Das Leben von George Orwell (A1-A2)
NEWHÖREN

George Orwell ist am 25. Juni 1903 in Indien geboren. Sein richtiger Name ist Eric Arthur Blair gewesen. Sein Vater hat für die britische Regierung in Indien gearbeitet. Aber Eric ist nicht lange dort geblieben. Als er erst ein Jahr alt gewesen ist, hat seine Mutter ihn und seine Schwestern nach England gebracht. Dort hat er in einem kleinen Dorf gewohnt. Er ist ein kluger Junge gewesen und hat sehr viel gelesen.
Mit acht Jahren ist Eric in ein Internat gekommen. Das ist eine sehr teure Schule gewesen. Aber Eric hat sich dort nicht wohlgefühlt. Die Lehrer sind sehr streng gewesen und die reichen Kinder haben ihn oft ausgelacht. Er hat ein Stipendium (Geld von der Schule) gehabt, weil seine Familie nicht so reich wie die anderen gewesen ist. Er hat sich einsam gefühlt und hat angefangen, kurze Geschichten zu schreiben. Das ist sein Weg gewesen, um der Realität zu entfliehen.
Später hat er einen Platz im berühmten Eton College bekommen. Das ist die Schule für die Elite in England gewesen. Einer von seinen Lehrern ist sogar der berühmte Autor Aldous Huxley gewesen! Aber Eric ist kein typischer Musterschüler gewesen. Er hat schlechte Noten gehabt, weil er nur das gelernt hat, was er interessant gefunden hat. Er hat lieber über Politik und die Gesellschaft nachgedacht als über alte Sprachen.
Nach der Schule hat Eric kein Geld für die Universität gehabt. Er hat eine große Entscheidung treffen müssen. Er hat nicht in England bleiben wollen. Er hat Abenteuer gesucht. Er hat sich bei der Polizei beworben und ist zurück nach Asien gefahren. Er hat nicht gewusst, dass diese Reise seine Meinung über die Welt für immer verändert hat. Der junge Eric Blair ist weggefahren, aber der kritische Beobachter George Orwell ist in seinem Kopf langsam geboren.
Im Jahr 1922 ist Eric Blair nach Birmanya gefahren. Er hat dort für die Imperial Police gearbeitet. Das ist ein sehr wichtiger Job gewesen, aber er ist auch sehr gefährlich gewesen. Eric hat eine Uniform getragen und hat für Ordnung sorgen müssen. Er ist ein Teil der britischen Macht gewesen. Zuerst hat er gedacht, dass er seinem Land hilft. Aber er hat schnell gesehen, dass das System ungerecht gewesen ist.
Eric hat fünf Jahre lang in Birmanya gelebt. Er hat das Land und die Menschen beobachtet. Er hat gesehen, wie die britischen Polizisten die Menschen vor Ort behandelt haben. Die Einheimischen haben die Briten gehasst. Eric hat sich oft geschämt. Er hat sich wie ein Gefängniswärter gefühlt. Er hat in dieser Zeit eine sehr berühmte Geschichte über einen Elefanten geschrieben. Ein Elefant ist wild geworden und Eric hat ihn töten müssen, nur weil die Menschen es von ihm erwartet haben. Das hat ihn sehr traurig gemacht.
In Birmanya hat er verstanden: Imperialismus ist schlecht für alle. Es ist schlecht für die Menschen, die kontrolliert werden, und es ist schlecht für die Menschen, die kontrollieren. Er hat gesehen, dass Macht die Menschen korrupt macht. Er ist krank geworden (er hat Dengue-Fieber gehabt) und hat Urlaub in England gemacht. In diesem Urlaub hat er eine mutige Entscheidung getroffen. Er hat gesagt: „Ich gehe nicht zurück. Ich möchte kein Polizist mehr sein. Ich möchte ein Schriftsteller sein.“
Seine Familie ist schockiert gewesen. Ein Job bei der Polizei hat Sicherheit und Geld bedeutet. Aber Eric hat keine Lust mehr auf Sicherheit gehabt. Er hat die Wahrheit suchen wollen. Er hat seine Uniform in den Schrank gehängt und hat angefangen, über seine Fehler zu schreiben. Er hat gewusst: Um ein guter Autor zu sein, muss er die Welt der Armen und der Leidenden kennenlernen. Er hat Birmanya verlassen, aber die Bilder von der Ungerechtigkeit hat er niemals vergessen.
Im Jahr 1928 ist Eric nach Paris gezogen. Er hat dort in einem sehr billigen und schmutzigen Viertel gewohnt. Er hat fast kein Geld gehabt. Warum hat er das gemacht? Er hat gesagt: „Ich möchte wissen, wie sich Hunger anfühlt.“ Er hat sein Geld gespart, aber ein Dieb hat sein restliches Geld gestohlen. Plötzlich ist die Armut nicht mehr ein Experiment gewesen, sondern Realität. Er hat tagelang nur trockenes Brot gegessen und hat seinen Mantel verkauft, um ein bisschen Geld für Essen zu bekommen.
Um zu überleben, hat er einen Job in einem großen Hotel gesucht. Er ist ein Plongeur geworden. Das ist ein Tellerwäscher gewesen. Er hat 13 oder 15 Stunden pro Tag in einer heißen, dampfigen Küche gearbeitet. Es ist eine schreckliche Arbeit gewesen. Er hat tausende schmutzige Teller gewaschen und hat den Müll weggebracht. Er hat gesehen, wie die reichen Leute oben im Restaurant teures Essen gegessen haben, während die Arbeiter unten im Keller wie Sklaven gelebt haben. Diese Ungerechtigkeit hat ihn sehr wütend gemacht.
Nach seiner Zeit in Paris ist er zurück nach London gegangen. Aber er ist nicht nach Hause zu seiner Familie gegangen. Er hat sich wie ein Obdachloser (Tramp) angezogen. Er hat alte, kaputte Schuhe getragen und ist mit anderen armen Menschen durch die Straßen gewandert. Er hat in staatlichen Schlafstellen für Arme übernachtet. Dort hat er gesehen, wie die Polizei und die Gesellschaft diese Menschen behandelt haben. Er hat viele Notizen in seine Tagebücher geschrieben. Er hat gemerkt: Diese Menschen sind nicht schlecht, sie haben einfach nur Pech gehabt.
Im Jahr 1933 hat er sein erstes Buch fertig geschrieben: „Down and Out in Paris and London“ (Erinnerungen an Paris und London). Er hat darin die nackte Wahrheit über den Hunger erzählt. Er hat dem Verlag gesagt: „Ich möchte nicht meinen echten Namen benutzen. Das ist zu peinlich für meine Familie.“ In diesem Moment hat er den Namen George Orwell gewählt. Das Buch ist ein Erfolg gewesen. Die Menschen in England sind schockiert gewesen, weil sie nichts über das Leben der Tellerwäscher und Obdachlosen gewusst haben. George Orwell ist als Autor geboren worden.
Im Jahr 1936 hat George Orwell eine große Reise gemacht. Ein Verleger hat ihn gefragt: „George, kannst du in den Norden von England fahren? Wir wollen wissen, wie die Bergarbeiter dort leben.“ Orwell hat sofort „Ja“ gesagt. Er hat seinen Koffer gepackt und ist in Städte wie Wigan und Barnsley gefahren. Es ist ein sehr kalter Winter gewesen. Überall ist grauer Rauch in der Luft gewesen und die Häuser der Arbeiter sind sehr klein und feucht gewesen. Orwell hat dort in billigen Zimmern gewohnt. Oft hat er sich das Zimmer mit fremden Menschen teilen müssen. Es hat dort nach altem Essen und Schmutz gerochen, aber er hat nicht aufgegeben.
Der wichtigste Teil von dieser Reise ist der Besuch in einer Kohlemine gewesen. Orwell ist mit den Arbeitern tief in den Boden gefahren. Er hat eine Lampe und einen Helm getragen. Er hat dort unten gesehen, wie hart das Leben wirklich ist. Die Männer haben fast nackt gearbeitet, weil es in der Mine extrem heiß gewesen ist. Sie haben stundenlang auf den Knien gelegen und mit schweren Werkzeugen die Kohle aus dem Stein geschlagen. Der Staub ist überall gewesen – in den Augen, im Mund und in der Lunge. Orwell hat versucht, denselben Weg wie die Arbeiter zu gehen, aber er hat gemerkt: Diese Arbeit ist fast unmöglich für einen normalen Menschen. Er hat großen Respekt vor diesen Männern bekommen.
Nach der Arbeit unter der Erde ist Orwell mit den Männern nach Hause gegangen. Er hat gesehen, was sie essen und wie sie wohnen. Die Familien haben oft nur Brot, Margarine und Tee mit viel Zucker gehabt. Es hat kein frisches Gemüse und kein Fleisch gegeben, weil die Löhne viel zu niedrig gewesen sind. Viele Kinder sind krank gewesen, weil die Wohnungen keinen Strom und keine Heizung gehabt haben. Orwell hat alles in sein Notizbuch geschrieben. Er hat Statistiken gesammelt und hat mit den Frauen über die Preise für Miete und Kohle gesprochen. Er hat verstanden: Das System in England hat die Arbeiter vergessen.
Als er zurück nach London gekommen ist, hat er das Buch „The Road to Wigan Pier“ (Der Weg nach Wigan Pier) geschrieben. Das Buch hat zwei Teile gehabt. Im ersten Teil hat er die schreckliche Armut beschrieben. Im zweiten Teil hat er über Politik geschrieben. Er hat gesagt: „Wir brauchen Sozialismus, um diese Ungerechtigkeit zu stoppen.“ Er hat aber auch seine eigenen Freunde, die reichen Sozialisten, kritisiert. Er hat gesagt, dass sie die echten Arbeiter gar nicht verstehen. Das Buch ist eine Sensation gewesen und hat viele Menschen wütend gemacht. Orwell hat gewusst: Er kann jetzt nicht mehr nur zuschauen. Er hat das Gefühl gehabt, dass er für seine Ideen kämpfen muss. Und dieser Kampf hat ihn bald in ein ganz anderes Land geführt: nach Spanien.
Im Dezember 1936 hat George Orwell eine sehr mutige Entscheidung getroffen. Er hat zu seiner Frau Eileen gesagt: „Ich kann nicht in England bleiben und Tee trinken, während in Spanien die Freiheit stirbt.“ Er ist mit dem Zug nach Barcelona gefahren. Dort hat er eine unglaubliche Atmosphäre erlebt. Überall sind rote Fahnen gewesen. Die Arbeiter haben die Kontrolle über die Stadt gehabt. Die Menschen haben sich „Genosse“ genannt. Orwell ist total begeistert gewesen. Er hat sich sofort einer Miliz (einer Gruppe von freiwilligen Soldaten) namens POUM angeschlossen. Er hat keine militärische Erfahrung gehabt, aber er hat schnell gelernt, wie man ein altes Gewehr benutzt.
Orwell ist an die Front in die Berge von Aragonien geschickt worden. Das Leben dort ist schrecklich gewesen. Es hat fast kein Essen gegeben und die Soldaten haben in tiefen, dreckigen Gräben (Schützengräben) geschlafen. Es hat viele Ratten gegeben und es ist sehr kalt gewesen. Aber Orwell hat nicht geklagt. Er hat sich mit den spanischen Arbeitern angefreundet. Er hat gesehen, dass diese Menschen für eine bessere Welt gekämpft haben. Er hat Monate lang an der Front verbracht und hat gegen die Truppen von General Franco gekämpft. Er hat den Krieg aus nächster Nähe gesehen: den Lärm, den Schmutz und den Tod.
An einem Morgen im Mai 1937 ist etwas Furchtbares passiert. Orwell ist im Schützengraben aufgestanden, um mit einem Kameraden zu sprechen. In diesem Moment hat ein Scharfschütze auf ihn geschossen. Die Kugel hat ihn direkt am Hals getroffen. Orwell ist zu Boden gefallen. Er hat gedacht: „Das ist das Ende. Ich sterbe jetzt.“ Die Kugel ist nur wenige Millimeter an seiner Halsschlagader vorbeigegangen. Er hat unglaubliches Glück gehabt! Sanitäter haben ihn in ein Krankenhaus gebracht. Er hat seine Stimme für eine Zeit verloren, aber er hat überlebt. Seine Frau Eileen ist nach Spanien gekommen, um ihn zu pflegen.
Aber die größte Gefahr ist nicht von den Feinden gekommen, sondern von den eigenen Leuten. In Barcelona hat sich die Politik verändert. Die Sowjetunion hat angefangen, die Macht zu übernehmen. Die Kommunisten haben die Gruppe von Orwell (die POUM) verboten. Sie haben gesagt: „Diese Leute sind Verräter.“ Plötzlich hat die Polizei die Freunde von Orwell verhaftet und getötet. Orwell und seine Frau haben sich in Hotels verstecken müssen. Sie sind nachts durch die Straßen gelaufen, um nicht gefangen zu werden. Sie haben wie Kriminelle gelebt, obwohl sie für die Freiheit gekämpft haben.
Schließlich haben sie es geschafft. Sie sind heimlich über die Grenze nach Frankreich geflohen. Als Orwell zurück in England gewesen ist, ist er ein anderer Mensch gewesen. Er hat gesehen, wie Lügen und Propaganda eine Revolution zerstören können. Er hat alles in seinem Buch „Mein Katalonien“ (Homage to Catalonia) aufgeschrieben. Er hat die Wahrheit über den Verrat in Spanien erzählt, aber am Anfang hat niemand das Buch kaufen wollen. Die Menschen haben die Wahrheit nicht hören wollen. Aber Orwell hat jetzt ein klares Ziel gehabt: Er hat sich vorgenommen, jedes Wort gegen jede Form von Diktatur zu richten.
Im Jahr 1939 hat der Zweite Weltkrieg begonnen. George Orwell hat sofort versucht, Soldat zu werden. Er ist zum Militär gegangen und hat gesagt: „Ich möchte kämpfen.“ Aber die Ärzte haben ihn untersucht und haben gesagt: „Nein, Herr Orwell. Ihre Lunge ist zu schwach und Sie haben eine alte Wunde am Hals.“ Orwell ist sehr enttäuscht gewesen. Er hat sich stattdessen der Home Guard angeschlossen. Das ist eine Gruppe von Freiwilligen gewesen, die London in der Nacht bewacht haben. Er hat dort eine Uniform getragen und hat mit alten Waffen trainiert, während die deutschen Bomben auf London gefallen sind.
Im Jahr 1941 hat er einen neuen Job bei der BBC (British Broadcasting Corporation) bekommen. Er ist Produzent für das indische Programm geworden. Er hat jeden Tag Sendungen für Menschen in Indien geschrieben und aufgenommen. Er hat gehofft, dass er dort die Wahrheit sagen kann. Aber er hat schnell gemerkt, dass das nicht so einfach gewesen ist. Das Informationsministerium hat alles kontrolliert. Er hat Berichte umschreiben müssen, damit sie der Regierung gefallen. Er hat gesehen, wie Nachrichten manipuliert worden sind. Diese Zeit im Büro ist für ihn wie ein Gefängnis gewesen. Er hat das Gefühl gehabt, dass er seine Zeit mit Propaganda verschwendet.
Orwell hat die Atmosphäre in den großen Bürogebäuden genau beobachtet. Er hat gesehen, wie die Bürokratie funktioniert. Die Kantine, die grauen Korridore und die strengen Regeln haben ihn deprimiert. Er hat später gesagt, dass die BBC das Vorbild für das „Ministerium für Wahrheit“ in seinem Buch 1984 gewesen ist. Er hat dort gelernt, wie man die Geschichte verändert, indem man Wörter löscht oder lügt. Er hat viele kluge Kollegen gehabt, aber er hat die Unehrlichkeit der Politik gehasst. Er hat sich oft mit seinen Chefs gestritten, weil er seine eigene Meinung behalten hat.
Im Jahr 1943 ist sein Vater gestorben und Orwell hat auch seinen Job bei der BBC gekündigt. Er hat zu seiner Frau Eileen gesagt: „Ich kann nicht mehr für die Regierung arbeiten. Ich muss wieder ein freier Autor sein.“ Er hat angefangen, für die Zeitung Tribune zu schreiben. Dort hat er eine berühmte Kolumne mit dem Namen „As I Please“ (Wie es mir gefällt) gehabt. Er hat über alles geschrieben: über Politik, über Literatur und sogar über die perfekte Tasse Tee. Er hat sich in dieser Zeit auf seine größte Arbeit vorbereitet. Er hat eine Idee für eine Geschichte über Tiere gehabt, die eine Revolution machen. Diese Idee ist der Anfang von seinem weltweiten Ruhm gewesen.
Im Jahr 1943 hat George Orwell eine geniale Idee gehabt. Er hat die russische Revolution und Josef Stalin kritisieren wollen. Aber er hat gewusst: Wenn ich ein politisches Buch schreibe, wird es vielleicht verboten. Also hat er eine Geschichte über Tiere auf einem Bauernhof geschrieben. Er hat das Buch „Animal Farm“ (Hayvan Çiftliği) genannt. In der Geschichte haben die Tiere keine Lust mehr auf den Bauern (Mr. Jones), weil er sie schlecht behandelt. Sie haben eine Revolution gemacht und haben den Menschen vom Hof gejagt.
Am Anfang sind alle Tiere glücklich gewesen. Sie haben sieben Regeln an die Wand geschrieben. Die wichtigste Regel ist gewesen: „Alle Tiere sind gleich.“ Zwei Schweine haben die Führung übernommen: Snowball und Napoleon. Snowball hat gute Ideen gehabt, aber Napoleon ist machtgierig gewesen. Er hat Hunde trainiert und hat Snowball mit Gewalt vertrieben. Danach hat Napoleon wie ein Diktator regiert. Er hat die Regeln immer wieder verändert, bis an der Wand nur noch ein Satz gestanden hat: „Alle Tiere sind gleich, aber einige Tiere sind gleicher als andere.“
Orwell hat es sehr schwer gehabt, einen Verlag für dieses Buch zu finden. Es ist mitten im Zweiten Weltkrieg gewesen und die Sowjetunion ist ein Partner von England gegen Hitler gewesen. Die Verleger haben Angst gehabt. Sie haben zu Orwell gesagt: „Du darfst unseren Freund Stalin nicht kritisieren!“ Orwell ist sehr wütend gewesen. Er hat gesagt: „Freiheit bedeutet, den Menschen das zu sagen, was sie nicht hören wollen.“ Schließlich hat er einen kleinen Verlag gefunden und das Buch ist im August 1945 veröffentlicht worden.
Das Buch ist ein gigantischer Erfolg gewesen. Die Menschen haben verstanden, dass die Schweine im Buch in Wirklichkeit Politiker sind, die ihre Ideale vergessen haben. Orwell ist durch dieses Buch zum ersten Mal in seinem Leben reich geworden. Aber er hat sich über das Geld nicht freuen können. Seine Frau Eileen ist während einer Operation gestorben, kurz bevor das Buch ein Erfolg geworden ist. Er ist nun ein berühmter Autor gewesen, aber er ist auch ein sehr einsamer und kranker Mann gewesen. Er hat gewusst, dass er nicht mehr viel Zeit hat, und hat angefangen, an seinem dunkelsten Buch zu arbeiten.
Im Jahr 1946 ist George Orwell auf die Insel Jura in Schottland gezogen. Er hat ein altes Haus mit dem Namen „Barnhill“ gemietet. Das Haus ist sehr isoliert gewesen. Es hat dort keinen Strom, kein Telefon und keine Heizung gegeben. Warum ist er dorthin gegangen? Er hat Ruhe zum Schreiben gebraucht. Er hat London und die vielen Menschen dort gehasst. Er hat seinen kleinen Adoptivsohn Richard mitgenommen. Er hat dort wie ein Bauer gelebt: Er hat Gemüse gepflanzt, gefischt und Holz für das Feuer gesammelt.
Aber seine Gesundheit ist sehr schlecht gewesen. Er hat Tuberkulose gehabt. Das ist eine schwere Krankheit für die Lunge. Er hat oft Fieber gehabt und hat viel Blut gehustet. Die Ärzte haben gesagt: „Sie müssen sich ausruhen!“ Aber Orwell hat nicht auf sie gehört. Er hat eine Mission gehabt. Er hat fast den ganzen Tag im Bett gelegen und hat auf seiner alten Schreibmaschine getippt. Er hat an einem Buch gearbeitet, das zuerst „Der letzte Mann in Europa“ heißen sollte. Später hat er den Titel geändert. Er hat das Buch „1984“ genannt.
In diesem Buch hat er eine schreckliche Zukunft beschrieben. Er hat über einen Staat geschrieben, der alles kontrolliert. Es hat dort keine Freiheit gegeben. Überall sind Plakate mit dem Gesicht von einem Mann gewesen. Darauf ist gestanden: „Big Brother is watching you“ (Der Große Bruder beobachtet dich). Orwell hat sich diese Welt ausgedacht, während er selbst vor Schmerzen fast gestorben ist. Er hat über die „Gedankenpolizei“ geschrieben, die sogar die Gefühle der Menschen kontrolliert hat. Er hat so hart gearbeitet, dass er am Ende total schwach gewesen ist.
Der Winter auf der Insel ist sehr hart gewesen. Orwell hat oft vor Kälte gezittert, aber er hat das Buch im Jahr 1948 fertig geschrieben. Er hat das Manuskript selbst getippt, weil er keinen Sekretär auf der Insel gehabt hat. Er hat gewusst, dass dieses Buch eine Warnung für die Welt sein muss. Er hat gezeigt, wie Sprache und Wahrheit zerstört werden können. Als er das letzte Wort geschrieben hat, ist er zusammengebrochen. Er hat alles für dieses Buch gegeben – sogar seine letzte Kraft.
Im Juni 1949 ist das Buch „1984“ endlich in den Buchhandlungen erschienen. Es ist sofort eine Sensation gewesen. Die Menschen in England und in Amerika haben das Buch gelesen und haben große Angst vor der Zukunft bekommen. Sie haben über den „Großen Bruder“ und das „Neusprech“ (Newspeak) diskutiert. George Orwell ist plötzlich einer der wichtigsten Autoren der Welt gewesen. Aber er hat diesen Erfolg nicht feiern können. Er ist zu dieser Zeit schon in einem Krankenhaus in London gewesen, weil seine Lunge fast komplett kaputt gewesen ist.
Im Krankenhaus hat er viele Briefe von Lesern aus der ganzen Welt bekommen. Auch berühmte Menschen haben ihn besucht. Er hat dort eine Frau namens Sonia Brownell getroffen. Sie hat für ein Literaturmagazin gearbeitet. Orwell hat gewusst, dass er bald stirbt, aber er hat nicht allein sein wollen. Er hat Sonia gefragt: „Möchtest du mich heiraten?“ Sie hat „Ja“ gesagt. Sie haben im Oktober 1949 direkt im Krankenhauszimmer geheiratet. Orwell hat ein schickes Jackett über seinem Schlafanzug getragen. Es ist ein trauriger, aber auch ein schöner Moment gewesen.
Obwohl er sehr schwach gewesen ist, hat sein Kopf immer weiter gearbeitet. Er hat Notizen für neue Bücher gemacht. Er hat über eine Geschichte im Jahr 1945 nachgedacht und hat Tagebuch geführt. Er hat gehofft, dass neue Medikamente aus Amerika (wie Streptomycin) ihm helfen können. Die Ärzte haben alles versucht, aber die Tuberkulose ist schon zu stark gewesen. Er hat oft keine Luft bekommen und hat kaum noch sprechen können. Aber er ist bis zum Ende ein Kämpfer für die Wahrheit geblieben.
Die Welt hat im Jahr 1949 verstanden, dass Orwell ein Prophet gewesen ist. Er hat davor gewarnt, dass Regierungen die Gedanken der Menschen kontrollieren wollen. Er hat gezeigt, wie wichtig die Freiheit des Wortes ist. Sein Buch ist in viele Sprachen übersetzt worden. Aber für George Orwell ist die Zeit abgelaufen. Er hat seine letzten Tage damit verbracht, aus dem Fenster zu schauen und an die grüne Natur von Schottland und seine Kindheit zu denken. Er hat seinen Frieden mit der Welt gemacht, weil er seine Mission erfüllt hat.
Am 21. Januar 1950 ist George Orwell in einem Krankenhaus in London gestorben. Er ist erst 46 Jahre alt gewesen. Eine Ader in seiner Lunge ist geplatzt, und die Ärzte haben ihm nicht mehr helfen können. Sein Tod ist eine große Nachricht in der ganzen Welt gewesen. Die Menschen haben getrauert, weil sie einen mutigen Kämpfer für die Wahrheit verloren haben. Er hat sich ein sehr bescheidenes Grab gewünscht. Auf seinem Grabstein in einem kleinen Dorf in England steht nicht „George Orwell“, sondern sein echter Name: Eric Arthur Blair. Er hat bis zum Ende einen Unterschied zwischen dem berühmten Autor und dem privaten Menschen gemacht.
Obwohl Orwell gestorben ist, haben seine Bücher erst danach ihre volle Kraft gezeigt. Während des Kalten Krieges haben Millionen von Menschen „1984“ und „Hayvan Çiftliği“ gelesen. In vielen diktatorischen Ländern sind seine Bücher streng verboten gewesen. Die Menschen haben sie heimlich kopiert und unter dem Mantel versteckt. Warum? Weil Orwell die Methoden der Macht perfekt beschrieben hat. Er hat Begriffe erfunden, die wir heute jeden Tag benutzen: „Big Brother“, „Gedankenpolizei“ oder „Doppeldenk“. Er hat uns gezeigt, wie gefährlich es ist, wenn eine Regierung die Sprache kontrolliert.
Heute, im 21. Jahrhundert, ist George Orwell aktueller als jemals zuvor. Wenn wir über Überwachungskameras, das Internet oder Fake News sprechen, denken wir sofort an ihn. Er hat davor gewarnt, dass die Wahrheit in einer Welt voller Propaganda sterben kann. Sein Adjektiv „orwellianisch“ beschreibt heute Situationen, in denen die Freiheit bedroht ist. Er ist kein Pessimist gewesen, sondern ein Warner. Er hat gewollt, dass wir wachsam bleiben. Er hat bewiesen, dass ein einzelner Mann mit einer Schreibmaschine stärker sein kann als eine ganze Armee.
George Orwell hat ein hartes Leben gehabt. Er ist arm gewesen, er hat im Krieg gekämpft, er ist krank gewesen und er hat seine Frau verloren. Aber er hat niemals seine Integrität verloren. Er hat immer das geschrieben, was er für richtig gehalten hat, auch wenn es gefährlich gewesen ist. Sein Erbe ist die Freiheit des Denkens. Er hat uns eine wichtige Lektion hinterlassen: Wir müssen die Sprache schützen, um unsere Freiheit zu schützen. Solange Menschen für die Wahrheit kämpfen, wird George Orwell niemals vergessen sein. Er ist der Mann gewesen, der uns beigebracht hat, die Augen offen zu halten.
