direkt in die Suppe gefallen. Nach nur wenigen Tagen ist die Suppe schlecht geworden und Millionen von Bakterien sind darin gewachsen. Damit hat Pasteur zweifelsfrei bewiesen: Leben entsteht nur aus Leben. Mikroben kommen von anderen Mikroben, sie entstehen nicht von selbst.

Dieses Experiment hat die gesamte Wissenschaft schockiert und fasziniert. Pasteur hat den Preis der Pariser Akademie der Wissenschaften gewonnen. Aber die Entdeckung hat noch viel wichtigere Folgen gehabt. Wenn Mikroben durch die Luft fliegen, dann können sie auch Wunden infizieren. Ärzte haben angefangen zu verstehen, warum Patienten nach einer Operation oft gestorben sind. Sie haben gelernt, dass sie ihre Hände und ihre Instrumente waschen müssen. Pasteur hat damit die Grundlage für die Hygiene und die Antisepsis im Krankenhaus geschaffen. Er hat gezeigt, dass Sauberkeit kein Luxus ist, sondern eine absolute Notwendigkeit, um Leben zu retten.

Im Jahr 1865 hat die Seidenindustrie in Frankreich ein riesiges Problem gehabt. Die Seidenraupen sind krank geworden. Sie haben schwarze Flecken am Körper gehabt und sind gestorben. Man hat diese Krankheit „Pébrine“ genannt. Tausende Familien in Südfrankreich haben ihre Arbeit verloren, weil es keine Seide mehr gegeben hat. Die Regierung hat Louis Pasteur um Hilfe gebeten. Er ist in die Stadt Alès gereist. Er hat am Anfang gezögert, weil er kein Experte für Insekten gewesen ist. Aber er hat gesagt: „Ich werde es versuchen.“

Pasteur hat sein Labor in einem kleinen Haus in den Bergen aufgebaut. Er hat tausende Raupen und Schmetterlinge unter seinem Mikroskop untersucht. Er hat bemerkt, dass die Krankheit von winzigen Parasiten gekommen ist. Das Wichtigste ist seine Entdeckung über die Vererbung gewesen: Die kranken Schmetterlinge haben die Krankheit an ihre Eier weitergegeben. Wenn aus diesen Eiern neue Raupen gekommen sind, sind sie sofort krank gewesen. Er hat verstanden: Man muss die kranken Eltern finden, um die Kinder zu retten.

Er hat eine sehr einfache, aber geniale Methode erfunden. Er hat jeden Schmetterling nach der Eiablage untersucht. Wenn er Mikroben im Schmetterling gefunden hat, hat er die Eier sofort verbrannt. Nur die Eier von gesunden Schmetterlingen hat er behalten. Die Bauern haben zuerst nicht an diese Methode geglaubt. Sie haben gedacht, dass Pasteur zu streng ist. Aber nach einiger Zeit haben sie gesehen: Die neuen Raupen aus den gesunden Eiern sind stark geblieben und haben wunderschöne Seide produziert.

Diese Arbeit ist für Pasteur persönlich sehr schwer gewesen. Während dieser fünf Jahre sind sein Vater und zwei seiner Töchter gestorben. Er hat trotz dieser großen Trauer jeden Tag im Labor gearbeitet. Am Ende hat er nicht nur die Seidenindustrie in Frankreich gerettet, sondern er hat auch etwas Wichtiges für die Medizin gelernt: Er hat bewiesen, dass Krankheiten durch Ansteckung von einem Lebewesen zum nächsten wandern können. Das hat ihm geholfen, später Impfstoffe für Tiere und Menschen zu entwickeln. Er ist als Held nach Paris zurückgekehrt, aber er hat gewusst, dass sein größter Kampf noch vor ihm liegt.

Im Jahr 1879 hat Louis Pasteur die Hühnercholera untersucht. Das ist eine schreckliche Krankheit gewesen, an der sehr viele Hühner in Frankreich gestorben sind. Pasteur hat die Bakterien dieser Krankheit in seinem Labor gezüchtet. Er hat die Bakterien in einer Fleischbrühe wachsen lassen. Wenn er ein gesundes Huhn mit dieser frischen Bakterien-Suppe infiziert hat, ist das Huhn sehr schnell gestorben. Pasteur hat versucht, ein Medikament zu finden, aber er hat zuerst keinen Erfolg gehabt.

Dann ist etwas Merkwürdiges passiert. Es sind Sommerferien gewesen und Pasteur ist für einige Wochen verreist. Er hat seine Bakterien-Kulturen einfach auf dem Tisch im Labor stehen lassen. Als er zurückgekommen ist, hat er sein Experiment fortgesetzt. Er hat die alten Bakterien (die schon viele Wochen alt gewesen sind) benutzt und sie den Hühnern gegeben. Aber die Hühner sind nicht gestorben! Sie sind nur ein bisschen krank geworden und nach ein paar Tagen sind sie wieder völlig gesund gewesen.

Pasteur hat zuerst gedacht, dass sein Experiment kaputt ist. Er hat neue, sehr starke und frische Bakterien vorbereitet. Er hat diese gefährlichen Bakterien denselben Hühnern gegeben, die vorher die alten Bakterien bekommen hatten. Und jetzt ist das Wunder passiert: Die Hühner sind gesund geblieben! Die starken Bakterien haben ihnen nichts getan. Pasteur hat sofort verstanden, was passiert ist: Die alten Bakterien sind durch die Luft und die Zeit schwach geworden. Diese schwachen Bakterien haben das Immunsystem der Hühner trainiert, ohne sie zu töten.

Pasteur ist begeistert gewesen. Er hat begriffen, dass er eine Methode gefunden hat, um Lebewesen künstlich gegen Krankheiten zu schützen. Er hat diesen Prozess zu Ehren von Edward Jenner (der früher mit Kuhpocken gearbeitet hat) „Impfung“ (Vakzination) genannt. Er hat gezeigt, dass man Bakterien im Labor „zähmen“ kann, wie man wilde Tiere zähmt. Das ist eine völlig neue Idee in der Medizin gewesen. Er hat nun gewusst, dass er diese Methode auch für viel gefährlichere Krankheiten benutzen kann, die Menschen und größere Tiere töten.

Nach seinem Erfolg mit den Hühnern hat Louis Pasteur eine viel gefährlichere Krankheit untersucht: den Milzbrand (Anthrax). Diese Krankheit hat jedes Jahr tausende Schafe und Kühe in ganz Europa getötet. Die Bauern haben große Angst gehabt, weil man gegen den Milzbrand nichts hat machen können. Pasteur hat im Labor einen Impfstoff entwickelt. Er hat die Milzbrand-Bakterien durch Hitze schwach gemacht. Aber viele Leute haben ihm nicht geglaubt. Ein Tierarzt hat gesagt: „Pasteur ist ein Träumer! Das funktioniert nicht in der Natur, nur im Labor.“

Pasteur hat die Herausforderung angenommen. Er hat ein großes Experiment vor vielen Menschen organisiert. Der Ort ist ein Bauernhof in Pouilly-le-Fort gewesen. Im Mai 1881 sind dort hunderte Menschen zusammengekommen: Journalisten, Politiker, Bauern und Wissenschaftler. Pasteur hat 50 Schafe bekommen. Er hat die Schafe in zwei Gruppen geteilt. Die erste Gruppe (25 Schafe) hat seine neue Impfung bekommen. Die zweite Gruppe (die anderen 25 Schafe) hat keine Impfung bekommen.

Zwei Wochen später hat Pasteur allen 50 Schafen eine sehr starke Dosis von frischen Milzbrand-Bakterien gegeben. Das ist eine tödliche Menge gewesen. Er hat gesagt: „Kommt in zwei Tagen wieder zurück. Dann werdet ihr das Ergebnis sehen.“ Die ganze Welt hat auf diesen Tag gewartet. Die Zeitungen in Paris haben darüber geschrieben. Pasteur ist sehr nervös gewesen. Er hat gewusst: Wenn nur ein geimpftes Schaf stirbt, ist seine Theorie zerstört. Er hat in diesen Nächten fast nicht schlafen können.

Am 2. Juni 1885 ist die Menge wieder zum Bauernhof gekommen. Das Ergebnis ist ein Wunder gewesen: Alle 25 Schafe, die die Impfung bekommen hatten, sind gesund gewesen! Sie sind im Gras gelaufen und haben gefressen. Aber die anderen 25 Schafe, die keine Impfung bekommen hatten, sind alle gestorben oder sind sehr krank gewesen. Die Menschen haben laut gejubelt und haben Pasteur gefeiert. Er hat bewiesen, dass seine Methode perfekt funktioniert. Nach diesem Tag haben Bauern in ganz Frankreich ihre Tiere impfen lassen. Pasteur ist jetzt ein Nationalheld gewesen, aber er hat schon an seinen nächsten Plan gedacht: Er hat eine Lösung für eine Krankheit gesucht, die auch Menschen tötet.

Im Jahr 1885 hat Louis Pasteur an einem Impfstoff gegen Tollwut (Rabies) gearbeitet. Tollwut ist eine furchtbare Krankheit gewesen. Wenn ein Mensch von einem kranken Hund gebissen worden ist, ist er fast immer gestorben. Pasteur hat den Impfstoff bereits an Hunden getestet und er hat gewusst, dass er funktioniert. Aber er hat große Angst gehabt, den Impfstoff an einem Menschen zu testen. Er ist kein gelernter Arzt gewesen, sondern ein Chemiker.

Am 6. Juli 1885 ist ein kleiner Junge aus dem Elsass in sein Labor gekommen. Er hat Joseph Meister geheißen und ist erst neun Jahre alt gewesen. Ein tollwütiger Hund hat den Jungen 14 Mal gebissen. Die Mutter hat geweint und hat Pasteur um Hilfe gebeten. Die Ärzte haben gesagt: „Der Junge wird sterben, wenn wir nichts machen.“ Pasteur hat eine sehr schwere Entscheidung treffen müssen. Er hat zwei Ärzte gefragt, und sie haben gesagt: „Versuchen Sie es, Louis!“

Pasteur hat dem Jungen über 10 Tage lang jeden Tag eine Spritze gegeben. Er hat einen abgeschwächten Impfstoff benutzt, den er aus dem Rückenmark von Kaninchen gewonnen hat. Pasteur ist in dieser Zeit sehr nervös gewesen. Er hat nachts Albträume gehabt und hat gedacht, dass der Junge wegen der Impfung sterben könnte. Er hat sein eigenes Leben und seinen Ruf für diesen kleinen Jungen riskiert. Er hat Joseph wie seinen eigenen Sohn behandelt.

Wochen sind vergangen, aber Joseph Meister ist nicht krank geworden. Er ist gesund geblieben und ist später sogar der Pförtner am Institut Pasteur geworden. Das ist eine Sensation auf der ganzen Welt gewesen! Menschen aus allen Ländern sind nach Paris gereist, weil sie die Impfung haben wollten. Pasteur hat bewiesen, dass man auch Krankheiten besiegen kann, die durch Viren kommen (obwohl er damals noch nicht genau gewusst hat, was ein Virus ist). Er hat die Medizin für immer verändert und ist zum berühmtesten Wissenschaftler seiner Zeit geworden.

Nach dem Erfolg gegen die Tollwut ist Louis Pasteur weltberühmt gewesen. Menschen aus allen Ländern haben ihm Briefe geschrieben und ihm gedankt. Aber Pasteur ist alt und müde gewesen. Er hat gewusst, dass er Hilfe braucht, um noch mehr Krankheiten zu besiegen. Er hat eine internationale Spendenaktion gestartet. Er hat gesagt: „Wir brauchen ein großes Institut für die Forschung und für die Impfung.“ Die Antwort der Menschen ist unglaublich gewesen. Arme Bauern, reiche Geschäftsleute und sogar Kaiser und Könige aus ganz Europa haben Geld geschickt.

Im Jahr 1888 ist das Institut Pasteur in Paris offiziell eröffnet worden. Es ist ein sehr modernes Gebäude mit vielen Laboren gewesen. Pasteur hat dort die besten jungen Wissenschaftler aus Europa versammelt. Er hat sie nicht nur als Angestellte gesehen, sondern als seine „geistigen Kinder“. Er hat ihnen beigebracht, wie man Mikroben sucht und wie man Impfstoffe herstellt. Er hat gewollt, dass das Wissen kostenlos bleibt und dass das Institut allen Menschen hilft, egal ob sie reich oder arm sind.

In diesem Institut haben die Forscher sehr schnell neue Entdeckungen gemacht. Ein Schüler von Pasteur, Emil Roux, hat dort das Gift der Diphtherie untersucht. Ein anderer Forscher, Alexandre Yersin, ist nach Asien gereist und hat das Bakterium der Pest gefunden. Ohne die Schule von Pasteur wäre das nicht möglich gewesen. Pasteur hat in seinen letzten Jahren oft im Garten des Instituts gesessen und hat den jungen Leuten bei der Arbeit zugesehen. Er hat sich gefreut, dass seine Ideen weiterleben.

Das Institut Pasteur ist schnell gewachsen. Man hat überall auf der Welt neue Zentren gebaut, zum Beispiel in Afrika und Asien. Diese Institute haben gegen tropische Krankheiten gekämpft. Pasteur hat damit eine globale Armee gegen Mikroben geschaffen. Er hat bewiesen, dass die Wissenschaft keine Grenzen hat. In seinen Reden hat er oft gesagt: „Die Wissenschaft gehört der Menschheit.“ Er hat in diesem Institut seine Vision von einer gesünderen Welt realisiert. Er ist dort nicht nur ein Direktor gewesen, sondern eine Inspiration für eine ganze Generation von Ärzten.

Am Ende seines Lebens ist Louis Pasteur sehr schwach gewesen. Er hat mehrere Schlaganfälle gehabt, und seine linke Körperseite ist gelähmt gewesen. Er hat nicht mehr im Labor arbeiten können, aber sein Geist ist bis zum Schluss hell und wach geblieben. Er hat oft in seinem Garten am Institut Pasteur gesessen. Dort hat er den jungen Forschern zugesehen und hat ihnen Tipps gegeben. Er hat sich sehr gefreut, weil seine Schüler überall auf der Welt neue Krankheiten besiegt haben.

Louis Pasteur ist am 28. September 1895 in Villeneuve-l'Étang bei Paris gestorben. Er ist 72 Jahre alt geworden. In seinen letzten Stunden ist seine Familie bei ihm gewesen. Er hat eine kleine Statue der Jungfrau Maria in der Hand gehalten, weil er ein gläubiger Mann gewesen ist. Die Nachricht von seinem Tod hat die ganze Welt schockiert. In Paris haben die Menschen auf der Straße geweint. Der französische Staat hat ein riesiges Staatsbegräbnis für ihn organisiert. Das ist eine Ehre gewesen, die normalerweise nur Königen oder Generälen gehört.

Man hat Pasteur nicht auf einem normalen Friedhof begraben. Die Regierung hat eine wunderschöne Krypta direkt unter dem Institut Pasteur gebaut. Diese Krypta ist mit goldenen Mosaiken dekoriert. Auf den Wänden kann man die Namen seiner größten Entdeckungen lesen: Kristalle, Fermentation, Seidenraupen, Milzbrand und Tollwut. Es ist wie ein heiliger Ort für die Wissenschaft. Millionen von Menschen sind in den letzten 130 Jahren dorthin gereist, um diesem Mann „Danke“ zu sagen.

Was ist von Louis Pasteur geblieben? Er hat uns gezeigt, dass wir keine Angst vor der Natur haben müssen, wenn wir sie verstehen. Durch seine Arbeit sind Krankheiten wie die Pest, die Cholera und die Tollwut nicht mehr so gefährlich. Jedes Mal, wenn wir eine Flasche Milch öffnen oder eine Impfung bekommen, denken wir an ihn. Er hat einmal gesagt: „Wissenschaft kennt kein Vaterland, denn das Wissen gehört der Menschheit.“ Er ist als Sohn eines einfachen Gerbers gestorben, aber er ist als der Vater der modernen Medizin unsterblich geworden.