Das Leben von Fyodor Michailowitsch Dostojewski
HÖREN

Fyodor Michailowitsch Dostojewski ist am 30. Oktober 1821 in Moskau geboren. Er ist in einer sehr interessanten, aber auch schwierigen Umgebung aufgewachsen. Sein Vater, Michail, hat als Arzt in einem Krankenhaus für arme Menschen gearbeitet. Die Familie hat in einer Wohnung auf dem Gelände dieses Krankenhauses gewohnt. Das ist ein wichtiger Punkt: Fyodor hat schon als kleines Kind jeden Tag kranke und arme Leute gesehen. Er hat verstanden, dass das Leben nicht immer einfach ist. Diese frühen Erfahrungen haben sein Herz tief berührt.
Seine Mutter, Maria, ist eine sehr herzliche und gläubige Frau gewesen. Sie hat die Kunst und die Literatur geliebt. Sie hat Fyodor und seinen Geschwistern das Lesen beigebracht. Sie haben zusammen viele Märchen und religiöse Geschichten gelesen. Diese Zeit mit seiner Mutter ist für Fyodor sehr glücklich gewesen. Aber dieses Glück hat nicht lange gedauert. Im Jahr 1837 ist seine Mutter an einer schweren Krankheit, der Tuberkulose, gestorben. Fyodor ist damals erst 15 Jahre alt gewesen. Er hat seine Mutter sehr vermisst und dieser Verlust hat seine Welt verändert.
Nach dem Tod der Mutter ist das Leben im Haus sehr traurig geworden. Sein Vater ist strenger und dunkler geworden. Er hat entschieden, dass Fyodor und sein Bruder Michail nach St. Petersburg gehen müssen. Dort haben sie an einer Militärschule für Ingenieure studiert. Fyodor hat diese Schule gehasst. Er hat sich einsam gefühlt und wollte eigentlich nur über Literatur sprechen und Bücher schreiben.
Im Jahr 1839 ist dann die nächste Tragödie passiert: Sein Vater ist plötzlich gestorben. Es gibt viele Legenden über seinen Tod. Manche Leute haben gesagt, dass seine eigenen Bauern ihn getötet haben, weil er zu hart zu ihnen gewesen ist. Als Fyodor diese Nachricht bekommen hat, hat er seinen ersten großen epileptischen Anfall gehabt. Er hat sich schuldig gefühlt und diese dunklen Gefühle hat er später in seinem berühmten Buch „Die Brüder Karamasow“ benutzt. Seine Kindheit ist also eine Mischung aus Liebe zur Literatur und großen Schmerzen gewesen.
Nach dem Tod seiner Mutter hat Fyodors Vater eine wichtige Entscheidung getroffen. Er hat gewollt, dass Fyodor und sein Bruder Michail eine sichere Karriere machen. Deshalb hat er sie nach St. Petersburg geschickt. Dort haben sie an der Hauptingenieurschule studiert. Das ist eine sehr strenge Militärschule gewesen.
Das Leben an dieser Schule ist für Fyodor sehr schwer gewesen. Der Alltag hat aus Disziplin, Mathematik und militärischen Übungen bestanden. Aber Fyodor hat sich überhaupt nicht für Mathematik oder Brückenbau interessiert. Er hat sich oft einsam gefühlt und hat sich von den anderen Studenten isoliert. Während die anderen draußen gespielt oder trainiert haben, hat Fyodor in der Bibliothek gesessen und gelesen.
Er hat in dieser Zeit fast alle großen Klassiker gelesen. Er hat Werke von Shakespeare, Goethe, Schiller und Victor Hugo studiert. Besonders die Nächte sind für ihn wichtig gewesen: Wenn alle anderen geschlafen haben, hat er bei Kerzenlicht heimlich gelesen und seine ersten Texte geschrieben. Die Literatur ist für ihn wie eine Rettung aus dem grauen Alltag gewesen.
Im Jahr 1843 hat er sein Studium abgeschlossen und hat angefangen, als Ingenieur-Leutnant zu arbeiten. Aber er hat diesen Beruf nur ein Jahr lang gemacht. Er hat gemerkt: „Ich kann kein Soldat sein, ich bin ein Künstler.“ Er hat seinen Job gekündigt und hat alles riskiert. Er hat kein Geld gehabt und seine Familie hat diese Entscheidung nicht verstanden. Aber Fyodor hat nur ein Ziel gehabt: Er hat seinen ersten Roman schreiben wollen. Er hat begonnen, an „Arme Leute“ zu arbeiten. Er hat Tag und Nacht geschrieben, weil er an sein Talent geglaubt hat. Das ist der Moment gewesen, in dem der Ingenieur Dostojewski gestorben und der Schriftsteller Dostojewski geboren ist.
Nachdem Fyodor seinen Job als Ingenieur gekündigt hat, hat er eine sehr schwierige Zeit ohne Geld erlebt. Er hat in einer kleinen, kalten Wohnung in St. Petersburg gewohnt. Er hat fast sein ganzes Geld für Papier und Tinte ausgegeben. Er hat monatelang an seinem ersten Buch mit dem Titel „Arme Leute“ gearbeitet. Das ist ein Briefroman gewesen. Das bedeutet, zwei arme Menschen schreiben sich Briefe über ihr hartes Leben und ihre Gefühle.
Als er mit dem Manuskript fertig gewesen ist, hat er es seinem Freund Grigorowitsch gegeben. Grigorowitsch hat das Buch zusammen mit dem berühmten Dichter Nekrassow gelesen. Die beiden Männer haben die ganze Nacht gelesen und sie haben am Ende sogar geweint, weil die Geschichte so emotional gewesen ist. Sie sind mitten in der Nacht, um vier Uhr morgens, zu Dostojewski gelaufen. Sie haben an seine Tür geklopft und haben gerufen: „Ein neuer Gogol ist erschienen!“ Sie haben sofort verstanden, dass Fyodor ein Genie ist.
Nekrassow hat das Manuskript zu dem wichtigsten Literaturkritiker dieser Zeit gebracht. Sein Name ist Wissarion Belinski gewesen. Belinski hat das Buch gelesen und hat Fyodor zu sich eingeladen. Er hat zu ihm gesagt: „Verstehen Sie eigentlich, was Sie da geschrieben haben?“ Belinski hat Dostojewski sehr gelobt. Er hat gesagt, dass Dostojewski die psychologische Wahrheit über das Leben der armen Menschen entdeckt hat.
Dieser Erfolg ist über Nacht gekommen. Plötzlich haben alle in St. Petersburg über diesen jungen Autor gesprochen. Dostojewski ist sehr stolz und glücklich gewesen. Er ist in die feine Gesellschaft von St. Petersburg gegangen und hat viele berühmte Schriftsteller getroffen. Aber dieses Glück hat auch Probleme gebracht. Dostojewski ist ein bisschen arrogant geworden und hat mit anderen Autoren gestritten. Trotzdem hat dieser erste Erfolg sein Leben für immer verändert. Er hat jetzt gewusst, dass er wirklich ein großer Schriftsteller sein kann.
Dostojewski hat sich nach seinem Erfolg für die Probleme in der russischen Gesellschaft interessiert. Er hat gesehen, dass viele Bauern und Arbeiter keine Rechte gehabt haben. Er hat angefangen, sich mit einer Gruppe von jungen Intellektuellen zu treffen. Diese Gruppe hat man den „Petraschewski-Kreis“ genannt.
In dieser Gruppe haben sie über Politik, Philosophie und Freiheit gesprochen. Sie haben verboten Bücher aus Europa gelesen und über Reformen in Russland diskutiert. Sie haben die strenge Regierung vom Zaren Nikolaus I. kritisiert. Damals ist es sehr gefährlich gewesen, solche Dinge zu sagen oder zu denken. Die Polizei hat überall Spione gehabt.
Eines Tages, im April 1849, ist die Polizei plötzlich in seine Wohnung gekommen. Sie haben Fyodor verhaftet und ihn in die Peter-und-Paul-Festung gebracht. Das ist ein sehr dunkles und schreckliches Gefängnis gewesen. Er hat dort viele Monate in einer kleinen Zelle gewartet. Er hat nicht gewusst, was mit ihm passieren wird. Er hat sich einsam gefühlt und hat nur an seine Familie und seine Bücher gedacht.
Die Regierung hat Dostojewski und seine Freunde wegen Hochverrat angeklagt. Sie haben gesagt, dass diese jungen Männer das System zerstören wollten. Am Ende hat das Gericht ein schreckliches Urteil getroffen: Die Todesstrafe. Fyodor hat gedacht, dass sein Leben jetzt zu Ende ist. Er hat nicht geahnt, dass dieser Moment nur der Anfang von einer noch größeren Prüfung gewesen ist.
Am Morgen des 22. Dezember 1849 ist etwas Schreckliches passiert. Die Soldaten haben Dostojewski und seine Freunde aus dem Gefängnis geholt. Man hat sie auf einen großen Platz in St. Petersburg gebracht, den Semjonow-Platz. Es ist sehr kalt gewesen und überall hat Schnee gelegen. Die Männer haben nur dünne Kleidung getragen und sie haben vor Kälte und Angst gezittert.
Die Offiziere haben das Urteil laut vorgelesen: Tod durch Erschießen. Das ist ein Schock für Fyodor gewesen. Er hat geglaubt, dass er in nur wenigen Minuten sterben wird. Er hat zu seinem Freund gesagt: „Heute werde ich bei Christus sein.“ Die Soldaten haben die ersten drei Gefangenen an Holzpfähle gebunden. Sie haben ihnen weiße Kappen über die Augen gezogen, damit sie die Gewehre nicht sehen können. Dostojewski ist in der zweiten Gruppe gewesen. Er hat nur noch fünf Minuten zu leben gehabt.
In diesen fünf Minuten hat er sehr intensiv über sein Leben nachgedacht. Er hat die Sonne auf den Türmen der Kirche gesehen und hat gedacht: „Das ist mein letztes Licht.“ Er hat in diesem Moment verstanden, wie wertvoll jede Sekunde des Lebens ist. Er hat sich geschworen: „Wenn ich überlebe, werde ich jede Minute nutzen und ein guter Mensch sein.“
Plötzlich ist ein Soldat mit einer weißen Flagge auf den Platz geritten. Er hat eine Nachricht vom Zaren Nikolaus I. gebracht. Der Zar hat seine Meinung im letzten Moment geändert. Es ist keine echte Hinrichtung gewesen, sondern eine „Scheinhinrichtung“, um die jungen Männer zu erschrecken. Die Todesstrafe ist gestrichen worden.
Stattdessen hat der Zar eine neue Strafe gegeben: Vier Jahre Zwangsarbeit in Sibirien und danach Militärdienst. Die Soldaten haben Dostojewski sofort die Ketten an die Beine gelegt. Er ist nicht tot gewesen, aber sein altes Leben ist an diesem Tag gestorben. Diese dramatische Erfahrung hat seine Psyche und seine späteren Bücher, wie zum Beispiel „Der Idiot“, für immer geprägt. Er hat nie vergessen, wie es sich anfühlt, direkt in den Tod zu blicken.
Nach der Scheinhinrichtung hat eine sehr lange und schwere Reise begonnen. Die Soldaten haben Dostojewski nach Omsk in Sibirien gebracht. Er hat dort vier Jahre lang in einem Gefängnis für Schwerverbrecher gelebt. Das Leben dort ist die reinste Hölle gewesen. Er hat schwere Ketten an seinen Beinen getragen. Diese Ketten hat er Tag und Nacht, beim Arbeiten und beim Schlafen, niemals abgenommen.
Das Gefängnis ist ein sehr schmutziger und dunkler Ort gewesen. Im Winter ist es extrem kalt gewesen und im Sommer ist die Luft in den Räumen sehr schlecht gewesen. Dostojewski hat mit 200 anderen Gefangenen in einem einzigen großen Raum geschlafen. Diese Männer sind Mörder, Diebe und Räuber gewesen. Am Anfang haben die anderen Gefangenen ihn gehasst, weil er ein Adliger und ein Intellektueller gewesen ist. Er ist für sie ein Fremder gewesen.
In dieser Zeit hat Fyodor kein einziges Buch haben dürfen. Nur ein Buch hat die Erlaubnis der Wärter bekommen: Das Neue Testament. Er hat dieses Buch vier Jahre lang jeden Tag gelesen. Das hat seinen Glauben und seine Philosophie komplett verändert. Er hat angefangen, die einfachen Menschen und sogar die Verbrecher zu verstehen. Er hat gesehen, dass auch in einem Mörder ein gutes Herz sein kann.
Er hat im Gefängnis sehr hart gearbeitet. Er hat Ziegel getragen, Schnee geschaufelt und schwere Arbeit im Wald gemacht. Seine Gesundheit ist in dieser Zeit viel schlechter geworden. Er hat dort seine ersten schweren epileptischen Anfälle bekommen. Die Ärzte haben ihm nicht viel geholfen.
Aber Dostojewski hat alles heimlich beobachtet. Er hat sich die Geschichten der anderen Häftlinge gemerkt. Er hat ihre Sprache, ihre Leiden und ihre Träume studiert. Als er nach vier Jahren das Gefängnis verlassen hat, hat er fast nichts mehr besessen, aber sein Kopf ist voll mit neuen Ideen gewesen. Diese Erlebnisse hat er später in seinem Buch „Aufzeichnungen aus einem Totenhaus“ aufgeschrieben. Er hat bewiesen, dass der menschliche Geist auch in Ketten frei sein kann.
Nach seiner Zeit in Sibirien ist Dostojewski zurück nach St. Petersburg gekommen. Aber sein Leben ist nicht einfach geworden. Er hat in dieser Zeit zwei große Probleme gehabt: seine Gesundheit und seine Sucht nach dem Roulette. Seine epileptischen Anfälle sind immer öfter gekommen. Nach einem Anfall hat er sich oft tagelang schwach und traurig gefühlt. Er hat diese dunklen Momente später in seinen Romanen sehr genau beschrieben.
Aber das größte Problem ist das Glücksspiel gewesen. Er ist oft nach Deutschland gereist, zum Beispiel nach Wiesbaden oder Baden-Baden. Dort hat er in den Casinos fast sein ganzes Geld verloren. Er hat geglaubt, dass er ein System hat und viel gewinnen kann. Aber er hat immer wieder alles verloren. Er hat oft kein Geld für das Hotel oder für Essen gehabt. Er hat sogar seine Kleidung und den Schmuck seiner Frau verkauft, um weiterzuspielen.
Wegen seiner Schulden hat er einen sehr gefährlichen Vertrag mit einem Verleger unterschrieben. Er hat versprochen, einen neuen Roman in nur 26 Tagen fertig zu schreiben. Wenn er das nicht geschafft hätte, hätte der Verleger die Rechte an all seinen Büchern bekommen. Das ist eine Katastrophe für Fyodor gewesen.
In dieser Panik hat er eine junge Stenografin namens Anna Grigorjewna Snitkina engagiert. Er hat ihr den Text diktiert und sie hat alles sehr schnell aufgeschrieben. In dieser unglaublich kurzen Zeit ist der Roman „Der Spieler“ entstanden. In diesem Buch hat er seine eigene Sucht und seine Gefühle am Roulettetisch beschrieben. Am Ende hat er den Termin geschafft und sein Werk gerettet. Diese stressige Zeit hat aber auch etwas Gutes gehabt: Er hat sich in Anna verliebt.
Obwohl er viele Schulden und gesundheitliche Probleme gehabt hat, ist das die wichtigste Zeit für seine Literatur gewesen. Er hat angefangen, seine größten Meisterwerke zu schreiben. Er hat nicht mehr nur über arme Leute geschrieben, sondern über die tiefen Fragen der menschlichen Seele.
Sein berühmtestes Werk in dieser Zeit ist „Schuld und Sühne“ gewesen. Er hat die Geschichte von Raskolnikow erzählt, einem jungen Studenten, der eine alte Frau tötet. Dostojewski hat in diesem Buch erklärt, warum ein Mensch zum Mörder wird und wie das Gewissen funktioniert. Er hat gezeigt, dass man vor seiner eigenen Schuld nicht weglaufen kann. Die Leser in ganz Russland sind von diesem Buch fasziniert gewesen.
Danach hat er „Der Idiot“ geschrieben. In diesem Roman hat er versucht, einen absolut guten Menschen zu beschreiben: den Fürsten Myschkin. Fyodor hat sich oft gefragt, ob ein herzlicher und ehrlicher Mensch in einer korrupten Welt überleben kann. Viele Details in diesem Buch, wie zum Beispiel die Beschreibungen der Epilepsie, sind sehr persönlich gewesen.
Dostojewski hat in diesen Jahren fast ohne Pause gearbeitet. Er hat oft nachts geschrieben und viel Kaffee getrunken. Er hat versucht, die psychologischen Probleme der Gesellschaft zu verstehen. Er hat über Religion, Gott, den Sozialismus und die Freiheit nachgedacht. Er ist kein einfacher Autor mehr gewesen, sondern ein philosophischer Visionär. Seine Bücher sind in viele Sprachen übersetzt worden und er ist langsam auf der ganzen Welt berühmt geworden.
Die Beziehung zu Anna Grigorjewna Snitkina hat das Leben von Dostojewski komplett gerettet. Nach der Arbeit an „Der Spieler“ haben sie im Jahr 1867 geheiratet. Anna ist viel jünger als Fyodor gewesen, aber sie ist eine sehr starke und kluge Frau gewesen. Sie hat sofort verstanden, dass ihr Mann ein Genie ist, aber sie hat auch gesehen, dass er Hilfe im Alltag braucht.
Wegen der vielen Schulden und der Probleme mit den Gläubigern in Russland ist das Paar nach Europa gereist. Sie haben vier Jahre lang im Ausland gelebt, vor allem in Dresden, Genf, Florenz und Baden-Baden. Diese Jahre sind eine Mischung aus großem Glück und tiefem Schmerz gewesen. Im Ausland ist ihre erste Tochter, Sonja, geboren, aber sie ist leider nach nur drei Monaten gestorben. Dostojewski ist am Boden zerstört gewesen und hat wochenlang geweint. Später haben sie jedoch weitere Kinder bekommen: Ljubow, Fjodor und Alexei.
Anna hat in dieser Zeit die Kontrolle über die Finanzen übernommen. Sie hat die Verhandlungen mit den Verlegern geführt und hat angefangen, die Bücher ihres Mannes selbst zu verkaufen. Ohne Annas Organisationstalent hätte Dostojewski wahrscheinlich nie seine Ruhe gefunden. Sie hat eine kleine Firma gegründet und hat dafür gesorgt, dass die Familie endlich genug Geld zum Leben gehabt hat.
In dieser Zeit im Ausland hat er den Roman „Die Dämonen“ geschrieben. Er hat darin die radikalen politischen Bewegungen in Russland kritisiert. Er hat sich immer mehr von den revolutionären Ideen seiner Jugend entfernt und hat Trost in der Religion und in der Liebe zu seiner Familie gefunden. Im Jahr 1871 sind sie schließlich nach Russland zurückgekehrt. Die Menschen haben ihn dort wie einen Helden empfangen. Er ist endlich ein stabiler und respektierter Mann der Gesellschaft gewesen.
In seinen letzten Lebensjahren hat Dostojewski an seinem größten und wichtigsten Werk gearbeitet: „Die Brüder Karamasow“. Er hat fast zwei Jahre lang an diesem massiven Buch geschrieben. Es ist die Summe seines ganzen Lebens gewesen. In diesem Roman hat er alle Themen kombiniert, die ihn immer beschäftigt haben: Gott, der freie Wille, die Moral und die komplizierte Beziehung zwischen Vätern und Söhnen.
Das Buch ist ein riesiger Erfolg gewesen. Die Menschen in ganz Europa haben begriffen, dass Dostojewski einer der größten Denker der Geschichte ist. Er ist im Jahr 1880 bei der Enthüllung des Puschkin-Denkmals in Moskau aufgetreten und hat eine berühmte Rede gehalten. Das Publikum hat ihn minutenlang gefeiert und die Leute haben vor Begeisterung geweint. In diesem Moment ist er auf dem Gipfel seines Ruhmes gewesen.
Aber seine Gesundheit ist sehr schlecht gewesen. Seine Lungen sind schwach gewesen und die vielen epileptischen Anfälle haben seinen Körper zerstört. Am 9. Februar 1881 ist Fyodor Michailowitsch Dostojewski in St. Petersburg gestorben. Er hat seine Frau gebeten, ihm aus der Bibel vorzulesen, bevor er seine Augen für immer geschlossen hat.
Sein Begräbnis ist ein historisches Ereignis gewesen. Zehntausende Menschen sind auf die Straßen von St. Petersburg gegangen, um sich von ihm zu verabschieden. Studenten, Arbeiter, Adlige und Priester sind zusammen hinter seinem Sarg gelaufen. Sie alle haben gewusst: Ein Mann ist gestorben, der die menschliche Seele besser verstanden hat als jeder andere. Sein Grab auf dem Tichwiner Friedhof wird noch heute von Menschen aus der ganzen Welt besucht.
