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Deutsche Feste und Bräuche: Traditionen durch das Jahr (A1-A2)

NEWHÖREN

Am 31. Dezember feiern die Menschen in Deutschland den letzten Tag des Jahres. Dieser Tag heißt Silvester. Viele Leute laden Freunde oder die Familie nach Hause ein. Sie kochen zusammen, hören Musik und sprechen über das vergangene Jahr. Ein sehr beliebtes Essen an diesem Abend ist Fondue oder Raclette. Bei diesem Essen sitzt man sehr lange und gemütlich zusammen am Tisch. Jeder kann sein eigenes Essen in kleinen Pfännchen oder in einem heißen Topf zubereiten.

Am Silvesterabend gibt es auch viele kleine Bräuche und lustige Spiele. Ein bekannter Brauch ist das Wachsgießen. Man schmilzt ein kleines Stück Wachs über einer Kerze und gießt es schnell in eine Schale mit kaltem Wasser. Das Wachs wird sofort hart und bekommt eine interessante Form. Danach schauen alle auf die Figur und raten neugierig: Was bedeutet diese Form für das neue Jahr? Bedeutet ein Herz viel Glück in der Liebe? Oder bedeutet ein Schiff eine spannende Reise? Vor Mitternacht wünschen sich die Menschen gegenseitig: „Einen guten Rutsch ins neue Jahr!“ Das bedeutet ganz einfach: Komm gut und sicher im neuen Jahr an!

Um Punkt 24:00 Uhr schlagen die Glocken der Kirchen. Dann beginnt das neue Jahr. Alle stehen auf, stoßen mit einem Glas Sekt oder Orangensaft an und rufen: „Frohes neues Jahr!“ Die Menschen gehen auf die Straße, in den Garten oder auf den Balkon. Am Himmel sieht man überall bunte Raketen und wunderschönes Feuerwerk. Das Feuerwerk ist sehr laut und leuchtet in allen Farben. Früher glaubten die Menschen, dass der laute Lärm die bösen Geister vertreibt. Nach den bunten Feiern gehen die meisten Menschen erst spät in der Nacht ins Bett. Der 1. Januar ist der Neujahrstag und ein gesetzlicher Feiertag. An diesem Tag schlafen fast alle lange aus, frühstücken spät und machen einen ruhigen Neujahrsspaziergang an der frischen Luft.

Nach dem Neujahrsfest wird es im Februar in vielen deutschen Städten plötzlich laut, bunt und fröhlich. Es ist die Zeit von Karneval, Fasching oder der Fastnacht. In vielen Regionen, besonders im Rheinland rund um Köln, Düsseldorf und Mainz, nennen die Menschen diese Tage stolz die „fünfte Jahreszeit“. Für ein paar Tage vergessen die Menschen den stressigen Alltag, tragen lustige Kostüme und feiern gemeinsam auf den Straßen, in Kneipen und in großen Hallen.

In dieser Zeit verkleiden sich fast alle: Kinder und Erwachsene ziehen Kostüme an. Man sieht Piraten, Prinzessinnen, Clowns, Tiere oder Superhelden. Viele bemalen ihr Gesicht mit bunten Farben oder tragen kunstvolle Masken. Ein ganz wichtiger Tag ist die sogenannte „Weiberfastnacht“ am Donnerstag vor dem Wochenende. An diesem Tag übernehmen die Frauen symbolisch die Macht in den Rathäusern. Sie schneiden den Männern mit einer kleinen Schere die Krawatten ab. Als kleine Entschuldigung geben sie dem Mann danach oft ein Wangenküsschen, das man im Rheinland „Bützje“ nennt.

Der absolute Höhepunkt des Karnevals ist der Rosenmontag. An diesem Tag gibt es in vielen großen und kleinen Städten riesige Straßenumzüge. Auf der Straße fahren große, bunt geschmückte Wagen, und Musikkapellen spielen fröhliche Lieder. Tausende Menschen stehen am Straßenrand, tanzen, singen und rufen laute Narrenrufe. In Köln ruft man laut „Kölle Alaaf!“, während man in Düsseldorf und Mainz begeistert „Helau!“ ruft. Von den Wagen werfen die Karnevalisten viele Bonbons, Schokolade und kleine Blumen in die Menge. Die Kinder rufen dabei laut: „Kamelle!“, was im rheinischen Dialekt „Bonbons“ bedeutet, und sammeln fleißig süße Leckereien in ihren Taschen.

Zu Karneval gehört natürlich auch traditionelles Gebäck. Überall in den Bäckereien kauft man jetzt runde, süße Teigbällchen, die in heißem Fett gebacken und mit süßer Erdbeer- oder Pflaumenmarmelade gefüllt sind. Je nach Region heißen sie Krapfen, Berliner oder Pfannkuchen. Mit dem Aschermittwoch ist der ganze Trubel dann schlagartig vorbei: Die Kostüme wandern zurück in den Schrank, und für viele gläubige Menschen beginnt die ruhige Fastenzeit bis zum Osterfest.

Im Frühling, meistens im März oder April, feiern die Menschen in Deutschland ein weiteres sehr wichtiges Fest: Ostern. Mit dem Osterfest feiern die Christen die Auferstehung von Jesus Christus, aber für fast alle Menschen bedeutet Ostern gleichzeitig das Ende des kalten Winters und den bunten Anfang des Frühlings. Überall in den Gärten und Parks blühen die ersten Blumen, die Tage werden länger und die Natur erwacht zu neuem Leben.

Vor dem eigentlichen Osterfest bereiten sich die Familien gemeinsam vor. Eltern basteln mit ihren Kindern bunte Frühlingsdekorationen für das Haus. Ein sehr beliebter Brauch ist das Bemalen von Ostereiern. Man nimmt gekochte oder ausgeblasene Hühnereier und gestaltet sie mit Wasserfarben, Buntstifte oder Aufklebern in allen erdenklichen Farben. Diese bunten Eier hängt man an frische Zweige in eine Vase oder legt sie in ein schönes Osternest aus Moos und Gras. In den Bäckereien kauft man jetzt Gebäck in Form von kleinen Lämmern oder Osterhasen aus feinem Biskuitteig.

Am Karsamstag, dem Abend vor dem Ostersonntag, brennt in vielen Dörfern und Städten ein riesiges Osterfeuer. Die Dorfgemeinschaft trifft sich auf den Feldern, trinkt zusammen heißen Tee oder Bier und schaut dem großen Feuer zu. Dieser Brauch hat eine sehr alte Tradition: Das helle Licht und die Wärme des Feuers sollen die dunklen Geister des Winters endgültig vertreiben.

Der aufregendste Tag für die Kinder ist der Ostersonntag. Nach dem Glauben der Kinder kommt in der Nacht heimlich der Osterhase in den Garten oder in die Wohnung. Er versteckt bunte Ostereier, kleine Spielzeuge und leckere Schokoladenhasen im Gras, hinter Bäumen oder unter dem Sofa. Am Sonntagmorgen laufen die Kinder begeistert mit kleinen Körben durch den Garten und suchen aufmerksam alle Verstecke. Nach der erfolgreichen Eiersuche setzt sich die ganze Familie an einen reich gedeckten Tisch zu einem ausgiebigen Osterfrühstück oder Osterbrunch mit frischen Brötchen, Zopfgebäck und Eiern.

Am 1. Mai gibt es in Deutschland einen gesetzlichen Feiertag, den man als „Tag der Arbeit“ kennt. Gleichzeitig feiern die Menschen an diesem Tag den endgültigen Einzug des warmen Frühlings. Die Feierlichkeiten beginnen oft schon am Abend davor, in der Nacht vom 30. April auf den 1. Mai. Diese besondere Nacht nennt man die Walpurgisnacht oder einfach den „Tanz in den Mai“. In vielen Städten und Dörfern organisieren Vereine große Feste, auf denen die Menschen bis tief in die Nacht tanzen, Musik hören und das warme Wetter begrüßen.

Ein besonders schöner und alter Brauch zu Beginn des Monats Mai ist das Aufstellen des Maibaums. In vielen Orten, besonders in Bayern, Baden-Württemberg und im Rheinland, stellt die Dorfgemeinschaft auf dem zentralen Marktplatz einen sehr hohen, geschälten Baumstamm auf. Dieser Stamm wird mit bunten Bändern, einem grünen Kranz an der Spitze und geschnitzten Holztafeln geschmückt, die die verschiedenen Berufe des Dorfes zeigen. In manchen Regionen gibt es sogar eine lustige Tradition: Die jungen Männer aus den Nachbardörfern versuchen heimlich, den Maibaum in der Nacht zu stehlen. Deshalb muss die Jugend des Dorfes den Baum die ganze Nacht gut bewachen!

Der Maibaum hat aber auch eine romantische Seite. Junge Männer stellen ihrer Freundin oder ihrer großen Liebe in der Nacht zum 1. Mai eine kleine, bunt geschmückte Birke vor das Haus oder an den Balkon. Dieser kleine Baum heißt „Liebesmaibaum“. Daran hängt meist ein rotes Herz aus Papier oder Holz mit dem Namen der Frau.

Der 1. Mai selbst ist ein perfekter Tag für Ausflüge in die Natur. Viele Familien, Freundesgruppen und Wanderer nutzen den freien Tag für lange Spaziergänge oder Fahrradtouren im Wald und am Fluss. Man nimmt Picknickdecken, leckeres Essen und kühle Getränke mit, genießt die frische Mailluft und verbringt den Tag gemeinsam an der frischen Luft.

Im Monat Mai feiern die Menschen in Deutschland zwei ganz besondere Tage, an denen die Familie im Mittelpunkt steht: den Muttertag und den Vatertag. An diesen Tagen bedanken sich Kinder bei ihren Eltern für ihre Liebe, Mühe und Unterstützung im Alltag.

Der Muttertag wird immer am zweiten Sonntag im Mai gefeiert. Schon am frühen Morgen überraschen viele Kinder ihre Mutter mit einem selbst gemachten Frühstück im Bett. Sie decken den Tisch schön mit Blumen, frischen Brötchen und einer Tasse Kaffee. Kleine Kinder basteln in der Schule oder im Kindergarten bunte Karten, malen Bilder oder lernen kurze Gedichte auswendig, um sie der Mutter vorzulesen. Ältere Kinder schenken ihren Müttern meistens schöne Blumensträuße, Pralinen oder kleine Geschenke. Für die Mütter ist dieser Tag eine wunderbare Gelegenheit, sich zu entspannen und die Zeit mit der Familie zu genießen.

An Christi Himmelfahrt, einem Feiertag im Mai, feiert man in Deutschland gleichzeitig den Vatertag. Dieser Tag wird oft auch als „Herrentag“ oder „Männertag“ bezeichnet. Während viele Familien den freien Tag gemeinsam für Ausflüge nutzen, gibt es für viele Väter und Männer eine ganz eigene, traditionelle Aktivität: Sie treffen sich in Gruppen zu einer gemeinsamen Wanderung oder Fahrradtour in der Natur.

Ein typisches Symbol für den Vatertag ist der sogenannte Bollerwagen. Das ist ein kleiner Holzwagen auf vier Rädern, den man mit der Hand zieht. Die Männer schmücken den Wagen oft mit grünen Zweigen, laden Musikboxen, leckeres Essen und viele kühle Getränke ein und ziehen gemeinsam durch Felder und Wälder. Sie machen Pausen an Biergärten oder Grillplätzen, hören fröhliche Musik und verbringen einen lustigen Tag an der frischen Luft.

Am Ende des Sommers gibt es für sechsjährige Kinder in Deutschland einen ganz besonderen und aufregenden Tag: den ersten Schultag. Dieser Tag heißt Einschulung. Das kleine Kind ist ab diesem Tag kein Kindergartenkind mehr, sondern ein echtes Schulkind. Das ist ein großer und wichtiger Schritt im Leben eines Kindes, und deshalb feiert die ganze Familie diesen Tag sehr groß und fröhlich.

Schon viele Wochen vor diesem Tag kaufen die Eltern zusammen mit dem Kind einen bunten Schulranzen. Das ist eine spezielle, stabile Schultasche für die Bücher und Hefte. Aber das wichtigste Symbol für den ersten Schultag ist die sogenannte Schultüte. In manchen Regionen in Deutschland nennt man sie auch „Zuckertüte“. Das ist eine große, spitze Tüte aus Pappe, die fast so groß ist wie das Kind selbst. Sie ist außen sehr bunt gestaltet. Man sieht darauf oft schöne Bilder von Tieren, Autos, Blumen oder Comic-Figuren. Viele Eltern und Kinder basteln die Schultüte sogar zusammen zu Hause.

In der Schultüte finden die Kinder viele tolle Überraschungen. Früher gab es darin meistens nur Süßigkeiten wie Schokolade, Bonbons und Kekse. Heute packen die Eltern auch nützliche Sachen für die Schule hinein: bunte Stifte, Radiergummis, ein Lineal, kleine Bücher oder ein kleines Kuscheltier. Die Schultüte ist am ersten Schultag oben fest zugewunden und bleibt zuerst noch geschlossen. Das Kind darf die Tüte erst nach dem ersten Schulstunde zu Hause auspacken. Das ist natürlich sehr spannend für das kleine Schulkind!

Der Tag der Einschulung beginnt meistens am Morgen in der Grundschule. Alle neuen Schüler, die Eltern, Großeltern und Paten kommen zusammen in die große Turnhalle oder in die Aula der Schule. Die älteren Schulkinder aus der zweiten oder dritten Klasse singen Lieder, spielen kleine Theaterstücke und begrüßen die neuen Kinder herzlich. Danach geht die neue Klasse zusammen mit der Lehrerin oder dem Lehrer zum ersten Mal in das Klassenzimmer. Das Kind sitzt an seinem neuen Schreibtisch und lernt seine Mitschüler kennen. Die Eltern machen draußen auf dem Schulhof viele Fotos von dem Kind mit seinem neuen Schulranzen und der großen Schultüte im Arm.

Nach dem kurzen Programm in der Schule geht die Feier zu Hause oder in einem Restaurant weiter. Es gibt leckeren Kuchen, Limonade und ein gutes Mittagessen im Kreis der Familie. Alle Verwandten gratulieren dem Kind und wünschen ihm viel Erfolg und Freude beim Lernen. Die Einschulung zeigt sehr schön, wie wichtig Bildung und Schule in Deutschland sind, und bleibt für jedes Kind eine wunderschöne Kindheitserinnerung.

Im Herbst, Ende September und Anfang Oktober, findet in der bayerischen Landeshauptstadt München das größte Volksfest der Welt statt: das Oktoberfest. Die Einheimischen in Bayern nennen das Fest meistens nur ganz kurz und liebevoll die „Wiesn“, weil es auf einer großen Wiese namens Theresienwiese gefeiert wird. Jedes Jahr reisen viele Millionen Besucher aus ganz Deutschland und aus der ganzen Welt nach München, um diese riesige Party gemeinsam zu erleben.

Ein ganz besonderes Merkmal des Oktoberfests ist die traditionelle Kleidung. Sehr viele Besucher, egal ob alt oder jung, tragen bayerische Trachten. Die Frauen tragen ein Dirndl – das ist ein wunderschönes, buntes Kleid mit einer weißen Bluse und einer eleganten Schürze. Die Männer tragen eine Lederhose aus echtem Leder, dazu ein kariertes Hemd, dicke Socken und feste Schuhe. Wenn man über das Festgelände spaziert, sieht man überall Menschen in dieser fröhlichen, traditionellen Kleidung.

Das Herzstück des Oktoberfests sind die riesigen Festzelte. Diese Zelte sind von außen und innen wie große Häuser gebaut und bieten Platz für viele tausend Menschen. In den Zelten spielen traditionelle Musikkapellen bayerische Blasmusik und moderne Partylieder. Die Gäste sitzen an langen Holzbänken, singen laut mit, klatschen in die Hände und tanzen fröhlich. Man trinkt dort das spezielle Oktoberfestbier aus großen, schweren Gläsern, die man „Maß“ nennt. Eine Maß ist genau ein Liter Bier! Dazu isst man kräftiges bayerisches Essen wie gebratene Hähnchen, breite Brezeln mit Salz oder Schweinebraten mit Knödeln.

Draußen vor den Festzelten gibt es außerdem einen riesigen Jahrmarkt. Dort stehen viele bunte Fahrgeschäfte: ein riesiges Riesenrad, schnelle Achterbahnen, Geisterbahnen und Karussells für kleine Kinder. Überall riecht es köstlich nach gebrannten Mandeln, süßer Zuckerwatte und frischen Lebkuchenherzen. Auf diesen süßen Herzen aus Lebkuchen stehen liebevolle Worte wie „Ich liebe dich“ oder „Spatzl“. Das Oktoberfest dauert etwas mehr als zwei Wochen und ist ein buntes Fest voller Musik, Tradition und guter Laune.

Wenn die Tage im November kürzer und kälter werden, feiern die Kinder in Deutschland ein besonders schönes und leuchtendes Fest: den St.-Martins-Tag. Dieses Fest findet jedes Jahr am 11. November statt. Es erinnert an den heiligen Martin, einen barmherzigen Soldaten aus alten Zeiten. Die berühmte Geschichte erzählt, dass Martin an einem sehr kalten Wintertag einem frierenden Bettler begegnete. Martin hatte Mitleid, nahm sein Schwert und teilte seinen warmen roten Mantel in zwei Hälften, um dem armen Mann eine Hälfte zu schenken.

Das Symbol für das Fest ist das Teilen und das Licht in der Dunkelheit. Schon viele Tage vor dem 11. November basteln die Kinder im Kindergarten und in der Grundschule bunte Laternen. Sie kleben buntes Papier, zeichnen Sterne, Mond oder kleine Tiere und stecken eine Kerze oder eine kleine Lampe in die Laterne. Am Abend des Martinsfestes treffen sich die Kinder, Eltern und Lehrer in den Straßen der Stadt zum traditionellen Laternenumzug.

Wenn es draußen dunkel ist, ziehen alle gemeinsam durch die Straßen. Die vielen bunter Laternen leuchten wunderschön in der Nacht. Vor dem Umzug reitet oft ein Mann auf einem echten Pferd, der als St. Martin verkleidet ist und einen großen roten Mantel trägt. Während des Spaziergangs singen die Kinder traditionelle Martinslieder wie „Laterne, Laterne, Sonne, Mond und Sterne“ oder „Ich gehe mit meiner Laterne“. Musikkapellen begleiten die Gruppe und spielen die bekannten Melodien.

Am Ende des Umzugs kommen alle an einem großen Martinsfeuer zusammen. Die Kinder schauen in das warme Feuer und spielen oft die Geschichte von St. Martin und dem Bettler nach. Zum Schluss bekommt jedes Kind ein spezielles Süßgebäck aus süßem Hefeteig. Je nach Region heißt dieses Gebäck Weckmann, Stutenkerl oder Martinsmann. Es hat die Form von einem kleinen Mann mit Rosinen als Augen. Oft teilen die Kinder das Gebäck gemütlich mit ihren Freunden oder Geschwistern, genau wie St. Martin seinen Mantel geteilt hat.

Am 6. Dezember feiern die Menschen in Deutschland ein Fest, auf das sich besonders die kleinen Kinder das ganze Jahr über freuen: den Nikolaustag. Dieses Fest geht auf den heiligen Nikolaus zurück, einen Bischof, der vor sehr vielen Jahren lebte und für seine große Güte und seine Geschenke an die Armen bekannt war.

Die Vorbereitung auf diesen Tag beginnt schon am Abend vorher, also am 5. Dezember. Bevor die Kinder ins Bett gehen, putzen sie gründlich ihre Schuhe oder Stiefel, bis das Leder schön glänzt. Dann stellen sie einen sauberen Stiefel ganz vorsichtig vor die Kinderzimmertür, vor die Haustür oder auf die Fensterbank. Viele Kinder legen auch noch ein kleines Bild, ein gedichtetes Papier oder eine Karotte für das Pferd des Nikolaus neben den Schuh. Nach dem Glauben der Kinder wandert der Nikolaus in der Nacht heimlich durch die Straßen und füllt die Schuhe von allen braven Kindern.

Wenn die Kinder am Morgen des 6. Dezember aufstehen, laufen sie aufgeregt an die Tür. Im Stiefel finden sie viele kleine Leckereien und Überraschungen. Klassische Geschenke im Nikolausstiefel sind kleine Schokoladen-Nikoläuse, frische Mandarinen, Nüsse, Lebkuchen und manchmal ein kleines Buch oder Spielzeug.

In manchen Familien oder Kindergärten kommt der Nikolaus sogar persönlich zu Besuch. Er trägt ein langes rotes Gewand, eine Bischofsmütze auf dem Kopf und hält einen großen goldene Stab in der Hand. Er hat ein großes goldenes Buch dabei, aus dem er vorliest, was das Kind im letzten Jahr gut gemacht hat. Nachdem das Kind ein kleines Lied gesungen oder ein Gedicht aufgesagt hat, greift der Nikolaus in seinen großen Sack und gibt dem Kind seine Belohnung. Der Nikolaustag ist eine wunderschöne Tradition in der Winterzeit und macht das Warten auf das große Weihnachtsfest viel kürzer.

Am Ende des Jahres, vom 24. bis zum 26. Dezember, feiern die Menschen in Deutschland das größte und wichtigste Familienfest des Jahres: Weihnachten. Das Fest erinnert an die Geburt von Jesus Christus, aber für fast alle Familien bedeutet Weihnachten vor allem Liebe, Gemütlichkeit, schönes Essen und Zeit miteinander. Die vier Wochen vor Weihnachten heißen Adventszeit. In dieser Zeit schmückt man die Häuser mit Lichtern, brennt jeden Sonntag eine Kerze auf dem Adventskranz an und isst leckere Plätzchen.

Der wichtigste Tag der Weihnachtstage ist der 24. Dezember, der Heiligabend. Am Morgen stellen die Familien einen frischen Nadelbaum im Wohnzimmer auf. Der Weihnachtsbaum wird gemeinsam bunt geschmückt – mit glänzenden Kugeln, Lichterketten, Strohsternen und einer Spitze ganz oben. Unter dem Baum liegt oft eine kleine Krippe aus Holz. Viele Menschen gehen am späten Nachmittag in die Kirche, um Weihnachtslieder zu singen und die Weihnachtsgeschichte zu hören.

Am Abend treffen sich alle im Wohnzimmer zur Bescherung. Das ist der spannendste Moment für die Kinder! Nach dem Glauben der Kinder bringt das Christkind oder der Weihnachtsmann heimlich die Geschenke und legt sie unter den geschmückten Baum. Eine kleine Glocke klingelt, die Tür geht auf und die Kinder dürfen die verpackten Geschenke suchen und aufmachen. Danach isst man gemeinsam zu Abend. An Heiligabend gibt es in vielen Familien ein ganz einfaches Essen wie Kartoffelsalat mit Würstchen, damit niemand lange in der Küche stehen muss.

Die beiden folgenden Tage, der 25. und der 26. Dezember, sind gesetzliche Feiertage und heißen erster und zweiter Weihnachtsfeiertag. An diesen Tagen besucht man die Großeltern, Tanten, Onkel und Freunde. Jetzt gibt es ein sehr großes und festliches Mittagessen: Sehr beliebt sind ein großer Gänsebraten mit Rotkohl und Knödeln oder ein saftiger Fisch. Man sitzt viele Stunden zusammen, erzählt Geschichten und genießt die ruhige, besinnliche Zeit im Kreis der Familie.

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