Das Leben von Avicenna
HÖREN

Avicenna, der mit seinem richtigen Namen Abū Alī al-Husain ibn Abdullāh ibn Sīnā geheißen hat, ist im Jahr 980 in Afschana geboren. Das ist ein kleines Dorf in der Nähe von Buchara, im heutigen Usbekistan. Sein Vater ist ein hoher Beamter gewesen und hat viel Wert auf eine gute Ausbildung gelegt. Deshalb ist die Familie bald nach Buchara umgezogen, weil die Stadt damals ein großes Zentrum für Wissenschaft und Kultur gewesen ist.
Avicenna ist ein echtes Wunderkind gewesen. Er hat ein unglaubliches Gedächtnis gehabt. Bereits im Alter von zehn Jahren hat er den gesamten Koran auswendig gelernt. Das ist eine sehr schwierige Aufgabe gewesen, aber für den jungen Avicenna ist es erst der Anfang gewesen. Er hat nicht nur religiöse Texte studiert, sondern hat sich auch sehr für Literatur, Logik und Mathematik interessiert. Er hat so schnell gelernt, dass er bald mehr gewusst hat als seine Lehrer.
In seiner Jugend hat er indische Mathematik und griechische Philosophie gelernt. Ein privater Lehrer hat ihm die Grundlagen beigebracht, aber Avicenna hat die komplizierten Probleme meistens allein gelöst. Er hat oft die ganze Nacht gelesen und nur wenig geschlafen. Wenn er ein Problem nicht verstanden hat, ist er in die Moschee gegangen und hat gebetet, bis er die Lösung gefunden hat. Mit 14 Jahren hat er bereits die Logik und die Geometrie von Euklid komplett verstanden. Mit 16 Jahren hat er sich dann für die Medizin interessiert. Er hat später gesagt: „Die Medizin ist keine schwierige Wissenschaft wie die Mathematik.“ Er hat sehr schnell gelernt, wie man Krankheiten erkennt und wie man Patienten mit Pflanzen und Kräutern heilt. Mit nur 18 Jahren ist er bereits ein berühmter Arzt in der ganzen Region gewesen.
Als Avicenna siebzehn Jahre alt gewesen ist, ist etwas sehr Wichtiges passiert. Der Emir von Buchara, Nuh bin Mansur, ist schwer krank geworden. Die besten Ärzte aus dem ganzen Land sind zum Palast gekommen, aber niemand hat den Herrscher heilen können. Der Ruf von dem jungen Avicenna ist jedoch schon sehr gut gewesen. Deshalb hat man ihn in den Palast gerufen. Avicenna hat den Emir untersucht und hat die richtige Medizin für ihn gefunden. Nach kurzer Zeit ist der Emir wieder gesund gewesen.
Der Emir ist sehr glücklich gewesen und hat Avicenna gefragt: „Was möchtest du als Belohnung haben? Möchtest du Gold oder Edelsteine?“ Aber Avicenna hat kein Geld gewollt. Er hat nur einen Wunsch gehabt: Er hat freien Zugang zu der königlichen Bibliothek des Emirs gewollt. Diese Bibliothek ist eine der größten und besten Bibliotheken der Welt gewesen. Sie hat viele Räume gehabt, und in jedem Raum hat es Bücher über ein anderes Thema gegeben, zum Beispiel über Astronomie, Musik, Poesie oder Philosophie.
Avicenna hat dort sehr viel Zeit verbracht. Er hat fast jedes Buch in der Bibliothek gelesen. Er hat später in seiner Biografie geschrieben, dass er dort Wissen gefunden hat, das andere Menschen niemals gesehen haben. Er hat die alten griechischen Texte studiert und hat alles in seinem Kopf gespeichert. Diese Zeit in der Bibliothek ist die wichtigste Phase für seine Bildung gewesen. Mit achtzehn Jahren hat er gesagt, dass er mit dem Lernen fertig ist. Er hat gemeint, dass er jetzt genug Wissen gesammelt hat und nun anfangen muss, seine eigenen Bücher zu schreiben. Er ist nicht mehr nur ein Schüler gewesen, sondern er ist ein Meister der Wissenschaft geworden. Sein Erfolg als Arzt hat ihm die Tür zur Welt der Weisheit geöffnet.
In dieser Zeit hat Avicenna angefangen, sich sehr intensiv für die Philosophie zu interessieren. Er hat nicht nur die Medizin studiert, sondern er hat auch nach den großen Fragen des Lebens gesucht. Er hat besonders die Werke des griechischen Philosophen Aristoteles gelesen. Das wichtigste Buch für ihn ist die „Metaphysik“ gewesen. Aber es hat ein großes Problem gegeben: Avicenna hat das Buch absolut nicht verstanden.
Er hat später erzählt, dass er dieses Buch vierzigmal gelesen hat. Er hat den Text fast auswendig gekannt, aber der tiefe Sinn ist für ihn ein Geheimnis geblieben. Er ist sehr traurig und verzweifelt gewesen, weil er geglaubt hat, dass er nicht klug genug für die Metaphysik ist. Eines Tages ist er auf den Markt von Buchara gegangen. Ein Verkäufer hat ihm dort ein kleines, billiges Buch für nur drei Dirham verkauft. Dieses Buch ist ein Kommentar von dem berühmten Gelehrten Al-Farabi gewesen.
Avicenna ist nach Hause gelaufen und hat das Buch sofort gelesen. Plötzlich hat er alles verstanden! Die Erklärungen von Al-Farabi haben ihm geholfen, die schwierigen Ideen von Aristoteles zu begreifen. Avicenna ist so glücklich gewesen, dass er Gott gedankt hat. Er hat viel Geld an arme Menschen geschenkt, weil er so froh über sein neues Wissen gewesen ist. Er hat verstanden, dass Logik und Vernunft der Weg zu Gott sind. Nach diesem Erlebnis hat er angefangen, seine eigene Philosophie zu entwickeln. Er hat geglaubt, dass die Seele des Menschen unsterblich ist und dass man die Welt durch die Wissenschaft erklären kann. Er ist nun bereit gewesen, selbst ein großer Lehrer für die ganze Welt zu werden.
Avicenna hat sein ganzes Wissen über den menschlichen Körper in einem monumentalen Werk gesammelt. Dieses Buch hat den Titel „Al-Qanun fi al-Tibb“ gehabt, was auf Deutsch „Der Kanon der Medizin“ bedeutet. Er hat viele Jahre an diesem Buch geschrieben. Er hat darin das medizinische Wissen der alten Griechen, der Römer und der Perser mit seinen eigenen Entdeckungen kombiniert. Es ist nicht nur ein einfaches Buch gewesen, sondern eine riesige Enzyklopädie mit fünf großen Teilen.
In diesem Werk hat Avicenna über fast alles geschrieben, was mit Gesundheit zu tun hat. Er hat erklärt, wie man Krankheiten durch das Blut oder den Urin erkennt. Er hat auch als einer der ersten Wissenschaftler verstanden, dass Krankheiten durch winzige Teilchen im Wasser oder in der Luft übertragen werden können. Das ist eine sehr moderne Idee gewesen! Er hat auch über die Chirurgie, die Anatomie des Auges und über hunderte von verschiedenen Medikamenten aus Pflanzen und Mineralien geschrieben.
Der Erfolg von diesem Buch ist unglaublich gewesen. Man hat den „Kanon“ in viele Sprachen übersetzt, zum Beispiel ins Lateinische. In Europa hat man Avicenna einfach „den König der Ärzte“ genannt. Über 600 Jahre lang ist sein Buch das wichtigste Lehrbuch an den Universitäten in Montpellier, Paris und Löwen gewesen. Wenn ein Student im Mittelalter Arzt werden wollte, hat er zuerst Avicennas Texte lesen müssen. Er hat die Medizin systematisch und logisch gemacht. Viele Menschen auf der ganzen Welt haben ihr Leben seiner Arbeit zu verdanken, weil er gezeigt hat, wie man Patienten mit System und Verstand heilt.
Avicenna hat ein weiteres monumentales Werk geschrieben, das den Titel „Kitab ash-Shifa“ trägt. Auf Deutsch bedeutet das „Das Buch der Heilung“. Aber dieses Buch ist kein Buch über Medizin gewesen, wie viele Leute am Anfang geglaubt haben. Avicenna hat gedacht, dass nicht nur der Körper krank sein kann, sondern auch die Seele. Er hat geglaubt, dass Unwissenheit eine Krankheit ist und dass die Philosophie die Medizin für die menschliche Seele ist. Deshalb hat er diese riesige Enzyklopädie geschrieben, um den Geist der Menschen zu „heilen“.
Dieses Werk ist unglaublich lang und detailliert gewesen. Avicenna hat darin fast alle Wissenschaften seiner Zeit zusammengefasst. Er hat über Logik geschrieben, weil er gedacht hat, dass man ohne Logik nicht richtig denken kann. Er hat über Mathematik, Geometrie und Astronomie geschrieben. Er hat sogar über Musik geschrieben, weil er Musik als eine mathematische Wissenschaft betrachtet hat. In dem Teil über die Physik hat er über die Natur, die Steine und die Wolken nachgedacht. Er hat erklärt, wie Berge entstehen und wie der Regen fällt.
Ein sehr wichtiger Teil von diesem Buch ist die Metaphysik gewesen. Avicenna hat dort über Gott und die Existenz der Welt geschrieben. Er hat versucht, die Religion und die Vernunft miteinander zu verbinden. Er hat bewiesen, dass die Welt eine logische Ordnung hat, weil Gott sie so erschaffen hat. Er hat die Seele des Menschen wie einen Spiegel beschrieben: Wenn der Mensch lernt und philosophiert, wird der Spiegel sauber und man kann die Wahrheit sehen.
Dieses Buch hat einen riesigen Einfluss auf die Welt gehabt. Viele große Denker in Europa, wie zum Beispiel Thomas von Aquin, haben Avicennas Texte gelesen und studiert. Er hat gezeigt, dass ein Wissenschaftler gleichzeitig gläubig und logisch sein kann. Für Avicenna ist das „Buch der Heilung“ sein wichtigstes philosophisches Erbe gewesen, weil er damit eine Brücke zwischen dem Orient und dem Okzident gebaut hat. Er hat fast sein ganzes Leben an diesen Texten gearbeitet, oft sogar nachts oder auf langen Reisen, damit das Wissen für immer bleibt.
Das Leben von Avicenna ist nicht immer ruhig und sicher gewesen. Als er ungefähr zwanzig Jahre alt gewesen ist, hat sich seine Welt komplett verändert. Sein Vater ist gestorben und die politische Situation in Buchara ist sehr gefährlich geworden. Die Samaniden-Dynastie hat ihre Macht verloren. Deshalb hat Avicenna seine Heimat verlassen müssen. Er hat seine Bücher gepackt und ist nach Choresm gereist. Dort hat er zuerst in Ruhe arbeiten können, aber das Glück ist nicht lange geblieben.
Der mächtige Sultan Mahmud von Ghazni hat gewollt, dass alle berühmten Gelehrten an seinen Hof kommen. Aber Avicenna hat seine Freiheit geliebt und hat nicht für diesen Sultan arbeiten wollen. Er hat Angst gehabt, dass der Sultan ihn einsperrt oder kontrolliert. Deshalb ist Avicenna mitten in der Nacht geflohen. Er ist durch die Wüste gereist, was sehr gefährlich gewesen ist. Er hat fast kein Wasser gehabt und hat fast sein Leben verloren. Aber er ist ein starker Mann gewesen und hat schließlich die Stadt Gorgan erreicht.
In den nächsten Jahren ist er von einer Stadt zur anderen gewandert. Er ist in Rey, Hamadan und Isfahan gewesen. Sein Leben ist wie ein Abenteuerfilm gewesen. Er hat oft keinen festen Wohnsitz gehabt. Manchmal ist er ein sehr wichtiger Berater für einen Prinzen gewesen, aber manchmal hat er sich auch verstecken müssen. Trotz dieser ständigen Reisen und Gefahren hat er niemals aufgehört zu schreiben. Er hat seine Manuskripte oft auf dem Rücken von Pferden oder in kleinen Gasthäusern verfasst.
Er hat später gesagt, dass die Bewegung seinem Geist geholfen hat. Er hat viele verschiedene Menschen und Krankheiten in verschiedenen Städten gesehen. Das hat sein Wissen noch größer gemacht. Obwohl er oft müde von den langen Wegen gewesen ist, hat er seinen Optimismus behalten. Er hat die ganze Welt als sein Zuhause betrachtet. Diese schwierigen Jahre haben gezeigt, dass Avicenna nicht nur ein Genie im Kopf, sondern auch ein sehr mutiger Kämpfer im echten Leben gewesen ist.
Avicenna hat sich nicht nur für den menschlichen Körper interessiert, sondern er hat auch oft in den Nachthimmel geschaut. Er ist ein sehr bedeutender Astronom gewesen. In der Stadt Isfahan hat er sogar geholfen, ein großes Observatorium zu bauen. Er hat dort die Sterne beobachtet und hat festgestellt, dass die alten Tabellen über die Planeten viele Fehler gehabt haben. Er hat neue, präzisere Instrumente erfunden, um die Position der Sterne besser zu messen. Er hat sogar behauptet, dass die Venus näher an der Erde ist als die Sonne.
Aber Avicenna hat auch eine sehr starke Meinung über ein anderes Thema gehabt: die Alchemie. Zu seiner Zeit haben viele Leute geglaubt, dass man billige Metalle, wie zum Beispiel Blei, in teures Gold verwandeln kann. Diese Leute hat man Alchemisten genannt. Viele Könige haben viel Geld für diese Experimente ausgegeben. Aber Avicenna hat als echter Wissenschaftler nicht an diese Magie geglaubt. Er hat gesagt, dass jedes Metall seine eigene Natur hat. Er hat ein berühmtes Buch darüber geschrieben und hat erklärt, dass man die innere Struktur von Metallen nicht einfach verändern kann.
Er hat die Alchemisten scharf kritisiert, weil er gedacht hat, dass sie die Menschen belügen. Er hat geglaubt, dass Wissenschaft auf Logik und Beobachtung basieren muss, nicht auf Träumen oder Zauberei. Für Avicenna ist die Chemie eine reale Wissenschaft gewesen, aber die Alchemie ist für ihn nur ein Betrug gewesen. Mit dieser Meinung hat er viele Feinde unter den Alchemisten gehabt, aber er ist stolz geblieben. Er hat gezeigt, dass ein kluger Kopf immer kritisch bleiben muss. Er hat die Astronomie und die Chemie sauberer und moderner gemacht, weil er nur Fakten akzeptiert hat.
Avicenna ist nicht nur ein Gelehrter gewesen, sondern er hat auch eine sehr wichtige politische Rolle gespielt. In der Stadt Hamadan hat er für den Emir Schams ad-Daula gearbeitet. Weil Avicenna so klug und organisiert gewesen ist, hat der Emir ihn zum Wesir gemacht. Das ist ein Amt wie ein Premierminister. Als Wesir hat Avicenna viel Macht gehabt, aber er hat auch viele Probleme bekommen. Die Soldaten im Palast haben ihn nicht gemocht, weil er sehr streng gewesen ist. Einmal haben die Soldaten sogar sein Haus angegriffen und er hat sich verstecken müssen.
Nach dem Tod des Emirs ist die Situation für Avicenna noch schlimmer geworden. Er hat heimlich Briefe an den Herrscher von Isfahan geschrieben, weil er Hamadan verlassen wollte. Seine Feinde haben diese Briefe gefunden und haben ihn des Verrats beschuldigt. Deshalb hat man Avicenna verhaftet und in eine dunkle Festung gesperrt. Er ist vier Monate lang im Gefängnis gewesen. Viele Menschen hätten in dieser Situation aufgegeben, aber Avicenna hat seine Zeit im Gefängnis sinnvoll genutzt.
Er hat im Gefängnis einfach weitergearbeitet! Ohne seine große Bibliothek und ohne Hilfe hat er wichtige Bücher geschrieben, wie zum Beispiel die Erzählung „Hayy ibn Yaqzan“. Das ist eine philosophische Geschichte über einen Mann, der allein auf einer Insel lebt und die Wahrheit durch seinen Verstand findet. Avicenna hat damit gezeigt, dass sein Geist frei ist, auch wenn sein Körper hinter Gittern ist. Schließlich ist es ihm gelungen, aus dem Gefängnis zu fliehen. Er hat sich als Sufi-Mönch verkleidet und ist heimlich aus der Stadt gewandert. Er ist nach Isfahan gereist, wo er endlich wieder in Sicherheit leben und forschen konnte. Diese Zeit hat seinen Charakter gestärkt und bewiesen, dass er niemals aufhört zu denken.
In seinen späteren Jahren ist Avicenna eine legendäre Figur im ganzen Orient gewesen. Die Menschen haben ihn voller Respekt „Scheich al-Rais“ genannt, was auf Deutsch „der oberste Meister“ oder „das Haupt der Gelehrten“ bedeutet. Überall, wo er hingegangen ist, haben ihn junge Menschen gesucht, weil sie von ihm lernen wollten. Avicenna hat nicht nur Bücher geschrieben, sondern er ist auch ein leidenschaftlicher Lehrer gewesen. Sein Haus in Isfahan ist fast wie eine kleine Universität gewesen, in der man Tag und Nacht über Medizin, Logik und Philosophie diskutiert hat.
Sein Tagesablauf ist sehr diszipliniert und beeindruckend gewesen. Oft hat er den ganzen Tag als Arzt gearbeitet oder politische Probleme gelöst. Aber wenn es Abend geworden ist, haben seine Schüler sich um ihn versammelt. Manchmal haben sie bis tief in die Nacht gelesen und debattiert. Ein sehr berühmter Schüler von ihm ist al-Dschuzdschani gewesen. Er ist nicht nur sein Student, sondern auch sein bester Freund und Sekretär gewesen. Al-Dschuzdschani hat Avicenna über 25 Jahre lang begleitet. Ohne diesen treuen Schüler hätten wir heute viele Informationen über Avicennas Leben nicht, denn er hat später die Biografie seines Meisters fertiggestellt.
Avicenna ist als Lehrer sehr direkt und manchmal auch streng gewesen, aber er hat seine Schüler immer motiviert, selbst nachzudenken. Er hat ihnen gesagt, dass man Wissen nicht einfach auswendig lernen darf, sondern man muss es mit der Vernunft prüfen. Wenn ein Schüler eine kluge Frage gestellt hat, hat Avicenna sich sehr gefreut. Er hat oft schwierige medizinische Fälle mit seinen Studenten geteilt, damit sie direkt am Patienten lernen konnten. Er hat geglaubt, dass man nur durch die Praxis ein guter Arzt werden kann.
Trotz seines Ruhmes hat Avicenna nie aufgehört, selbst ein Schüler zu sein. Er hat oft gesagt, dass das Wissen der Welt unendlich ist. Er hat seine Schüler gelehrt, dass ein Wissenschaftler niemals arrogant sein darf. Er hat ihnen gezeigt, wie man hunderte von Seiten Text ohne Pause schreibt und dabei präzise bleibt. Durch seine Schule hat er eine neue Generation von Denkern vorbereitet, die seine Ideen später nach Europa und in den Rest der Welt getragen haben. Er hat nicht nur Wissen hinterlassen, sondern auch eine Methode, wie man die Welt mit Logik und Liebe zur Wahrheit sieht. Sein Einfluss auf seine Schüler ist so groß gewesen, dass sein Name bis heute in der Wissenschaft als Symbol für höchste Qualität steht.
Im Jahr 1037 ist das lange und bewegte Leben von Avicenna zu Ende gegangen. Er ist zu dieser Zeit mit dem Emir von Isfahan auf einer Reise nach Hamadan gewesen. Obwohl er ein weltberühmter Arzt gewesen ist, hat er seine eigene Gesundheit oft vernachlässigt, weil er zu viel gearbeitet hat. Er hat unter einer schweren Krankheit gelitten, die man heute Kolik nennt. Das ist eine sehr schmerzhafte Entzündung im Darm gewesen. Er hat versucht, sich selbst mit speziellen Medikamenten zu heilen, aber sein Körper ist nach den vielen Jahren voller Stress, Flucht und harter Arbeit sehr schwach gewesen.
Als er gemerkt hat, dass sein Ende nah ist, hat er sich ganz anders verhalten als früher. Er hat nicht mehr nach neuen medizinischen Lösungen gesucht. Er hat sein gesamtes Geld an arme Menschen verschenkt und hat alle seine Sklaven frei gelassen. Er hat die letzten Tage seines Lebens damit verbracht, den Koran zu lesen und zu beten. Er hat Frieden mit sich selbst und mit der Welt geschlossen. Im Alter von nur 57 Jahren ist er schließlich in Hamadan gestorben. Man hat ihn dort in einem schönen Grab beigesetzt, das man noch heute besuchen kann.
Das Erbe von Avicenna ist jedoch niemals gestorben. Er hat über 200 Bücher geschrieben, die die Welt verändert haben. Seine Ideen sind durch Reisende und Übersetzer nach Europa gekommen. Dort haben die Menschen seine Texte wie heilige Schriften der Wissenschaft studiert. Er hat die Brücke zwischen der antiken griechischen Philosophie und der modernen Wissenschaft gebaut. Ohne seine Arbeit über die Anatomie, die Infektionen und die Logik wäre die moderne Medizin heute nicht so weit.
Avicenna hat gezeigt, dass ein einzelner Mensch durch Neugier und Disziplin die ganze Menschheit beeinflussen kann. In vielen Städten auf der Welt gibt es heute Krankenhäuser, Universitäten und Statuen, die seinen Namen tragen. Er ist nicht nur ein Held des Orients, sondern ein Genie für die ganze Welt gewesen. Sein Name „Avicenna“ steht bis heute für die Verbindung von Verstand, Seele und Heilung. Er hat bewiesen, dass wahres Wissen niemals stirbt, sondern von Generation zu Generation weiterlebt.
