Das Leben von Charlie Chaplin (A1-A2)
NEWHÖREN

Charlie Chaplin ist am 16. April 1889 in London geboren. Sein Leben ist am Anfang sehr schwer gewesen. Seine Eltern sind beide Sänger und Schauspieler gewesen, aber sie haben große Probleme gehabt. Sein Vater hat die Familie verlassen, als Charlie noch ein Baby gewesen ist. Seine Mutter, Hannah, ist oft krank gewesen und hat kein Geld verdient. Deshalb hat Charlie schon als kleines Kind Hunger gehabt.
Die Armut ist so groß gewesen, dass Charlie und sein Bruder Sydney in einem Heim für arme Kinder (Workhouse) gewohnt haben. Das ist ein schrecklicher Ort gewesen. Die Kinder haben dort hart arbeiten müssen und haben nur wenig Essen bekommen. Charlie hat seine Mutter sehr vermisst. Aber in dieser schweren Zeit hat er etwas Wichtiges gelernt: Er hat die Menschen auf der Straße beobachtet. Er hat gesehen, wie sie gehen, wie sie weinen und wie sie lachen. Diese Beobachtungen sind später die Basis für seine Filme gewesen.
Mit nur fünf Jahren ist Charlie zum ersten Mal auf einer Bühne gewesen. Seine Mutter hat im Theater gesungen, aber plötzlich hat sie ihre Stimme verloren. Das Publikum ist laut und böse gewesen. Da ist der kleine Charlie auf die Bühne gelaufen und hat angefangen zu singen und zu tanzen. Die Leute haben gelacht und haben Münzen auf die Bühne geworfen. Charlie hat das Geld aufgesammelt und hat verstanden: „Wenn ich die Menschen zum Lachen bringe, können wir überleben.“
Trotz der Probleme mit seiner Mutter und der Armut hat Charlie nie aufgegeben. Er ist in verschiedenen kleinen Theatergruppen gewesen. Er ist ein sehr guter Tänzer geworden und hat gelernt, wie man ohne Worte Geschichten erzählt (Pantomime). Er hat gewusst, dass er ein Talent hat. Er hat jede Nacht von einer großen Karriere geträumt. In den dunklen Straßen von London hat er seinen Kampf begonnen, um eines Tages der berühmteste Mann der Welt zu werden.
Nach der schwierigen Zeit im Heim hat Charlie Chaplin eine Entscheidung getroffen. Er hat zu seinem Bruder Sydney gesagt: „Ich möchte ein großer Schauspieler werden.“ Er ist erst zwölf Jahre alt gewesen, aber er ist schon sehr selbstständig gewesen. Er hat bei vielen kleinen Theatergruppen in London angeklopft. Zuerst hat er nur kleine Rollen bekommen, zum Beispiel als Zeitungsjunge in einem Stück über Sherlock Holmes. Er hat seinen Text sehr schnell gelernt und ist immer pünktlich gewesen. Das Publikum hat ihn sofort gemocht, weil er so ein ausdrucksstarkes Gesicht gehabt hat.
Im Jahr 1908 hat er eine große Chance bekommen. Er ist Mitglied in der berühmten Gruppe von Fred Karno geworden. Das ist eine sehr bekannte Komikertruppe in England gewesen. Fred Karno hat zu Charlie gesagt: „Du bist ein Naturtalent.“ In dieser Gruppe hat Charlie die Kunst der „Slapstick-Comedy“ gelernt. Das bedeutet: Er hat gelernt, wie man hinfällt, wie man kämpft und wie man lustige Unfälle macht, ohne sich wehzutun. Er hat jeden Tag viele Stunden lang vor dem Spiegel trainiert. Er hat jede Bewegung perfektioniert.
Charlie ist mit der Karno-Truppe durch ganz Europa gereist. Die Arbeit ist sehr anstrengend gewesen. Sie haben fast jeden Abend in einer anderen Stadt gespielt. Aber für Charlie ist das eine fantastische Schule gewesen. Er hat gelernt, wie er die Menschen ohne Worte zum Lachen bringt. Er hat verstanden: Humor braucht keine Sprache. Ein trauriger Blick oder ein lustiger Gang ist international. Er ist der Star der Gruppe geworden und hat bald mehr Geld verdient als je zuvor.
Im Jahr 1910 ist die Gruppe für eine große Tournee nach Amerika gefahren. Charlie hat das Schiff genommen und hat über den Atlantik geschaut. Er hat große Angst gehabt, aber auch viel Hoffnung. Als er New York gesehen hat, ist er schockiert gewesen. Alles ist so groß und modern gewesen! Er hat gewusst: In Amerika wartet seine Zukunft. Er hat dort viele Shows gespielt und die Menschen in den USA haben ihn geliebt. Ein Mann aus der neuen Filmindustrie hat ihn im Publikum gesehen und hat gedacht: „Diesen jungen Mann mit den lustigen Bewegungen brauche ich für meine Filme!“
Im Jahr 1913 hat Charlie Chaplin ein Telegramm bekommen. Eine Filmfirma aus Kalifornien, die Keystone Studios, hat ihn eingeladen. Der Chef, Mack Sennett, hat Charlie in einer Show gesehen und hat gedacht: „Dieser kleine Engländer ist sehr lustig.“ Charlie hat gezögert, weil er das Theater geliebt hat. Aber er hat gewusst, dass Filme die Zukunft sind. Er ist mit dem Zug nach Los Angeles gefahren. Dort hat er gesehen, dass die Filmwelt ganz anders ist als das Theater. Alles ist viel schneller und chaotischer gewesen.
Sein erster Film hat „Making a Living“ geheißen. In diesem Film hat Charlie noch wie ein feiner Herr mit einem langen Zylinder und einem großen Schnurrbart ausgesehen. Aber er ist mit seiner Rolle nicht glücklich gewesen. Er hat das Gefühl gehabt, dass er nicht er selbst ist. Der Regisseur hat oft mit ihm gestritten, weil Charlie eigene Ideen gehabt hat. Aber Charlie hat nicht aufgegeben. Er hat die Kamera genau beobachtet und hat gelernt, wie man für das Kino spielt.
Ein paar Wochen später hat Mack Sennett zu ihm gesagt: „Zieh dir etwas Lustiges an! Wir brauchen ein Kostüm für eine Komödie.“ Charlie ist in die Garderobe gegangen. Er hat dort verschiedene Kleider gefunden. Er hat eine Hose genommen, die viel zu groß gewesen ist. Er hat Schuhe genommen, die ihm nicht gepasst haben. Er hat eine kleine Melone (Hut) und einen dünnen Spazierstock gewählt. Er hat sich einen kleinen Schnurrbart angeklebt, damit er älter aussieht. Er hat nicht gewusst, dass er in diesem Moment eine Legende baut.
Als er aus der Garderobe gekommen ist, haben alle gelacht. Er ist wie eine Mischung aus einem armen Landstreicher und einem Gentleman gewandert. Er hat diesen Charakter „The Tramp“ (der Landstreicher) genannt. In seinem zweiten Film hat das Publikum diesen kleinen Mann zum ersten Mal gesehen. Die Menschen im Kino haben geschrien vor Lachen. Charlie hat gemerkt: Dieser Charakter ist perfekt. Er ist arm, aber er hat Würde. Das ist der Beginn von einer neuen Ära in Hollywood gewesen.
Nach seinem Erfolg bei Keystone ist alles sehr schnell gegangen. Im Jahr 1915 hat Charlie die Filmfirma gewechselt und ist zu Essanay gegangen. Dort hat er viel mehr Geld verdient und hat zum ersten Mal selbst Regie geführt. Er hat verstanden, dass der „Tramp“ (Şarlo) nicht nur lustig sein muss, sondern auch ein Herz haben muss. Er hat dem Charakter mehr Emotionen gegeben. Die Menschen haben ihn geliebt, weil er ein armer Mann gewesen ist, der gegen die Reichen und Starken kämpft. Er hat immer wieder verloren, aber er ist immer wieder aufgestanden und hat seinen Hut gerichtet.
Überall auf der Welt hat man plötzlich sein Gesicht gesehen. Es hat Chaplin-Puppen, Chaplin-Lieder und sogar Chaplin-Wettbewerbe gegeben. Menschen in New York, Paris, Berlin und Istanbul haben über die gleichen Witze gelacht. Das ist das erste Mal in der Geschichte gewesen, dass ein Mensch überall gleichzeitig berühmt gewesen ist. Charlie hat keine Sprache gebraucht, um verstanden zu werden. Seine Mimik und sein Körper haben alles erzählt. Er ist ein Symbol für Hoffnung gewesen, besonders für die armen Leute.
Charlie ist ein Perfektionist gewesen. Er hat eine Szene nicht nur einmal oder zehnmal gedreht, sondern manchmal hundertmal! Er hat gewollt, dass jede Bewegung perfekt ist. Er hat die Kameraarbeit kontrolliert und hat die Geschichten selbst geschrieben. Er hat fast den ganzen Tag im Studio verbracht. Sein Bruder Sydney ist sein Manager geworden und hat ihm geholfen, sehr gute Verträge zu unterschreiben. Im Jahr 1916 hat er für eine einzige Firma über 670.000 Dollar verdient. Das ist zu dieser Zeit eine gigantische Summe gewesen.
Aber der Erfolg hat auch Schattenseiten gehabt. Charlie hat sich oft einsam gefühlt. Er hat gewusst, dass die Menschen Şarlo lieben, aber sie haben Charlie Chaplin nicht wirklich gekannt. Er hat angefangen, über tiefere Themen nachzudenken. Er hat nicht mehr nur kurze Filme (Shorts) machen wollen, sondern lange Geschichten mit einer richtigen Handlung. Er hat begriffen, dass er die totale Kontrolle braucht, um seine Kunst zu schützen. Er hat nicht mehr für andere Chefs arbeiten wollen. Er hat seinen eigenen Traum von einem eigenen Studio geträumt.
Im Jahr 1919 hat Charlie Chaplin eine revolutionäre Entscheidung getroffen. Zu dieser Zeit haben die großen Filmstudios in Hollywood alles kontrolliert. Sie haben den Schauspielern gesagt, was sie tun müssen, und haben fast das ganze Geld behalten. Charlie hat das nicht mehr gewollt. Er hat sich mit drei anderen großen Stars getroffen: Mary Pickford, Douglas Fairbanks und dem Regisseur D.W. Griffith. Zusammen haben sie eine eigene Firma gegründet: United Artists. Ein berühmter Mann in Hollywood hat damals gelacht und gesagt: „Jetzt haben die Verrückten das Irrenhaus übernommen!“ Aber für Charlie ist es der Weg zur totalen Freiheit gewesen.
Charlie hat nun sein eigenes Studio in Hollywood gebaut. Es hat wie ein kleines englisches Dorf ausgesehen. Jetzt hat er niemanden mehr fragen müssen: „Darf ich das filmen?“ Er ist sein eigener Chef, Produzent, Regisseur und Hauptdarsteller gewesen. Er hat sogar angefangen, die Musik für seine Filme selbst zu komponieren. In seinem eigenen Studio hat sein Perfektionismus keine Grenzen gehabt. Wenn er eine Idee gehabt hat, hat er das Set umgebaut oder die Arbeit für Wochen gestoppt, bis alles perfekt gewesen ist. Er hat dort hunderte Kilometer Filmrollen verbraucht, um die beste Szene zu finden.
In dieser Zeit hat er seinen ersten wirklich langen Film (einen Spielfilm) gemacht: „The Kid“ (Der Landstreicher und das Kind). Die Geschichte ist sehr persönlich gewesen. Ein armer Landstreicher findet ein verlassenes Baby und zieht es groß. Charlie hat viel von seiner eigenen Kindheit in London in diesen Film gesteckt. Er hat gezeigt, wie man gleichzeitig lachen und weinen kann. Der Film ist ein gigantischer Erfolg gewesen. Die Menschen haben im Kino gelacht, aber am Ende haben sie ihre Taschentücher gebraucht. Charlie hat bewiesen, dass er ein Meister der Emotionen ist.
Durch United Artists ist Charlie Chaplin nicht nur ein Künstler, sondern auch ein sehr kluger Geschäftsmann geworden. Er hat die Rechte an all seinen Filmen behalten. Das ist für diese Zeit sehr ungewöhnlich gewesen. Er hat gewusst, dass seine Filme zeitlos sind. Er hat Millionen von Dollar verdient, aber er ist trotzdem oft in sein Studio gegangen und hat allein an neuen Gags gearbeitet. Er hat die totale Kontrolle über sein Image gehabt. Der kleine Landstreicher aus der Garderobe von Keystone ist nun der mächtigste Mann in der Filmwelt gewesen.
Im Jahr 1925 hat Charlie Chaplin einen seiner größten Filme veröffentlicht: „The Gold Rush“ (Goldrausch). Die Idee ist ihm gekommen, als er ein Foto von Goldsuchern in Alaska gesehen hat. Er hat gedacht: „Einsamkeit und Kälte können auch lustig sein.“ Er hat eine riesige Crew mit in die Berge genommen. Er hat dort eine ganze Stadt aus Holz im Schnee gebaut. Es ist eine sehr teure Produktion gewesen, aber Charlie hat keine Angst vor dem Risiko gehabt.
In diesem Film gibt es eine Szene, die heute jeder kennt. Der kleine Landstreicher hat großen Hunger, weil er im Schnee feststeckt. Er hat kein Essen mehr, also hat er seinen eigenen Schuh gekocht. Er hat den Schuh mit Messer und Gabel gegessen, als ob es ein teures Steak ist. Er hat die Schnürsenkel wie Spaghetti gegessen! Das ist genial gewesen, weil die Szene traurig und lustig gleichzeitig gewesen ist. Wusstest du das? Der Schuh ist in Wirklichkeit aus Lakritz gewesen. Charlie hat diese Szene so oft gedreht, dass er danach Bauchschmerzen gehabt hat!
Ein anderer magischer Moment ist der „Brötchentanz“ gewesen. Charlie hat zwei Brötchen auf Gabeln gesteckt und hat sie wie kleine Füße auf dem Tisch tanzen lassen. Er hat keine Worte gebraucht, um die Freude und die Fantasie von seinem Charakter zu zeigen. Die Menschen im Kino sind begeistert gewesen. In Berlin haben die Leute im Kino so laut geklatscht, dass der Filmvorführer den Film noch einmal von vorne gestartet hat. Das hat es vorher noch nie gegeben!
„Goldrausch“ ist ein Meilenstein gewesen. Charlie hat später gesagt: „Das ist der Film, für den ich in Erinnerung bleiben möchte.“ Er hat bewiesen, dass er ein absoluter Perfektionist ist. Er hat Monate lang an dem Schnitt gearbeitet. Er hat die Musik selbst komponiert und hat jedes Detail kontrolliert. Der Film hat Millionen von Dollar verdient und hat Charlie noch berühmter gemacht. Er ist nun der unangefochtene König der Komödie gewesen. Aber am Horizont ist eine neue Technik gekommen, die alles verändert hat: der Tonfilm.
Ende der 1920er Jahre ist in Hollywood ein Wunder passiert: Die Filme haben plötzlich eine Stimme bekommen! Der erste Tonfilm ist ein riesiger Erfolg gewesen. Alle Studios haben sofort aufgehört, sesslose Filme zu machen. Die Regisseure haben zu Charlie gesagt: „Du musst auch sprechen! Die Menschen wollen deine Stimme hören.“ Aber Charlie ist sehr skeptisch gewesen. Er hat gewusst: Der kleine Landstreicher (Şarlo) ist eine Figur für die ganze Welt. Wenn er Englisch spricht, verstehen ihn die Menschen in China, Italien oder in der Türkei vielleicht nicht mehr.
Charlie hat eine mutige Entscheidung getroffen. Er hat im Jahr 1931 den Film „City Lights“ (Lichter der Großstadt) gemacht – und er ist fast komplett stumm geblieben! Er hat nur Musik und Soundeffekte benutzt. Seine Freunde haben gedacht: „Das ist das Ende von seiner Karriere. Niemand möchte im Jahr 1931 einen stummen Film sehen.“ Aber Charlie hat Recht gehabt. Er hat Jahre lang an diesem Film gearbeitet. Er hat die Geschichte über einen armen Landstreicher und ein blindes Blumenmädchen erzählt. Die Menschen haben den Film geliebt. Die letzte Szene vom Film ist so emotional gewesen, dass sogar Albert Einstein bei der Premiere geweint hat.
Ein paar Jahre später, im Jahr 1936, hat er „Modern Times“ (Moderne Zeiten) produziert. In diesem Film hat er die moderne Welt kritisiert. Er hat gezeigt, wie die Menschen in Fabriken wie Maschinen arbeiten müssen. Es ist ein sehr politischer und lustiger Film gewesen. Wieder hat er fast nicht gesprochen. Aber es hat einen besonderen Moment gegeben: Charlie hat in einem Restaurant ein Lied gesungen. Aber er hat keinen echten Text gesungen, sondern nur Fantasie-Wörter (Kauderwelsch). Das Publikum hat seine Stimme zum ersten Mal gehört, aber sie haben kein Wort verstanden. Das ist seine Antwort an Hollywood gewesen: „Ich benutze meine Stimme, aber ich brauche keine Sprache.“
„Modern Times“ ist der letzte Film gewesen, in dem wir den klassischen Landstreicher mit dem Spazierstock gesehen haben. Charlie hat gefühlt, dass sich die Welt verändert. In Europa ist die Situation sehr gefährlich geworden. Diktatoren haben die Macht übernommen. Charlie hat gewusst, dass er jetzt nicht mehr nur lustig sein kann. Er hat verstanden, dass er seine Berühmtheit benutzen muss, um eine Nachricht an die Welt zu schicken. Er hat angefangen, über seinen ersten richtigen Tonfilm nachzudenken – und dieses Mal hat er etwas sehr Wichtiges zu sagen gehabt.
Im Jahr 1937 hat Charlie Chaplin mit der Arbeit an einem neuen Projekt begonnen. Er hat beschlossen: „Ich mache jetzt einen Tonfilm. Ich werde sprechen, weil die Welt eine Nachricht braucht.“ Er hat die Rolle von zwei Personen gespielt: Ein kleiner jüdischer Friseur und ein böser Diktator namens Adenoid Hynkel. Hynkel ist eine Parodie auf Adolf Hitler gewesen. Charlie hat viel Geld von seinem eigenen Vermögen in den Film gesteckt. Viele Leute haben zu ihm gesagt: „Das ist zu gefährlich! Du darfst dich nicht über Hitler lustig machen.“ Aber Charlie hat geantwortet: „Man muss über Tyrannen lachen, damit sie ihre Macht verlieren.“
Der Film „Der Große Diktator“ ist im Jahr 1940 in die Kinos gekommen. Zu dieser Zeit hat der Zweite Weltkrieg in Europa schon begonnen. Eine der berühmtesten Szenen im Film zeigt den Diktator Hynkel mit einem riesigen Luftballon. Dieser Ballon ist eine Weltkugel gewesen. Hynkel hat mit der Weltkugel getanzt und hat sie in die Luft geworfen. Es ist eine geniale Szene gewesen, weil sie gezeigt hat, wie verrückt und egoistisch dieser Mann gewesen ist. Charlie hat bewiesen, dass Humor eine sehr starke Waffe gegen Gewalt sein kann.
Aber das Wichtigste an diesem Film ist das Ende gewesen. Zum ersten Mal hat die ganze Welt die echte Stimme von Charlie Chaplin gehört. Er hat eine Rede für den Frieden gehalten. Diese Rede hat über sechs Minuten gedauert. Er hat direkt in die Kamera geschaut und hat gesagt: „Wir wollen einander helfen. Wir wollen nicht hassen.“ Er hat über Freiheit, Demokratie und Menschlichkeit gesprochen. Die Menschen in den Kinos sind schockiert und bewegt gewesen. In vielen Ländern ist der Film sofort verboten worden, aber Millionen von Menschen haben ihn heimlich gesehen.
Nach diesem Film ist das Leben für Charlie in Amerika schwieriger geworden. Die Politiker haben gedacht, dass er zu politisch ist. Sie haben ihn gefragt: „Warum hast du diesen Film gemacht? Bist du ein Kommunist?“ Charlie ist traurig gewesen, weil er nur ein Künstler gewesen ist, der den Frieden geliebt hat. Er hat seine Freiheit als Filmemacher benutzt, um die Wahrheit zu sagen. Er hat gewusst, dass der „Tramp“ (Şarlo) jetzt erwachsen geworden ist. Der kleine Mann mit dem Spazierstock ist nun ein Kämpfer für die Gerechtigkeit gewesen. Aber die Schatten über seinem Leben in den USA sind immer dunkler geworden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg ist die Stimmung in den USA sehr nervös gewesen. Viele Politiker haben Angst vor neuen politischen Ideen gehabt. Sie haben Charlie Chaplin beobachtet und haben gesagt: „Er ist kein echter Amerikaner. Er hat zu viele kritische Meinungen.“ Charlie ist nie ein amerikanischer Staatsbürger geworden; er ist immer Brite geblieben. Das hat die Behörden misstrauisch gemacht. Das FBI hat eine dicke Akte über ihn geschrieben und hat ihn einen „gefährlichen Mann“ genannt.
Im Jahr 1952 ist Charlie mit seiner Frau Oona und seinen Kindern auf einem Schiff nach London gefahren. Er hat dort die Premiere von seinem neuen Film „Rampenlicht“ (Limelight) feiern wollen. Während er auf dem Atlantik gewesen ist, hat er eine schreckliche Nachricht bekommen: Die amerikanische Regierung hat sein Visum gelöscht. Sie haben gesagt: „Du darfst nicht mehr zurückkommen.“ Charlie ist schockiert und traurig gewesen. Er hat fast 40 Jahre in Hollywood gelebt und gearbeitet, aber jetzt hat er kein Zuhause mehr gehabt.
Aber Charlie hat nicht aufgegeben. Er hat nach einem friedlichen Ort für seine große Familie gesucht. Er hat ein wunderschönes Haus in der Schweiz gefunden: das „Manoir de Ban“ in der Nähe vom Genfer See. Dort hat er endlich Ruhe gehabt. Er hat in seinem großen Garten spazieren gehen können, ohne dass ihn Reporter gestört haben. Er hat dort noch viele Jahre gelebt und hat seine Memoiren geschrieben. Er hat acht Kinder mit seiner Frau Oona gehabt und ist ein sehr glücklicher Vater gewesen.
In der Schweiz hat er sich sicher gefühlt. Er hat dort kleine Filme gemacht und Musik komponiert. Die Menschen in Europa haben ihn mit viel Respekt behandelt. Aber Hollywood hat er sehr vermisst. Er hat oft an sein altes Studio und an seine Freunde in Amerika gedacht. Es hat 20 Jahre gedauert, bis die Amerikaner verstanden haben, dass sie einen Fehler gemacht haben. Charlie ist in der Schweiz ein alter, weiser Mann geworden, aber sein Herz ist immer ein Teil der Filmwelt geblieben.
Im Jahr 1972 ist etwas Wunderbares passiert. Die Filmwelt in Amerika hat verstanden: „Wir haben einen Fehler gemacht. Charlie Chaplin ist ein Genie.“ Sie haben ihn zurück nach Hollywood eingeladen. Charlie ist jetzt 83 Jahre alt gewesen und hat im Rollstuhl gesessen. Er hat Angst vor dieser Reise gehabt, aber er ist trotzdem geflogen. Als er bei der Oscar-Verleihung auf die Bühne gekommen ist, ist etwas Historisches passiert: Das Publikum ist aufgestanden und hat zwölf Minuten lang geklatscht. Das ist der längste Applaus in der Geschichte der Oscars gewesen.
Charlie ist sehr bewegt gewesen. Er hat Tränen in den Augen gehabt und hat nur leise gesagt: „Danke. Ihr seid wunderbare Menschen.“ In diesem Moment hat er seinen Frieden mit Amerika gemacht. Er hat gewusst, dass die Menschen ihn und seinen kleinen Landstreicher (Şarlo) niemals vergessen haben. Ein paar Jahre später hat die Königin von England ihn zum Ritter geschlagen. Ab diesem Moment hat er „Sir Charles Chaplin“ geheißen. Das ist eine große Ehre für den Jungen aus den armen Straßen von London gewesen.
Am 25. Dezember 1977, am Weihnachtsmorgen, ist Charlie Chaplin friedlich in seinem Haus in der Schweiz gestorben. Er ist 88 Jahre alt geworden. Die ganze Welt hat getrauert. Das Fernsehen hat überall seine Filme gezeigt. Man hat ihn in der Nähe von seinem Haus am Genfer See begraben. Aber seine Geschichte ist dort nicht zu Ende gewesen. Sein Erbe lebt in jedem Komiker und in jedem Film weiter. Er hat uns gezeigt, dass ein Lächeln die stärkste Sprache der Welt ist.
Charlie Chaplin ist mehr als nur ein Schauspieler gewesen. Er ist ein Symbol für die Menschlichkeit gewesen. Er hat bewiesen, dass man aus dem Dreck kommen und die Sterne berühren kann. Er hat einmal gesagt: „Ein Tag ohne Lachen ist ein verlorener Tag.“ Er hat Millionen von Tagen gerettet, weil er uns auch in dunklen Zeiten zum Lachen gebracht hat. Sein Hut, sein Stock und seine großen Schuhe sind für immer ein Teil von unserer Kultur. Die Legende von Şarlo wird niemals sterben.
